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Organspende-Skandal: Konsequenzen gefordert

Montag, 30. Juli 2012

Berlin – Nach dem Organspende-Skandal am Universitätsklinikum Göttingen mehren sich die Rufe nach Konsequenzen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, forderte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS), den betroffe­nen Ärzten die Zulassung zur Berufsausübung zu entziehen. Der gesundheits­politische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, sprach sich für Änderungen der Vergütungspraxis für leitende Klinikärzte aus.  

Lauterbach forderte eine Abkehr von der umsatzabhängigen Vergütung, bei der mehr Operationen zu mehr Gehalt führen. „Die ökonomischen Anreize für leitende Ärzte sind in Deutschland zu weit gegangen“, sagte er der FAS. Der Göttinger Fall sei zwar ein beson­ders krasses Beispiel, es habe aber bereits ähnliche Fälle gegeben. „Wir haben uns auch zu sehr auf die Selbstkontrolle der Ärzte verlassen“, sagte Lauterbach.  

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Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Ulrich Montgomery, forderte in der FAS härtere Konsequenzen für die betroffenen Ärzte, bis hin zur Entziehung der Approbation. Zudem müsse geklärt werden, ob bei der Auswahl von Führungspersonal für die Transplantationsmedizin wirklich gewissenhaft gearbeitet worden ist. „Da stehen die Klinikträger in besonderer Verantwortung“, sagte Montgomery der Passauer Neuen Presse vom Samstag. Es müsse gefragt werden, „ob die Selbstkontrolle in den Kliniken ausreichend funktioniert“.

Zugleich sprach er sich dafür aus, die Kompetenzen der Kontrollgremien von Deutscher Stiftung Organtransplantation und Bundesärztekammer zu erweitern. Diese müssten „schon bei geringstem Verdacht aktiv werden können“.

Spahn betonte, sollte der Organspende-Skandal keine ernsten Konsequenzen haben, müsse in der Koalition überlegt werden, ob die Transplantation nicht in staatliche Hände gegeben werden sollte.  

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kündigte scharfe Konsequenzen an. „Manipulationen müssen ausgeschlossen werden. Ich habe die Ärzteschaft aufgefordert, die Vorgänge aufzuklären und Lösungsvorschläge zu machen“, sagte Bahr der Bild am Sonntag. Für ihn sei klar, dass der Skandal zu Konsequenzen nicht nur bei den Ärzten führen müsse.

Zugleich betonte Bahr, das Vertrauen in die Organspende müsse schnell wiederher­gestellt werden. Es gebe klare Regeln bei der Vergabe eines Spenderorgans. Entscheidend seien Dringlichkeit und medizinische Notwendigkeit.

Auch die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, rief mögliche Spender im Focus auf, sich durch den Skandal nicht irritieren zu lassen.  

Der Organspende-Skandal hatte sich zuletzt noch einmal ausgeweitet. Neben dem beschuldigten früheren Oberarzt steht ein weiterer leitender Arzt des Göttinger Klinikums im Verdacht, Patientendaten im Zusammenhang mit Organtransplantationen manipuliert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen Bestechlichkeit.

Parallel dazu ermittelt die Staatsanwaltschaft Göttingen wegen des Anfangsverdachts von Tötungsdelikten. Geprüft wird, ob durch die Bevorzugung von Patienten bei der Organtransplantation möglicherweise andere Patienten nicht rechtzeitig eine Spender­leber erhalten haben und deshalb gestorben sind.  

Im Fall illegaler Organtransplantationen der kosovarischen Hauptstadt Pristina führen laut einem Spiegel-Bericht Spuren nach Deutschland. So sei 2008 in der Medicus-Klinik einem deutschen Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen  eine Niere offenbar illegal verpflanzt worden. Die Spenderin sei eine nach Israel emigrierte Russin gewesen, die aus finanzieller Not ihr Organ für 8100 Euro verkauft habe. Ein EU-Sonderermittler geht seit 2010 in Pristina gegen ein Netzwerk internationaler Organhändler und Ärzte vor, die in dem Krankenhaus 20 bis 30 Menschen Nieren entnommen und sie zahlungskräftigen Kranken eingepflanzt haben sollen. © afp/kna/aerzteblatt.de

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