Medizin

Sitzen und Fernsehen verkürzt das Leben

Dienstag, 10. Juli 2012

Baton Rouge –  Wer weniger als 3 Stunden am Tag am Schreibtisch verbringt, kann seine Lebenserwartung um 2 Jahre steigern. Der Verzicht auf mehr als 2 Stunden Fernsehen am Tag bringt weitere 1,4 Lebensjahre, rechnen US-Forscher in BMJ Open (2012; 2: e000828) vor.

Neben einer ungesunden Ernährung gehört ein Bewegungsmangel zu den häufigen und gut untersuchten Gesundheitsrisiken. Peter Katzmarzyk von der Louisiana State University System in Baton Rouge kann sich bei seinen Berechnungen auf fünf prospektive Beobachtungsstudien stützen, von denen zwei eine Assoziation zwischen längeren sitzenden Tätigkeiten und einer erhöhten Sterblichkeit ermittelt haben, während die anderen drei den Zusammenhang mit dem Fernsehen aufzeigten.

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Die dort ermittelten relativen Risiken setzten Katzmarzyk und Mitarbeiter mit der Prävalenz der beiden Risikofaktoren in dem US National Health and Nutrition Examination Survey in Beziehung. Es handelt sich um eine Stichprobe der US-Bevölkerung, die nach ihren Lebensgewohnheiten befragt wird.

Die Berechnungen der Forscher ergaben, dass sitzende Tätigkeiten für 27 Prozent und Fernsehen für 19 Prozent aller Todesfälle verantwortlich sind (population-attributable fraction, PAF). Anwendet auf die aktuellen Daten zur Lebenserwartung in den USA ergibt das die oben genannten Zeiten, um die die beiden Gewohnheiten das Leben verkürzen.

Die Berechnungen, die nach derzeitigen Vorstellungen durchaus eine Kausalität für sich beanspruchen können, bedeuten allerdings nicht, dass ein Berufswechsel zum Gärtner oder der Verkauf des Fernsehers die Bezugsdauer der Rente verlängert. Für den einzelnen Menschen müsste wohl die Gesamtheit aller Lebensrisiken berücksichtigt werden und Epidemiologen räumen ein, dass der Einfluss des Verhaltens (modifizierbare Risikofaktoren) auf die Vermeidung von Krankheiten und Tod begrenzt ist.

Die Studie ist allerdings eine erneute Warnung, dass sitzende Tätigkeiten einen Ausgleich durch Sport erforderlich machen. Chi Pang Wen vom National Health Research Institute in Zhunan/Taiwan hatte im letzten Jahr ausgerechnet, dass bereits eine „low-volume“-Aktivität mit 15 Minuten Bewegung am Tag das Sterberisiko um 14 Prozent senkt (Lancet 2011; 378: 1244-1253).

Auch hier bleibt natürlich zu bedenken, dass es eine Vielzahl von Erkrankungen gibt, die sich durch Sport oder auch gesunde Ernährung nicht vermeiden lassen, und die dazu führen könnten, dass die Dividende für ein gesundheitskonformes Leben am Ende ausbleibt. © rme/aerzteblatt.de

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