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Herzinfarktrisiko nach Gelenkersatz erhöht

Dienstag, 24. Juli 2012

Utrecht – Patienten, die sich einem geplanten Hüft- oder Kniegelenkersatz unterziehen, haben in den ersten Wochen nach der Operation ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Gefährdet sind einer Kohortenstudie in den Archives of Internal Medicine (2012; doi:10.1001/archinternmed.2012.2713) zufolge vor allem ältere Patienten. Die Studie zeigt auch, dass ein Herzinfarkt im halben Jahr vor der Operation ein Risikofaktor ist.

Die perioperative Phase setzt alle Patienten unter Stress. Eine bekannte Folge ist eine erhöhte Rate von Herzinfarkten. Dies gilt nicht nur für Herzoperationen oder morbide Patienten, die sich einer Notoperation unterziehen müssen. Auch der Gelenkersatz, ein geplanter Eingriff, der eine sorgfältige Vorbereitung erlaubt, belastet den Patienten. Zu den bekannten Risiken gehören venöse Thrombosen, weshalb heute alle Patienten heparinisiert werden. Heparine schützen auch vor arteriellen Thromben, die einen Herzinfarkt auslösen können, wenn sie die Koronararterien verlegen.

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Es ist deshalb überraschend, dass auch nach Gelenkersatz das postoperative Herzinfarktrisiko erhöht ist, wie dies jetzt Arief Lalmohamed von der Universität Utrecht und Mitarbeiter herausgefunden haben. Die Forscher haben die Daten von rund 95.000 Dänen ausgewertet, die sich in den Jahren 1998 bis 2007 einem primären Gelenkersatz von Hüfte oder Knie unterzogen.

Da alle Bewohner des Landes eine Identifikationsnummer haben, die ihnen in allen Registern zugeordnet wird, konnte Lalmohamed herausfinden, wie viele Patienten in den Wochen nach einem Gelenkersatz wegen eines Herzinfarkts hospitalisiert wurden oder gar daran gestorben sind.

Lalmohamed ermittelte, dass Patienten in den ersten 2 Wochen nach einem Hüftgelenkersatz 25-fach häufiger an einem Herzinfarkt erkranken als eine Kontrollgruppe (adjustierte Hazard Ratio HR 25,5; 95-Prozent-Konfidenzintervall 17,1-37,9). In den ersten beiden Wochen nach einem Kniegelenkersatz war das Risiko sogar fast 31-fach erhöht (HR 30,9; 11,1-85,5). Nach dem Hüftgelenkersatz war das Risiko bis zur 6. postoperativen Woche erhöht.

Nach dem Kniegelenkersatz war es auf die ersten beiden Wochen beschränkt. Das absolute Risiko war überschaubar: Nach einem Hüftgelenkersatz erlitten 0,51 Prozent aller Operierten (also einer von 200) einen Herzinfarkt nach einem Kniegelenkersatz betrug die Rate 0,21 Prozent (oder 1 zu 500).

Eine weitere Untersuchung ergab, dass das postoperative Herzinfarktrisiko mit dem Alter zunimmt. Ein signifikantes Herzinfarktrisiko war erst ab dem 60. Lebensjahr nachweisbar. Nach dem 80. Lebensjahr stieg es stark an. Vorsicht geboten ist laut Lalmohamed auch bei Patienten mit Herzinfarkten in der Vorgeschichte. Patienten, die in den sechs Monaten vor dem Gelenkersatz einen Herzinfarkt erlitten hatten, erkrankten vierfach häufiger als andere in den ersten sechs Wochen nach der Gelenkoperation erneut an einem Herzinfarkt.

Die Ursache für das erhöhte Herzinfarktrisiko kann die Studie nicht ermitteln. Lalmo­hamed vermutet aber, dass die Manipulationen des Chirurgen zu einer Freisetzung von Knochenmarkzellen in das Blut führen und dass diese dann die Koronararterien verlegen.

Die geringen absoluten Risiken dürften Orthopäden und Patienten in der Regel nicht von einem Gelenkersatz abhalten, die Ergebnisse sollten nach Ansicht des Editorialisten Arthur Wallace von der Universität von Kalifornien in San Francisco, aber Anlass sein, bei den Patienten auf den Einsatz von Medikamente zu achten, die das postoperative Risiko bekanntermaßen senken wie Betablocker, Clonidin, Statine und ASS. © r0e/aerzteblatt.de

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