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Weitere Medulloblastom-Gene identifiziert

Montag, 23. Juli 2012

Boston – Ein internationales Forscherteam hat beim Medulloblastom, dem häufigsten malignen Hirntumor im Kindessalter, ein Dutzend Genmutationen entdeckt, die als Antreiber des Tumorwachstum infrage kommen. Ihre Studie in Nature (2012; doi: 10.1038/nature11329) könnte die Einteilung des Tumoren verbessern. Sie liefert außerdem Ansatzpunkte für neue Therapien.

Medulloblastome sind aggressive Tumoren des Kleinhirns, die tyischerweise in den ersten Lebensjahren auftreten. Dank Operation und anschließender Chemo- und Strahlentherapie überleben heute etwa zwei Drittel der Kinder, viele allerdings nur mit dauerhaften Behinderungen.

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In den letzten Jahren ist es dem Team um Scott Pomeroy vom Boston Children's Hospital gelungen, den Tumor anhand seines genetischen Profils in vier verschiedene Gruppen aufzuteilen, in denen die Überlebensraten zwischen 20 und 90 Prozent liegen. Jetzt hat das Team 12 weitere genetische Marker beschrieben, die die Einteilung weiter verbessern und Ansatzpunkte für neue Therapien liefern.

Es handelt sich um Einzelmutationen. Sie wurden durch die komplette Sequenzierung des Exoms (der Anteil des DNA, der Proteine kodiert) von 92 Tumoren erkannt. Die US-Forscher haben dabei mit Wissenschaftlern aus Kanada und dem Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg zusammengearbeitet.

Die 12 Mutationen fallen in zwei Kategorien: Einige wie Shh und Wnt führen zu direkten Störungen von Stoffwechselwegen, die das Zellwachstum beeinflussen, andere wie DDX3X und GPS2 haben eine allgemeinere Funktion. DDX3X kodiert sogenannte RNA-Helikase.

Sie greift in die Ablesung von Genen und deren Umsetzung in Proteine ein. Ko-Autor Yoon-Jae Cho von der Stanford Universität weist darauf hin, dass Mutationen in DDX3X auch bei der chronisch lymphatischen Leukämie und bei Kopf-Halstumoren gefunden wurden. Bei beiden Malignomen des Erwachsenenalters lagen, wie beim Medulloblastom, auch Störungen der WNT-Signalkette vor.

Mehrere Mutationen betrafen die Methyltransferasen, die an den Histonen angreifen und dadurch dauerhafte Veränderungen am Erbgut verursachen, die auf die Tochterzellen weitergereicht werden. Wirkstoffe, die in diese Stoffwechselwege eingreifen, befinden sich in der präklinischen Entwicklung.

Andere Wirkstoffe, die einen anderen Stoffwechselweg (Hedgehog signaling pathway) angreifen, sind bereits in der klinischen Prüfung. Die aktuelle Studie könnte helfen, jene Patienten herauszufinden, bei denen die Medikamente die beste Wirkung erzielen. © rme/aerzteblatt.de

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