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„Die Pflege ist als Beruf nach wie vor attraktiv“

Montag, 23. Juli 2012

Köln – Rund 54.200 Jugendliche haben im Herbst 2010 eine Berufsausbildung in einem Pflegeberuf begonnen. Insgesamt ist gegenüber dem Jahr 2000 die Zahl der Ausbildungsanfänger im Pflegebereich um 32 Prozent gestiegen. Das berichtet das Statistische Bundesamt. 

5 Fragen an Franz Wagner Vizepräsident des Deutschen Pflegerates

DÄ: Haben Pflegeberufe bei Auszu­bildenden einen besseren Ruf als oft behauptet?

Wagner: Wir haben in unserer Gesell­schaft eine Grundmenge von Leuten, die sich für die Pflege interessieren. Für sie ist die Arbeit in der Klinik oder einem Alten- und Pflegeheim nach wie vor attraktiv. Das signalisieren auch die Zahlen des Statistischen Bundeamtes.

DÄ: Ist der Pflegenotstand damit gebannt?

Wagner: Leider nicht. Wir haben weiterhin einen Personalmangel in der Pflege. Das weiß jeder, der im Heim oder in der Klinik arbeitet. Zu den neuen Ausbildungszahlen: Zunächst ist zu sagen, dass in den Statistiken auch die Pflegehelferinnen enthalten sind, nicht alle Auszubildenden werden also examinierte Fachkräfte. Außerdem geht die Steigerung von rund 32 Prozent zu einem großen Teil auf einen Anstieg in der Alten­pflege zurück. Die Altenpflegeausbildung war besonders ungünstig organisiert. Da hat es Verbesserungen gegeben und die schlagen sich in jetzt in höheren Ausbildungszahlen nieder.

DÄ: Zur Klinik. In welchen Bereichen sehen sie da die größten Probleme?

Wagner: Der Mangel geht durch alle Bereiche. Besonders wahrgenommen und artikuliert wird er aber für die Intensivpflege, das OP und die Anästhesie.

DÄ: Warum vor allem dort?

Wagner: Ein Mangel dort trifft die Kliniken im Mark, weil er unmittelbar erlösrelevant ist. Wenn Sie nicht operieren können, weil sie keine OP-Pfleger haben, dann ist das für die Klinik natürlich besonders schlecht. Pflegemangel gibt es auch auf Allgemeinstationen, aber hier können die Kliniken mehr verschieben und überbrücken und dabei den Betrieb trotzdem aufrechterhalten.

DÄ: Was halten Sie von alternativen Strategien, zum Beispiel Pflegekräfte im Ausland anzuwerben?

Wagner: Grundsätzlich ist das in Ordnung. Ausländische Pflegekräfte anzuwerben wird aber immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Außerdem sollte uns bewusst sein, dass die Pflege in Deutschland international nicht den besten Ruf genießt. In anderen Ländern arbeiten die Pflegekräfte eigenständiger und eher auf Augenhöhe mit den Ärzten, sie werden oft auch besser bezahlt. Die Ziele für ausländische Pflegekräfte sind daher eher Skandinavien, Großbritannien oder die USA als Deutschland. © hil/aerzteblatt.de

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