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Schwangerschaft verändert Darmflora

Freitag, 3. August 2012

New York – Wenn in der Spätschwangerschaft der Energiebedarf des Feten steigt, müssen die Darmbakterien mithelfen. Nach einer Untersuchung in Cell (2012; 150: 470-480) verändert sich die Darmflora im dritten Trimenon in einer Weise, die normalerweise schädlich ist, in der Schwangerschaft aber notwendig ist.

Der menschliche Darm ist von zahllosen Bakterien besiedelt. Sie profitieren einerseits vom regelmäßigen Nährstoffangebot, andererseits helfen sie bei der Verdauung, indem sie essentielle Vitamine synthetisieren oder Kohlehydrate enzymatisch aufschließen, die sonst von der Schleimhaut nicht resorbiert werden könnten. Diese Mitarbeit bei der Verdauung wird vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft benötigt, wenn der Fetus rasch wächst und Energiereserven für die erste Zeit nach der Geburt anlegt.

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Während dieser Zeit ändert sich die Zusammensetzung der Darmflora in einer nicht zufälligen Weise, wie das Team um Ruth Ley von der Cornell University in New York jetzt durch die Untersuchung des Mikrobioms von Frauen in unterschiedlichen Stadien der Schwangerschaft zeigen kann. Im Verlauf der Schwangerschaft sinkt die Vielfalt der Darmflora. Es kommt zur einseitigen Zunahme von Proteobacteria und Actinobacteria.

Die Darmflora entwickelt sich laut Ley in eine Richtung, wie sie für Menschen mit dem metabolischen Syndrom typisch ist. Vor allem die Proteobacteria werden mit den Stoffwechselveränderungen und einer Zunahme entzündlichen Parameter in Verbindung gebracht, die bei Menschen mit dem metabolischen Syndrom die Entwicklung von Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Bei Schwangeren ist diese Entwicklung jedoch positiv, da die Proteobacteria die Bereitstellung von Energieträgern verbessern, die der Fetus benötigt.

Ley verdeutlicht die Veränderungen durch Tierexperimente, in denen sie Darmbakterien der Schwangeren in Mäuse transferierte, die unter sterilen Bedingungen aufgewachsen waren. Stammten die Darmbakterien von Frauen in der Frühschwangerschaft, blieben die Mäuse schlank und gesund. Stammten sie von Frauen in der Spätschwangerschaft, wurden die Mäuse adipös und sie entwickelten eine Insulinresistenz.

Unklar ist noch, wie der Organismus der Schwangeren die Darmflora dirigiert. Ley vermutet, dass Hormone oder das Immunsystem eine Rolle spielen. Die nähere Aufklärung der Mechanismen könnte möglicherweise Ansatzpunkte zur Behandlung von Adipositas und metabolischen Syndrom liefern. © rme/aerzteblatt.de

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