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Ärzte ohne Grenzen: Humanitäre Katastrophe im Südsudan - Syrische Ärzte gezielt verfolgt

Donnerstag, 12. Juli 2012

Berlin – Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat die Konfliktparteien in Syrien dazu aufgerufen, Ärzte und Patienten nicht anzugreifen und medizinische Einrichtungen als neutrale Orte zu respektieren. Zwar sei es der Organisation trotz monatelangen Bemühens nicht erlaubt, in dem Land zu arbeiten, sagte der Vorstandsvorsitzende Tankred Stöbe heute anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts 2011. Doch zwei Mitarbeiter seien in den Nordwesten Syriens gereist und hätten dort beobachtet, was zuvor schon syrische Flüchtlinge berichtet hätten. „Patienten und Ärzte werden in Syrien gezielt verfolgt und angegriffen“, sagte Stöbe.

Ärzte und Patienten nicht anzugreifen sei jedoch ein Grundprinzip des internationalen Völkerrechts, das auch in Syrien gewährleistet werden müsse. „Als humanitäre Hilfsorganisation sind wir darauf angewiesen, dass alle Konfliktparteien die Neutralität von humanitären Helfern respektieren“, betonte Stöbe.

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Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit erlebten die Menschen im Südsudan zurzeit eine humanitäre Katastrophe, berichtete der Geschäftsführer von „Ärzte ohne Grenzen“, Frank Dörner. Aus dem Norden des Landes seien in den vergangenen Monaten etwa 120.000 Menschen vor gewalttätigen Auseinandersetzungen in den Sudan geflohen. Die Flüchtlingslager seien völlig überfüllt und die Lebensbedingungen in ihnen alarmierend.

„Vor zwei Wochen haben heftige Regen­fälle das Lager Jamam zudem fast vollständig unter Wasser gesetzt, die Latrinen überflutet und das Trinkwasser kontaminiert“, erklärte Dörner. Es müssten vor allem Durchfaller­kran­kungen, Atemwegsinfektionen und Mangelernährung, aber auch Malaria und Augeninfektionen behandelt werden.

Der Südsudan erlangte am 9. Juli 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan. Der erste Geburtstag des Landes vor einigen Tagen sei für die Menschen jedoch kein Grund zum Feiern, sagte Dörner. Denn fast drei Viertel der Bevölkerung hätten noch nicht einmal Zugang zu einer medizinischen Basisversorgung. Die Mütter- und Kindersterblichkeit sei eine der höchsten der Welt.

Dörner rief die Bundesregierung dazu auf, angesichts dieser Situation ihre Investitionen in das Land weiter zu erhöhen. Deutschland helfe mit 12 Millionen Euro, während „Ärzte ohne Grenzen“ allein für die südsudanesische Region Maban 16 Millionen Euro einsetze.

Insgesamt hat die deutsche Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“ im vergangenen Jahr 78,5 Millionen Euro eingenommen. Das seien zwar gut zehn Millionen Euro weniger als im Vorjahr, erklärte Stöbe, doch 2010 sei angesichts des Erdbebens in Haiti und der Überschwemmungen in Pakistan auch ein Ausnahmejahr gewesen.

90 Prozent der Gesamteinnahmen erhielt die Organisation aus privaten Spenden. „Diese Treue unserer Unterstützer in Zeiten der europäischen Finanzkrise ist beeindruckend, und ich möchte mich herzlich dafür bedanken“, sagte Stöbe. „Sie macht uns unabhängig von öffentlichen Geldgebern und ermöglicht es uns, dort zu helfen, wo es am dringendsten notwendig ist, auch wenn es wenig öffentliche Aufmerksamkeit gibt.“ © fos/aerzteblatt.de

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