Politik

Nicht jeder Krankenpfleger muss studieren

Mittwoch, 18. Juli 2012

Berlin – Die Arbeitsgemeinschaft Hochschul­medizin (AG Med) hat sich dagegen ausge­sprochen, dass Kranken­pfleger, Logopäden, Physio­therapeuten und andere künftig grund­sätzlich einen Bachelor erwerben müssen. Die AG Med lehnt damit die vom Wissen­schaftsrat vorgeschlagene Über­führung des derzeitigen dualen Systems in Bachelor-Studiengänge ab.

Die AG Med konstatiert allerdings, dass in Deutschland immer mehr Menschen pflege­bedürftig werden und die Arbeit der Gesundheitsfachberufe komplexer wird. Deswegen sei es sinnvoll, einen Teil der Gesundheitsfachberufe mittels eines akademischen Zusatzstudiums höher zu qualifizieren.

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„Realistischerweise wird sich hier eine Weiterqualifikation auf maximal zehn Prozent der Stelleninhaber beschränken“, hieß es aus der AG Med. Bund und Ländern müssten dafür eine geeignete Zahl von Weiterbildungsstudiengängen an Fachhochschulen und Universitäten schaffen. Die bereits zahlreich bestehenden Studiengänge seien zu evaluieren und gegebenenfalls zu vereinheitlichen.

Das bedeute aber nicht, dass jeder künftige Gesundheitsfachberufler studieren müsse. „Es ist sachlich nicht begründbar, warum ein weltweit anerkanntes und funktionierendes dreijähriges duales Ausbildungssystem durch ein dreijähriges akademisches Studium ersetzt werden soll“, hieß es aus der AG Med. Dies ergebe aus Patientensicht keinen Vorteil in der Pflege oder Rehabilitation.

Die AG Med kritisiert den Vorstoß des Wissenschaftsrats auch unter finanziellen Gesichtspunkten. Es sei ein Irrglauben, durch Einsparungen im ärztlichen Dienst die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe finanzieren zu können. Die Patienten hätten einen Anspruch auf eine Behandlung durch einen Facharzt. Eine Akademisierung der Gesundheitsfachberufe dürfe dieses hohe Behandlungsniveau nicht infrage stellen.

Zur Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin gehören unter anderem die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer, der Marburger Bund, der Medizinische Fakultätentag und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland. © hil/aerzteblatt.de

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mette-marit
am Donnerstag, 14. März 2013, 21:24

AG Hochschulmedizin ohne Pflege ?

Schade das die AG Hochschulmedizin ohne Beteiligung pflegerischer Fachkräfte ein Statement bezüglich der Ausbildung abgibt. Bei der Komplexität der Aufgaben die eine Gesundheits-und Krankenpflegerin übernimmt und das auch noch interdisziplinär und nicht fachbereichsbezogen ist eine Akademisierung der Krankenpflege zwingend notwenig und ein abgestuftes Konzept für die Ausbildung von Pflegehilfsberufen analog in anderen Ländern Europas
ceejay
am Donnerstag, 19. Juli 2012, 09:40

klar geregelte Anhebung der Verantwortung

wie schon in dem andern Artikel angemerkt, so gibt es diese "B.Sc Qualifikationen" sogar in der Präklinik! Aber wie gesagt... ich schweife ab...
dr.mommsen
am Mittwoch, 18. Juli 2012, 23:28

Muss dann aber auch längst überfällige Auswirkungen auf den Arbeitsalltag haben !

In Spanien ist "die Schwester" ein Studium, was auf den ersten (deutschen) Blick merkwürdig anmutet, aber sehr angenehme Konsequenzen im Arbeitsalltag hat:
Die Schwestern nehmen selbstverständlich Blut ab, legen Zugänge, hängen Infusionen an, machen komplizierte Verbandswechsel, weisen fachkompetent auf Medikationen hin, etc.
Der Alltag als Arzt wird dadurch erheblich erleichtert.
Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Motivation.
Wie viele junge Schwestern und Pfleger fühlen sich in den ersten Routinemonaten unterfordert und reissen sich ein Bein aus, um abends Qualifikationen zu erwerben, mit denen sie auf Intensiv oder im OP dann endlich genau die oben angesprochenen Tätigkeiten durchführen können?
Fazit:
Ein Bachelorstudiengang in Kombination mit einer klar geregelten Anhebung der Verantwortung und Herausforderung im Arbeitsalltag, kann viele junge motivierte Schwestern und Pfleger schneller in die gewünschte Position bringen und die Ärzteschaft kann davon nur profitieren.
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