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Allergikerinnen erkranken seltener an Hirntumoren

Montag, 6. August 2012

Columbus – Eine lebenslange Allergie könnte vor einem tödlichen Hirntumor schützen. In einer Fall-Kontroll-Studie im Journal of the National Cancer Institute (2012; doi: 10.1093/jnci/djs315) erkrankten Frauen mit erhöhten IgE-Antikörpern im Blut nur halb so häufig wie nicht-allergische Frauen an einem Glioblastom. Für Männer wurde keine signifikante Assoziation gefunden.

Hinweise auf eine mögliche protektive Wirkung hatte es bereits in früheren Fall-Kontroll-Studien gegeben. Sie konnten aber nicht ausschließen, dass die allergische Reaktion nicht Ursache, sondern Folge der Tumorerkrankung ist, etwa weil der Tumor im Anfangsstadium bereits vor der Diagnose das Immunsystem beeinflusst.

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Die Studie von Judith Schwartzbaum von der Ohio State University in Columbus und Mitarbeitern liefert hier eine eindeutige Antwort. Die Autoren konnten auf die Daten der Janus Serum Bank aus Norwegen zurückgreifen, die seit vierzig Jahren Serumproben der Bevölkerung archiviert. Die Patienten haben dort die gleichen Identifikationsnummern wie im Krebsregister des Landes, das seit 1953 existiert. Schwartzbaum konnte deshalb die Blutproben von 594 Gliompatienten und 1.177 gesunden Kontrollen auf ihre Allergieneigung hin untersuchen.

Für Frauen mit einer erhöhten Konzentration von allergen-spezifischen IgE ermittelten die Autoren eine Odds Ratio von 0,46 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,23-0,93) auf ein Glioblastom. Allergische Frauen erkrankten demnach zu 54 Prozent seltener als nicht-allergische Frauen an der häufigsten Variante der Gliome. Auch für die Gesamtgruppe der Gliome wurde eine Assoziation gefunden. Sie bestand auch mit dem Gesamt-IgE im Serum. Bei Männern wurden kein Zusammenhang gefunden.

Die Ursache von Gliomen ist unbekannt. Die Abwesenheit einer Allergie ist nach Auskunft von Schwartzbaum jetzt der stärkste bekannte Risikofaktor für diesen äußerst aggressiven Tumor. Die Assoziation war bereits 25 Jahre vor der Diagnose des Tumors nachweisbar. Das Ausmaß nahm mit der Nähe zur Tumordiagnose ab.

Ob dies bedeutet, dass der Tumor in der Frühphase einen Einfluss auf die Allergie hat, beispielsweise indem er die Immunabwehr vermindert, ist spekulativ. Unklar ist auch, über welchen Mechanismus eine Allergie vor Krebs schützen könnte. Denkbar, aber unbewiesen ist die Hypothese, dass die vermehrte Aufmerksamkeit des Immunsystems sich bei Allergikern auch gegen Krebszellen richtet. © rme/aerzteblatt.de

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