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EU testet Frühwarnsystem nach EHEC-Krise

Freitag, 20. Juli 2012

Brüssel  – Mit systematischen Praxistests stellt die EU nach der letztjährigen EHEC-Epidemie ihr europaweites Frühwarnsystem auf die Probe. Damit solle sichergestellt werden, dass Gesundheitsrisiken bei Lebens- und Futtermitteln schnellstmöglich über die Grenzen des betroffenen Landes hinaus bekannt und behoben werden, teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit. Das Ziel sei, künftig bei ähnlich gelagerten Fällen die Kommunikation zwischen den nationalen Behörden und Mitgliedstaaten zu verbessern sowie unnötige Panik und Verunsicherung in der Bevölkerung zu vermeiden.

Wann genau und in welcher Form die Tests durchgeführt werden, darüber schwieg sich die Kommission aus. Zu den aus der Krise von 2011 gezogenen Lehren gehöre jedoch eine neue Online-Meldeplattform, über die konkrete Verdachtsmomente für Gesundheitsrisiken effektiver erfasst werden.

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Dort trage der jeweilige Mitgliedstaat umgehend das betroffene Produkt, Risiko, die ergriffenen Gegenmaßnahmen und die geografische Herkunft des Produkts ein. Die anderen Mitgliedstaaten können dann auf diese Daten zugreifen und sofort prüfen, inwiefern sie betroffen sind. Außerdem werde das verantwortliche Personal in den nationalen Behörden besonders geschult, hieß es.

Rückblickend bewertet Brüssel die EHEC-Krise vom Sommer 2011 als „eine der schlimmsten Gesundheitsgefährdungen durch Lebensmittel in der Geschichte der EU”.  Binnen zwei Monaten starben europaweit mehr als 50 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Darmkeim, fast alle davon in Deutschland. Zudem erkrankten allein hierzulande knapp 4.000 teils schwer.

Wochenlang suchten Experten vergeblich nach der Infektionsquelle, die sich schließlich als Sprossensamen aus Ägypten entpuppte. Zunächst waren Gurken aus Spanien ins Visier geraten, woraufhin viele Geschäfte spanische Produkte aus dem Sortiment nahmen. Die daraus folgenden Umsatzeinbußen führten beinahe zu einer politischen Krise zwischen Deutschland und Spanien.

Deutschland habe richtige Lehren gezogen
Einen konkreten Vorwurf an Deutschland, wo die Koordination zwischen den Behörden auf Bundes- und Länderebene Lücken offenbarte, wollte die EU-Kommission am Freitag nicht formulieren. „Man kann nicht behaupten, dass Deutschland untätig gewesen wäre”,  sagte ein Sprecher der Gesundheitsdirektion. Im Gegenteil: Mit der vom Verbraucherschutzministerium ins Leben gerufenen "Task Force" aus Experten von Bund, Ländern und der EU sei "das notwendige Instrument geschaffen worden", damit sich eine solche Krise nicht wiederhole. Bei der Krisenkommunikation werde künftig aber sicher mehr darauf geachtet, unbestätigte Verdachtsmomente nicht voreilig zu verbreiten.

Alles in allem genießen europäische Verbraucher nach Ansicht von EU-Gesundheitskommissar John Dalli heute „das weltweit höchste Lebensmittelsicherheitsniveau". Krisen wie jene vom letzten Jahr - neben EHEC fielen in den Zeitraum auch der Nuklearunfall von Fukushima und der Dioxin-Skandal - böten immer auch eine Gelegenheit, das bestehende System zu verbessern.

Dem Anschein nach hat dies in der Folge auch funktioniert: Die Zahl der gemeldeten Verstöße gegen EU-Lebensmittelrecht stieg im vergangenen Jahr mit 9.157 Fällen auf ein neues Rekordniveau. Dies liege aber keineswegs an einem allgemein höheren Gesundheitsrisiko, hieß es aus Brüssel. Vielmehr würden Verdachtsfälle für Lebens- und Futtermittelrisiken inzwischen auch konsequenter verfolgt.

© dapd/aerzteblatt.de

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