7.839 News Medizin

Medizin

Mammakarzinom: Häufige Nachoperationen nach Lumpektomie

Freitag, 13. Juli 2012

London – Mehr als die Hälfte aller Mammakarzinome werden heute brusterhaltend operiert. Es gelingt aber nicht immer, den Tumor vollständig zu entfernen. In einer Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345: e4505) musste bei jeder fünften Frau innerhalb der ersten 3 Monate nach der Lumpektomie nachoperiert werden. Häufig wurde eine Mastektomie notwendig.

Die Idee hinter der Lumpektomie ist einfach. Die Chirurgen entfernen nur den vom Tumor befallenen Anteil der Brustdrüse und zur Sicherheit eine dünne Schicht des umgebenden Gewebes. Da das kosmetische Ergebnis als günstiger empfunden wird als nach einer Mastektomie, wünschen viele Frauen diese brusterhaltende Operation. In England lag der Anteil zwischen April 2005 und März 2008 bei 58 Prozent, wie David Cromwell von der London School of Hygiene and Tropical Medicine recherchiert hat.

Anzeige

Während einer Lumpektommie fällt es jedoch nicht immer leicht, gesundes und tumoröses Gewebe zu unterscheiden. Bei etwa einem Drittel der Frauen gibt es mehr als ein Tumornest. Viele Patientinnen müssen deshalb in den ersten Wochen oder Monaten ein weiteres Mal operiert werden.

Dies war in England bei 20 Prozent der Patientinnen der Fall, wobei Cromwell die Analyse auf die ersten drei Monate nach der Primäroperation beschränkte, um Lokalrezidive als Ursache auszuschließen. Er nahm auch alle Eingriffe in der ersten Woche aus der Auswertung heraus, da sie häufig durch Wundinfektionen oder andere Komplikationen verursacht werden, die nicht auf den Tumor zurückzuführen sind.

Am häufigsten wurde eine Zweitoperation bei einem Carcinoma in situ notwendig (Anteil 29,5 Prozent). Die Ausdehnung dieses Tumors könne der Operation häufig nur schwer abgeschätzt werden, schreibt Cromwell. Bei einem isolierten invasiven Mammakarzinom gelinge dies häufiger. Hier betrug die Rate der Nachoperationen nur 18,0 Prozent.

Bei etwa 40 Prozent der Frauen entschieden sich die Chirurgen bei der Nachoperation für eine Mastektomie. In den anderen Fällen wurde eine erneute brusterhaltende Operation durchgeführt.

Die Ergebnisse decken sich mit den Erfahrungen aus Deutschland. Mayani Bani vom Brustzentrum der Universität Erlangen gab die Reoperationsrate mit 21,4 Prozent an. Auch in Erlangen war der Anteil bei einem Carcinoma in situ mit 29 Prozent höher. Ein weiterer Risikofaktor war eine hohe Brustdichte. In Erlangen wurde allerdings nur bei 9,6 Prozent der Frauen eine Mastektomie notwendig (Eur J Surg Oncol. 2009; 35: 32-7). © rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.839 News Medizin

Nachrichten zum Thema

16.05.13
Washington – In der Debatte um Angelina Jolies vorsorgliche Amputation beider Brustdrüsen aufgrund eines Risikogens rückt nun ein weiterer Aspekt in den internationalen Fokus: Der juristische Streit...
15.05.13
Vorsorgliche bilaterale Mastektomie: Individuelle Entscheidung
Köln – Die US-Schauspielerin Angelina Jolie hat sich vorsorglich beide Brustdrüsen amputieren lassen, weil sie aufgrund einer genetischen Disposition ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung...
15.05.13
Ethik­rats-Vorsitzende kritisiert Angelina Jolie
Berlin – Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, beurteilt den öffentlichen Umgang der US-Schauspielerin Angelina Jolie mit ihrer präventiven Brustamputation skeptisch. Die...
14.05.13
Angelina Jolie: Vorsorgliche bilaterale Mastektomie
New York/Berlin – US-Schauspielerin Angelina Jolie (37) hat sich aus Angst vor einem Mammakarzinom beide Brustdrüsen amputieren lassen. Das schreibt der Hollywood-Star in einem Beitrag für die New...
08.05.13
Tamoxifen und Co.: Meta-Analyse bestätigt Brust­krebs-Prävention
London – Selektive Estrogenrezeptormodulatoren (SERM) wie Tamoxifen oder Raloxifen können einem Brustkrebs vorbeugen. Eine von der britischen Stiftung Cancer Research UK beauftragte Meta-Analyse...
03.05.13
Brustimplantate könnten Prognose bei Brustkrebs verschlechtern
Québec City – Kosmetische Brustimplantate können die Diagnose eines Mammakarzinoms erschweren. Nach einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013;346:f2399) wird die Diagnose bei...
22.04.13
Heidelberg – Ein Forscherteam hat unter den verschiedenen Tumorzellen, die im Blut von Brustkrebspatientinnen zirkulieren, möglicherweise jene Stammzellen gefunden, die in der Lage sind, Metastasen zu...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in