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Multiple Sklerose: Stress-Management verhindert Läsionen

Donnerstag, 12. Juli 2012

Chicago – Ein Stress-Management-Programm hat in einer randomisierten klinischen Studie in Neurology (2012; doi: 10.1212/WNL.0b013e3182616ff9) bei Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose die Neubildung von Läsionen in der Kernspintomographie vermindert. Die Wirkung hielt jedoch nicht über das Ende der Therapie hinaus an.

Das Stress-Management-Programm, das der Präventivmediziner David Mohr von der Feinberg School of Medicine in Chicago den 121 MS-Patienten anbot, vermittelte Techniken zur Problemlösung, zur Entspannung und zur Steigerung positiver Aktivitäten und zur Verbesserung der sozialen Unterstützung. Es gab außerdem Angebote zum „Fatigue“-Management, zur Angstreduktion, zur Schmerzbewältigung und gegen Schlafstörungen.

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Eine Hälfte der Patienten besuchte während eines halben Jahr das Stress-Management-Programm, die anderen erhielten die Therapie in der zweiten Jahreshälfte. Während der Therapie wurde die Aktivität der multiplen Sklerose dreimal mittels kernspintomographischer Untersuchungen beurteilt. Endpunkt war die Zahl neuer Läsionen. Gezählt wurden zum einen die Gadolinium-aufnehmenden Läsionen. Sie zeigen eine oft nur vorübergehende Störung der Bluthirnschranke an. Zum anderen wurden die T2-gewichteten Läsionen bestimmt. Sie sind oft ein Hinweis auf eine permanente Schädigung.

In beiden Endpunkten registrierte Mohr während der Dauer des Stress-Management-Programms eine signifikante Reduktion. So bleiben 77 Prozent der Patienten ohne neue Gadolinium-aufnehmende Läsionen gegenüber 55 Prozent in der Kontrollgruppe (in der Wartezeit vor oder nach der sechsmonatigen Therapiephase). Ohne neue T2-gewichtete Läsionen blieben 70 Prozent versus 55 Prozent der Patienten unter Therapie und in der Wartezeit.

Der Therapieeffekt könne sich mit der Wirkung von neuen Medikamenten in Phase-II-Studien messen lassen, meint Mohr. Er betont allerdings, dass das Stress-Management-Programm kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zur medikamentösen Therapie ist. Auch während der Studie führten die Patienten ihre Medikation fort.

Wie diese hält die Wirkung des Stress-Management-Programms nur so lange an, wie die Patienten die Seminare besuchten. Auf Dauer könnte das Stress-Management-Programm den Patienten wegen des hohen Zeitaufwands und der Kosten kaum angeboten werden. Mohr sucht deshalb nach Möglichkeiten, die Therapie auch telemedizinisch über Computer oder Smartphone anzubieten.

In früheren Studien hatte Mohr eine Verbindung zwischen psychischen Stress und der Entwicklung neuer Läsionen beschrieben (Neurology 2000; 55: 55-61). Für den Präventivmediziner ist Stress einer von vielen Faktoren, die zu einer Eskalation des Entzündungsprozesses führen können, die der multiplen Sklerose zugrunde liegt.

Kritisch anzumerken ist vielleicht, dass sich Therapieeffekte bei der multiplen Sklerose mit ihrem schwer vorhersehbaren Verlauf oft erst nach mehreren Jahren beurteilen lassen. Es hat in der Vergangenheit viele Behandlung gegeben, die sich nach vielversprechenden Anfangsergebnissen auf Dauer nicht als nachhaltig erwiesen haben. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob der Therapieansatz weiter in Studien untersucht wird. © rme/aerzteblatt.de

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