Studie belegt Lücken in der Versorgung junger Schmerzpatienten
Freitag, 3. August 2012
Datteln – Mit bis zu 28 Ärzten hatten Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen Kontakt, bevor sie eine spezialisierte Behandlung erhalten. Außerdem nehmen viele der jugendlichen Patienten Schmerzmedikamente ein, obwohl diese aus ärztlicher Sicht nicht zu empfehlen sind. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie des Deutschen Kinderschmerzzentrums (DKSZ) in Datteln.
Das Deutsche Kinderschmerzzentrum wertete die Daten von 2.249 Kindern und Jugendlichen aus den Jahren 2005 bis 2010 aus. Den Studienergebnissen zufolge hatten die Patienten im Durchschnitt bereits mit drei unterschiedlichen Ärzten Kontakt, ehe sie sich im DKSZ vorstellten.
Mit zunehmendem Alter der Patienten stieg zudem die Zeitdauer zwischen Schmerzbeginn und dem Aufsuchen der Spezialisten kontinuierlich an. Bei 15-Jährigen vergingen im Durchschnitt etwa vier Jahre bis zum Besuch im DKSZ.
„Je länger es dauert, bis chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen effektiv behandelt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Entwicklung der Patienten nachhaltig gestört wird und sie massive Einbußen der Lebensqualität hinnehmen müssen“, sorgt sich Boris Zernikow, Chefarzt des Deutschen Kinderpalliativzentrums.
Die Versorgungsstrukturen in Deutschland, so Zernikow weiter, gäben allerdings eine kurzfristige, fachmännische und wohnortnahe Versorgung junger Schmerzpatienten häufig (noch) nicht her.
Viele der überwiegend weiblichen Patienten (60 Prozent Mädchen), die sich im DKSZ vorstellten, berichten über tägliche oder dauerhafte Schmerzen (43 Prozent) und sind dadurch in ihrem Alltag stark beeinträchtigt. Jedes vierte Kind verpasst aufgrund der Schmerzen mehr als ein Viertel des Schulunterrichtes.
Außerdem sind ältere Kinder in der Regel stärker beeinträchtigt als jüngere. Die meisten Kinder hatten Kopfschmerzen (70 Prozent), gefolgt von Bauchschmerzen und Schmerzen des Bewegungsapparates. Drei Viertel der Kinder, die sich im DKSZ vorstellten, nahmen zum Zeitpunkt der Erstvorstellung Schmerzmedikamente ein. © Kli/aerzteblatt.de
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