Medizin

Neue Hinweise auf Krebsstammzellen

Donnerstag, 2. August 2012

Utrecht/Brüssel/Dallas – Die Existenz von Krebsstammzellen, aus denen sich Tumoren nach einer Chemo- oder Strahlentherapie regenerieren könnten, ist bisher unbewiesen. Jetzt liefern drei Forschergruppen unabhängig voneinander Hinweise für Krebsstamm­zellen in Tumoren von Gehirn, Haut und Darm.

Die heute vorherrschende monoklonale Krebsentstehungstheorie geht davon aus, dass alle Tumorzellen gleich sind. Sofern sie zur Teilung in der Lage sind, können sie jeder Zeit zum Ausgangspunkt neuer Tumoren werden. Das Stammzellmodell postuliert dagegen eine Hierarchie.

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Oben stehen wenige Krebsstammzellen, aus denen sich die normalen Krebszellen ableiten, die den Tumor durch Teilung vergrößern. Das Konzept würde das Scheitern der Chemo- oder Strahlentherapie erklären, die nur die sich teilenden Zellen angreifen, aber nicht zum „Kern“ des Krebswachstums vordringen würden, den Krebsstammzellen. Das Konzept wurde 1997 von kanadischen Genetikern aufgestellt, denen aufgefallen war, dass die Übertragung von Leukämien (AML) auf (immungestörte) Mäuse nur mit bestimmten Tumorzellen gelingt.

Die Suche nach Stammzellen bei anderen Tumoren hat sich dann als schwierig erwiesen, so dass das Konzept weiterhin unbewiesen ist. Auch die drei Forschergruppen, die jetzt Stammzellen in Papillomen/Spinaliomen, Glioblastomen und gastrointestinalen Adenomen gefunden zu haben glauben, liefern nur erste Hinweise, aber keine Beweise.

Cédric Blanpain von der Université Libre de Bruxelles und Mitarbeiter berichten in Nature (2012; doi: 10.1038/nature11344), dass benigne Papillome der Haut aus zwei unter­schiedlichen Zelltypen bestehen, von denen die eine sich grenzenlos teilen könne, während die andere das Wachstum nach gewisser Zeit einstellt, was ein für benigne Tumore bekanntes Verhalten ist. Eine ähnliche Zweiteilung will das Team auch bei invasiven Spinalzellkarzinomen entdeckt haben. Die Ergebnisse sind hier aber weniger eindeutig.

Das Team um Hans Clevers von Hubrecht-Institut in Utrecht will ähnliches bei Darmpolypen gefunden haben. Diese bestehen laut dem Bericht in Science (2012; doi: 10.1126/science.1224676) zu 5 bis 10 Prozent aus Zellen, die die Forscher anhand genetischer Marker als Stammzellen identifizieren. Das Team führte keine Experimente an Karzinomen durch. Es bleibt deshalb unklar, welche Rolle die Zellen mit Stammzelleigenschaften spielen, wenn sich die Adenome in Karzinome verwandelt haben.

Am überzeugendsten fallen die Hinweise in der dritten Studie aus. Das Team um Luis Parada vom Southwestern Medical Center in Dallas kann in Nature (2012; doi: 10.1038/nature11287) zeigen, dass Glioblastome, also ein eindeutiges Malignom, wenige Zellen mit Stammzelleigenschaften enthalten.

Diese Zellen überlebten in den Mäuseexperimenten die Therapie mit Temozolomid, einem beim Glioblastom eingesetzten Zytostatikum. Sie konnten nach der Chemotherapie zum erneuten Tumorwachstum angeregt werden, was zum Konzept der Stammzelltherapie passt. Man könnte aber auch einwenden, dass die Stammzellmarker lediglich die Zellen kennzeichnen, denen es nach einer Chemotherapie am ehesten gelingt, Resistenzen zu entwickeln. Das wäre eine Interpretation nach der vorherrschenden monoklonalen Krebsentstehungstheorie.

Alle drei Gruppen können zeigen, dass die Tumorstammzellen Ähnlichkeiten mit den gesunden Stammzellen haben, aus denen sie entstanden sein könnten. Was fehlt, ist allerdings die Möglichkeit, diese Krebsstammzellen gezielt anzugreifen und dadurch die Wirkung der konventionellen Chemo- und Radiotherapie zu unterstützen (wenn nicht gar zu ersetzen). Dies würde dann auch die Existenz der Krebsstammzellen belegen. © rme/aerzteblatt.de

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EEBO
am Mittwoch, 12. November 2014, 14:46

Oh weh,

kommentiert der Mann jetzt jeden noch so alten Artikel mit seiner kruden These (wenn auch nicht mehr so plakativ auf Wolfram in Olivenöl bestehend). Und ich springe sogar noch drauf an, weil ich es so nervtötend finde - Schande über mich.
Das nächste Mal ignoriere ich diesen Knilch auch, wie es sich gehört.
Bernett
am Mittwoch, 12. November 2014, 02:51

Tumor- Stammzellen als Rezidiv- Ursache

Die Tumor- Stammzellen gehören zu den "ruhenden" Tumorzellen, die man schon seit längerer Zeit für die Rezidive verantwortlich macht, weil sie sich momentan nicht teilen und dadurch schwerer angreifbar sind. Aber es ist anzunehmen, dass auch sie durch zelluläre Schweratom- Radiosensitizer vernichtet werden können, wenn sie vermehrt Rezeptoren für die Träger- Moleküle des Radiosensitizers besitzen.
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