7.834 News Medizin

Medizin

Koloskopie senkt Inzidenz und Sterberate an Darmkrebs

Mittwoch, 25. Juli 2012

Altdorf – Eine Studie aus dem abgelegenen Schweizer Kanton Uri zeigt, dass die Kolos­kopie effektiv Kolorektalkarzinomen vorbeugen kann. Laut der Publikation in Gastro­intestinal Endoscopy (2012; 76: 110-117) hat das Screening dort die Darmkrebs­inzidenz um fast 60 Prozent und die Sterberate um fast 90 Prozent gesenkt.

Der Kanton Uri in der Zentralschweiz ist überwiegend ländlicher Natur. Die Bevölkerung­smigration spielt eine untergeordnete Rolle. Die erweiterte medizinische Grundver­sorgung der etwa 35.000 Bewohner erfolgt durch das Kantonsspital Uri im Hauptort Altdorf. Chefarzt der Inneren Medizin ist Urs Marbet, der zwischen Juni 2000 und 2001 eine Studie zur Vorsorgekoloskopie durchführte. Die drei ortsansässigen Gastroen­terologen wurden dabei von 10 Nachwuchsärzten der Universitäten Zürich und Basel unterstützt, die alle über eine Erfahrung von mindestens 200 Koloskopien verfügten.

Anzeige

Die Ärzte fanden bei 65 von 1912 untersuchten Urnern Polypen, darunter waren 374 mit fortgeschrittenen Adenomen. Insgesamt wurden 1279 Polypen entfernt. Dennoch erkrankten 12 Gescreente (0,6 Prozent) bis Ende Mai 2007 an einem Darmkrebs. 67 Prozent der Tumoren waren im Stadium I oder II. Nur eine Person starb am Krebs. Unter der nicht-gescreenten Bevölkerung (20.774 Personen) kam es zur gleichen Zeit zu 213 Darmkrebserkrankungen (1,0 Prozent), an denen 51 starben. Die Rate von Tumoren im Stadium I oder II mit guten Heilungschancen betrug 20 Prozent.

Die Analyse der Daten, die wegen der genauen Aufzeichnungen Risikofaktoren wie Lebensstil, Rauchen, Body-Mass-Index (BMI) und die Familienanamnese berücksichtigte, ergab eine Odds Ratio von 0,31 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,16-0,59), mithin eine Reduktion der Darmkrebsinzidenz um 69 Prozent. Für die Darmkrebssterblichkeit errechnet das Team eine adjustierten Odds Ratio von 0,12 (0,01-0,93), was einer Reduktion um 88 Prozent entspricht.

Trotz der geringen Teilnehmerzahl und der ethnischen Vielfalt – der Kanton Uri liegt im Schnittbereich des deutschen, französischen, italienischen und rätoromanischen Kultur­kreises – sprechen die Ergebnisse für eine hohe Effektivität des Screenings. Der American Society for Gastrointestinal Endoscopy war die Studie jedenfalls eine Pressemitteilung wert. © rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.834 News Medizin

Nachrichten zum Thema

20.03.13
Adipositas erhöht Risiko für Darmkrebs um ein Drittel
Berlin – Starkes Übergewicht erhöht das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, etwa um ein Drittel. „Übergewicht ist einer der konstantesten Risikofaktoren für Darmkrebs – in fast allen Studien zeigt sich...
19.03.13
Erlangen – Bestimmte Bindegewebszellen, sogenannte Tumorfibroblasten, sind ein wichtiges Brückenglied zwischen Darmentzündung und Darmkrebs. Sie fördern in entzündlicher Umgebung die Produktion und...
05.03.13
Koloskopie: Studie sieht deutliche Reduktion der Darmkrebsrate
Philadelphia – Die Vorsorge-Koloskopie könnte die Rate von Darmkrebserkrankungen in der Allgemeinbevölkerung um mehr als zwei Drittel senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fall-Kontroll-Studie in den...
04.03.13
Heidelberg – Bei etwa fünf von 10.000 Koloskopien kommt es zu einer Darmblutung, die eine Krankenhauseinweisung erfordert. Verletzungen der Darmwand treten mit einer Häufigkeit von weniger als einmal...
15.02.13
London – Die Genauigkeit der CT-Kolonographie („virtuelle Koloskopie) hat sich in den letzten Jahren immer weiter verbessert. In zwei aktuellen Vergleichsstudien war sie dem Kolon-Kontrasteinlauf...
25.01.13
Philadelphia – Die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Chemotherapie beim kolorektalen Karzinom könnte mathematisch voraus bestimmbar sein. Dies berichtet eine Forschungsgruppe um Jochen Prehn, Direktor...
16.01.13
Darm- und Brustkrebsscreening bei kurzer Lebenserwartung nicht sinnvoll
San Francisco – Eine Früherkennungsuntersuchung auf Mammakarzinom oder Kolorektalkarzinom ist nach Berechnungen im British Medical Journal (BMJ 2013; 346: e8441) nur dann sinnvoll, wenn die Patienten...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Thelber
am Mittwoch, 25. Juli 2012, 21:57

Na hoffentlich !

Das deckt sich auch meine Beobachtung, seit wir jetzt seit ca. 10 Jahren unsere Patienten dazu zu überreden versuchen !!

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in