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HIV-Medikament Maraviroc könnte Graft-ver­sus-Host-Disease verhindern

Donnerstag, 12. Juli 2012

Philadelphia – Aufgrund seines Wirkungsmechanismus könnte das HIV-Medikament Maraviroc auch gegen eine Graft-versus-host-Disease (GVHD) wirksam sein, die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantationen kompliziert. In einer ersten Pilotstudie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 135-145) wurden gewisse Erfolge erzielt.

Allogene Stammzelltransplantationen werden bei Leukämien und Lymphomen mit Erfolg eingesetzt. Die Stammzellen des Spenders sollen das blutbildende Gewebe ersetzen, das zuvor mittels Chemo- und Strahlentherapie vernichtet wurde. Doch für die Abwehrzellen im Transplantat (Graft) ist der neue Wirt (Host) immunologisch „fremd“. Sie greifen ihn deshalb an. Bei dieser Graft-versus-host Reaktion spielen T-Zellen eine zentrale Rolle. Diese Zellen werden unter anderem über Zytokine rekrutiert, die an dem sogenannten CCR5-Rezeptor binden.

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Auch HI-Viren benötigen den CCR5-Rezeptor, um in die CD4-Zellen einzudringen, die zu den T-Zellen gehören. Vor fünf Jahren wurde mit Maraviroc ein antiretroviraler Wirkstoff eingeführt, der den CCR5-Rezeptor blockiert. Dies verhindert eine Infektion mit HIV, es könnte aber auch einen Beitrag zur Verhinderung einer GVHD leisten, überlegten sich Robert Vonderheide und David Porter von der Perelman School of Medicine in Philadelphia. Die Mediziner haben die Hypothese zunächst im Labor und dann in einer klinischen Studie an 38 Patienten erprobt, bei denen aufgrund eines immunologischen „Mismatches“ mit dem Empfänger mit einer GVHD zu rechnen war.

Die in-vitro-Tests ergaben, dass Maraviroc in der Lage war, die Aktivierung des Rezeptors zu unterbinden. Die Zellen konnten nicht mehr durch Zytokine zur Chemotaxis veranlasst werden. Bei den Patienten, die alle die übliche Standardtherapie erhielten, hat Maraviroc die Prophylaxe einer GVHD wahrscheinlich unterstützt. Da die explorative Studie keine Kontrollgruppe hatte, fehlt zwar der abschließende Beweis. Doch in den ersten 100 Tagen nach der Transplantation kam es bei keinem Patienten zu einer GvHD in Leber oder Darm. In diesen Organen wird die GvHD besonders gefürchtet. Tödliche Verläufe sind möglich.

Nach sechs Monaten war es nach Auskunft von Vonderheide und Porter nur bei 6 Prozent der Patienten zu einer schweren GVHD gekommen. Nur 3 Prozent zeigen GVHD-Veränderungen in der Leber und nur 9 Prozent im Darm. Die Rate sei niedriger als zu beim Risikoprofil der Patienten zu erwarten gewesen wäre, schreiben die Autoren, die auch 1 Jahr nach der Transplantation noch einen Vorteil sehen, obwohl die Patienten den CCR5-Blocker nur bis zum 30. Tag nach der Transplantation eingenommen hatten. Während dieser Zeit konnten die Forscher in Blutproben der Patienten die gleichen Wirkungen wie in den in-vitro-Experimenten beobachten.

Vonderheide und Porter geben sich deshalb zuversichtlich, dass die Ergebnisse auch in zukünftigen Studien erzielt werden können und die Therapie dem derzeitigen Standardregime überlegen ist, was allerdings nur in direkten Vergleichsstudien bewiesen werden könnte. © rme/aerzteblatt.de

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