6.759 News Politik

Politik

Kassen fordern Nachbesserung bei geplantem Ausbau der Krebsvorsorge

Dienstag, 24. Juli 2012

Berlin – Aus Sicht der gesetzlichen Kassen müssen die Pläne von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zum Ausbau der Krebsvorsorge nachgebessert werden. Das Ziel, die Situation für die Patienten zu verbessern, werde mit dem Gesetzentwurf noch nicht umfassend erreicht, erklärte AOK-Vorstand Uwe Deh am Dienstag anlässlich einer Anhörung zu dem Entwurf. Umstritten ist vor allem die künftige Gestaltung der Krebsregister und die Finanzierung.

„Der jetzige Flickenteppich von mehr als 50 Krebsregistern muss abgelöst werden durch aussagefähige, übergreifende und transparente Daten", forderte Deh. Die bestehenden regionalen Register seien häufig viel zu kleinteilig mit zu niedrigen Fallzahlen und entsprechend häufigen Fehlerquellen. Deh plädierte daher für ein bundesweites Register.

Anzeige

Der Ersatzkassenverband Vdek sprach sich für nur ein Krebsregister pro Bundesland aus, damit die Arbeit an zentraler Stelle gebündelt werden kann. Krebsregister seien hilfreich, Defizite in der Versorgung zu erkennen, erklärte Vdek-Chefin Ulrike Elsner. Zwingende Voraussetzung dafür sei jedoch eine „vollständige, flächendeckende Datenerfassung, die deutschlandweit nach einheitlichen Kriterien erfolgt“.

Der Vizechef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, begrüßte indes den Referen­ten­entwurf zum Ausbau klinischer Krebsregister. Voraussetzung sei aber eine ausgewo­gene Finanzierung der Registerstellen durch sämtliche Beteiligten.

Doris Pfeiffer, Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), lehnte eine Pauschalförderung der Krebsregister durch die Kassen ab. „Leider stehen bei den geplanten klinischen Krebsregistern Verantwortung, Finanzierung und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis", sagte sie der Welt vom Dienstag. Ihre Sorge sei, dass die Beitragszahler das Vorsorgeprogramm und die damit verbundenen Forschungsprojekte und Verwaltungsstrukturen pauschal finanzieren, obwohl der Nutzerkreis sehr viel breiter ist.

Im Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums sind klinische Krebsregister vorgesehen, deren jeweiliges Einzugsgebiet auf Landesebene festgelegt werden soll. Mehrfachmeldungen sollen durch einen Datenaustausch verhindert werden. Die Einrichtung der klinischen Krebsregister sollen die Länder finanzieren, die Betriebskosten die gesetzlichen Kassen und die privaten Krankenversicherungen.    

Zudem sollen Versicherte nach den Plänen von Bahr nach dem Vorbild der Brustkrebsvorsorge für Frauen künftig von ihrer Kasse auch gezielt zur Darmkrebs- und Gebärmutterhalskrebsvorsorge eingeladen werden. Anstelle der heute geltenden starren Altersgrenzen, bei denen die Kassen die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen übernehmen, sollen künftig medizinische Kriterien gelten.

Kassen an ihre Mitglieder zur Vorsorgeuntersuchung sinnvoll ist. So ließen sich bei der Vorsorgeuntersuchung zum Gebärmutterhalskrebs bereits heute - bezogen auf einen Drei-Jahres-Zeitraum - weit mehr als 80 Prozent der Frauen zwischen 20 und 30 Jahren durchchecken. Das sei auch durch Einladungen „kaum noch zu toppen".  

Das Bundesgesundheitsministerium will die Stellungnahmen nach Angaben einer Sprecherin prüfen und anschließend einen Gesetzentwurf vorlegen. Das Kabinett werde sich voraussichtlich am 22. August damit befassen. © afp/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
6.759 News Politik

Nachrichten zum Thema

14.03.13
Köln – Der sogenannte PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs „findet oft Krebsgewebe, das nie Beschwerden verursacht hätte“. Das meldet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im...
01.03.13
Berlin – Der Startschuss für eine bundesweite Datenbank zu Krebserkrankungen ist gefallen. Der Bundesrat gab heute grünes Licht für ein entsprechendes Gesetz zur Weiterentwicklung der...
28.02.13
Berlin – „Die Prävention von Darmkrebs ist besonders effektiv, nicht nur weil sich der Krebs damit heilen lässt, sondern weil man damit einen Ausbruch der Erkrankung sogar verhindern kann.“ Dies hat...
15.02.13
London – Die Genauigkeit der CT-Kolonographie („virtuelle Koloskopie) hat sich in den letzten Jahren immer weiter verbessert. In zwei aktuellen Vergleichsstudien war sie dem Kolon-Kontrasteinlauf...
01.02.13
Berlin – Die Krebsbekämpfung in Deutschland soll künftig durch mehr Vorsorge und den Ausbau flächendeckender Krebsregister gestärkt werden. Der Bundestag verabschiedete dazu am Donnerstag einen...
01.02.13
Berlin/Hannover/Köln –Anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar haben Wissenschaftler und Ärzte erneut auf die hohe Bedeutung der Prävention hingewiesen. „Krebs ist eine Alterskrankheit. Der...
16.01.13
Darm- und Brustkrebsscreening bei kurzer Lebenserwartung nicht sinnvoll
San Francisco – Eine Früherkennungsuntersuchung auf Mammakarzinom oder Kolorektalkarzinom ist nach Berechnungen im British Medical Journal (BMJ 2013; 346: e8441) nur dann sinnvoll, wenn die Patienten...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 25. Juli 2012, 09:22

Krebsregister- und Präventionswirrwarr beenden!

Bei derzeit 50 verschiedenen Krebsregistern und inkompatiblen Datenerhebungs-Systemen in Deutschland kann man wahrlich von "Neuer Unübersichtlichkeit" (Jürgen Habermas) sprechen.

Um Krebs als inzwischen zweithäufigste Todesursache vorsorglich zu detektieren, zu untersuchen, differenziert zu diagnostizieren und stadiengerecht kurativ bzw. palliativ zu behandeln, bedarf es eines bundesweit einheitlichen Krebsregisters, vergleichbar mit Großbritannien und Skandinavien. Umfassende epidemiologische Untersuchungen mit Schwerpunkt Versorgungsforschung würden zum Erkenntnisfortschritt beitragen.

Aber bevor der Gesundheitsminister nichtsahnend neue organisierte Vorsorgeprogramme plant - auch das Präventionschaos muss beendet werden:
Noch im letzten Jahrtausend wurden jahrzehntelang Krebsvorsorgedokumentationen als Muster 40a für Männer ausgefüllt, bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) archiviert, aber zuletzt verworfen. Denn sie konnten mangels intelligenter Erhebungsmethodik nie evaluiert werden.
Berichtsvordrucke Muster 30 ("Check-Up-35") als "Gesundheitsuntersuchung" sehen nicht mal die Rubrik 'Krebserkrankung' vor! Von irgendeiner Auswertung der Risikofaktoren ganz zu schweigen. Implementierungen von Adipositasberatung, Prävention von Nikotinabusus, Alkohol- und anderen Abhängigkeitserkrankungen, Fehlernährung als karzinogene Kofaktoren stehen weder auf der KV-, KBV- oder GKV-Agenda.

Krebsvorsorge beim Mann findet kaum Akzeptanz: Während bei Frauen ab 20, 30 und 50 Jahren differenzierter Früherkennungsumfang gynäkologischerseits gefordert und gefördert wird. Beim Mann dagegen Leitlinienchaos! Ab 45 Jahren Genital- Prostata- und Hautuntersuchungen; Darmuntersuchungen(?) aber erst ab 50. Keine verbindlich evaluierte PSA-Testung. Von 50 bis 55 Jahren 1 x jährlich Hämoccult. Männer ab 55 Jahren, die k e i n e Präventivkoloskopie machen lassen, sollen (zur Strafe?) nur alle 2 Jahre einen Hämocculttest bekommen, obwohl die Darmkrebsprävalenz und -inzidenz ansteigen. Mit 55 die erste Präventivkoloskopie und mit 65 Jahren die zweite durchgeführt, senken Morbidität und Mortalität signifikant.

Genau dieses KBV-Wirrwarr, im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) für Männer festgeschrieben, fördert Frustration, Demotivation und Entmutigung in der Krebs-Prävention, bei Vertragsärzten wie Patienten gleichermaßen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in