Software Geno2pheno für die personalisierte Krebstherapie
Montag, 23. Juli 2012
Saarbrücken – Krebserkrankungen sind schwer zu behandeln, weil sich Tumoren in jedem Patienten anders verhalten und im Laufe der Zeit verändern. Mehr Erfolg versprechen sich Forscher von der Kombination mehrerer Medikamente. Dafür müssen die molekularen Besonderheiten des jeweiligen Tumors bestimmt werden.
Diesen Ansatz verfolgt Thomas Lengauer, Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken, seit langem erfolgreich für die HIV-Therapie. Gemeinsam mit seinem früheren Mitarbeiter Christoph Bock hat er einen Artikel in der Zeitschrift Nature Reviews Cancer zu den Perspektiven für eine künftige personalisierte Krebsbehandlung verfasst.
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HIV-infizierte Patienten müssen sich im Laufe ihres Lebens mehrfach einem Therapiewechsel unterziehen, da einzelne Therapien aufgrund von Resistenzen nach einer gewissen Zeit unwirksam werden. „Ein ähnliches Muster ist bei Krebs zu beobachten“, erläutert Bioinformatiker Bock, der am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien arbeitet. In den vergangenen Jahren wuchs das therapeutische Wirkstoffarsenal gegen HIV, und man hat Erfahrung mit Medikamentenkombinationen gesammelt. Auf der Basis der Analyse des viralen Genoms lassen sich computergestützt Resistenzen erkennen und Therapien optimieren.
Die Forscher um Lengauer haben für eine Anzahl von viralen Infektionen, vornehmlich HIV/Aids, die frei im Internet verfügbare Software Geno2pheno entwickelt. Diese schätzt zunächst das Maß der Resistenz gegen die einzelnen Wirkstoffe anhand der im Patienten gefundenen Virusvarianten und ordnet anschließend die Wirkstoffkombinationen nach der Wahrscheinlichkeit, wie sie am besten gegen das Virus helfen. Weltweit waren nach Angaben Lengauers bereits mehr als 500 000 Anfragen an den Geno2pheno-Server zu verzeichnen.
Grundlage für das Verfahren sind mathematische Modelle, die in der Datensammlung verborgene Muster und Zusammenhänge entdecken. Dieser systematische statistische Ansatz ist nach Meinung der Forscher eine Alternative zu bisherigen Methoden der Resistenzbestimmung, die allein auf klinischer Expertise basieren.
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