Politik

Organspenden: Anstieg des beschleunigten Vermittlungs­verfahrens

Dienstag, 7. August 2012

Berlin – ­ Die Bundesärztekammer (BÄK) bestätigte Zeitungsberichte, wonach immer häufiger Spenderorgane von den Kliniken direkt vergeben werden. In einer gemeinsam mit Eurotransplant (ET) verfassten Pressemitteilung wird dieses sogenannte beschleu­nigte Vermittlungsverfahren erläutert (Kasten).

Nach Angaben von BÄK und ET ist der Anteil von Spenderlebern, die von Eurotransplant nicht über die Standardallokation vermittelt werden konnten, von 26,8 Prozent im Jahr 2007 auf 38,6 Prozent im Jahr 2011 angestiegen. Es gebe zahlreiche Gründe für diesen Anstieg des beschleunigten Vermittlungsverfahrens.

So sei das mediane Spenderalter von Leberspendern, deren Leber transplantiert wurde, zwischen 1990 und 2010 von 25 auf 53 Jahre gestiegen. Auch der Anteil der Spender, der mindestens eines der leberspezifischen erweiterten Spenderkriterien aufweist, sei in Deutschland zwischen 1997 und 2010 von circa 30 Prozent auf mehr als 70 Prozent gestiegen.

Organspenden: Die Vermittlungsverfahren

Unter dem Standardverfahren zur Allokation von Spenderorganen versteht man die Vermittlung in Abhängigkeit nach medizinischen Kriterien, die von der Dringlichkeit und der Erfolgsaussicht der Organtransplantation bestimmt werden. Diese beiden Kriterien sind gesetzlich vorgegeben. Organbezogen werden die Kriterien durch differenzierte Richtlinien der Bundärztekammer konkretisiert. Im Rahmen des Standardverfahrens kann in speziellen Situationen eine Organallokation nach dem vorbeschriebenen Standardverfahren nicht möglich sein. Dies betrifft insbesondere postmortal gespendete Nieren, Pankreata, Lebern, Herzen und Lungen mit Funktionseinschränkungen oder Organe von Spendern mit bestimmten Vorerkrankungen. Hierbei handelt es sich nach dem Wortlaut der Richtlinien zur Organtransplantation der Bundesärztekammer um „schwer vermittelbare Organe“. Eine exakte Definition von Kriterien, die diese unter Umständen gut funktionsfähigen Organe beschreiben, ist aufgrund der Ursachenvielfalt nicht möglich. Einige schwerwiegende vorausgehende Grunderkrankungen der Spender (zum Beispiel Tumorleiden in der Anamnese) oder sich aus der Grunderkrankung ergebende Komplikationen werden in den Richtlinien zur Organtransplantation der Bundesärztekammer ausdrücklich genannt.

In solchen Situationen werden Organe von Spendern, die eine der spezifizierten Kriterien erfüllen, nach dem sogenannten modifizierten Vermittlungsverfahren angeboten. Auch dieses Verfahren ist patientengerichtet und bezieht nur solche Patienten ein, die zuvor durch das Transplantationszentrum im Rahmen der allgemeinen Aufklärung über diese Vorgehensweise informiert wurden und ihre Zustimmung erklärt haben.

Gelingt eine Organallokation nach einem der beiden patientengerichteten Vermittlungsverfahren (Standard- oder modifiziertes Vermittlungsverfahren) nicht oder droht aus anderen im folgenden ausgeführten Gründen der Verlust eines Spenderorgans, kann Eurotransplant zum sogenannten beschleunigten Vermittlungsverfahren wechseln. Da es um die Vermeidung eines Verlustes des Spenderorganes geht, wird dieses Vermittlungsverfahren auch „Rettungsallokation“ oder englisch „rescue allocation“ genannt:

Nach den Richtlinien zur Organtransplantation der Bundesärztekamme ist Eurotransplant zu diesem Verfahren berechtigt, „wenn:

  •  eine Kreislaufinstabilität des Spenders eintritt oder
  • aus logistischen oder organisatorischen Gründen ein Organverlust droht oder
  • aus spender- oder aus organbedingten Gründen drei Zentren das Angebot eines Herzens, von Lungen, eines Pankreas oder einer Leber oder fünf Zentren das Angebot einer Niere abgelehnt haben.

Im beschleunigten Vermittlungsverfahren gilt für jedes Organangebot eine Erklärungsfrist von maximal 30 Minuten. Wenn sie überschritten wird, gilt das Angebot aus organisatorischen Gründen als abgelehnt.

Um die Ischämiezeit möglichst kurz zu halten, werden Organe im beschleunigten Vermittlungsverfahren primär innerhalb einer Region angeboten. Die Vermittlungsstelle stellt dabei dem Zentrum oder den Zentren eine Liste von potenziellen Empfängern zur Verfügung, nach der das Zentrum oder die Zentren den gegenwärtig am besten geeigneten Empfänger in der Reihenfolge der Auflistung auswählen. Wenn Patienten aus mehr als einem Zentrum in Betracht kommen, wird das Organ dem Patienten zugeteilt, für den die Akzeptanzerklärung des zuständigen Zentrums als erste bei der Vermittlungsstelle eingegangen ist. Die Zentren müssen die Gründe für ihre Auswahlentscheidung gegenüber der Vermittlungsstelle dokumentieren.“

Richtlinienänderungen der letzten Jahre seien deshalb darauf ausgerichtet gewesen, auch das beschleunigte Verfahren ständig zu optimieren. Es trage dazu bei, „maßge­schneiderte“ Organangebote für die Patienten der Warteliste soweit wie möglich zu realisieren. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums verwies ebenfalls darauf, dass die Spender immer älter würden. Er hob zudem ausdrücklich hervor, dass es sich bei dem beschleunigten Verfahren um ein „reguläres Verfahren” handele.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, meinte dazu im Berliner Tagesspiegel vom Mittwoch, dass man das beschleunigte Verfahren zwar bewusst erleichtert habe, um eine „möglichst gute Ausnutzung“ zu erreichen. Der Sonderfall dürfe aber „am Ende nicht zum Regelfall werden“.

Für Donnerstag kündigte Montgomery ein Spitzengespräch an, an dem außer der Bundesärztekammer auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation und zahlreiche andere Experten teilnähmen. Eine Woche später sei Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eingeladen. „Da beraten wir, ob wir bei der schnellen Organzuteilung neue Regeln brauchen”, so Montgomery in der BILD-Zeitung vom Mittwoch

Ziel der anstehenden Spitzen-Gespräche sei ein neues Prinzip bei der Vergabe von Spenderorganen, um Missbrauch zu vermeiden, sagte Montgomery. „Wir wollen das Vier-Augen-Prinzip einführen, bei dem ein unabhängiger Arzt feststellen muss, wie krank der Empfänger wirklich ist, damit die Liste nicht mehr gefälscht werden kann.”

Der Grünen-Gesundheitsexperte Harald Terpe äußerte Zweifel, ob der Anstieg bei den anderen Organen tatsächlich nur auf das höhere Alter der Spender zurückzuführen sei. Er forderte eine genaue Untersuchung. © Kli/aerzteblatt.de

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Senbuddy
am Mittwoch, 8. August 2012, 09:55

Wo es um Leben oder Tod und um viel Geld geht...

...wird es in der Transplantationsmedizin vermutlich nie "sauber" laufen.

An Transplantationen läßt es sich bei entsprechender "moralischer Lockerheit" eben nicht nur direkt, sondern auch "indirekt und nebenbei" gut verdienen. Und so wird es neben den legalen Bemühungen, möglichst viele dieser "Geschäfte" selbst zu machen, auch immer wieder Bestechungsversuche oder andere Schummeleien geben. Und bei entsprechenden Summen ist so manchem edlen Helfer das Portemonnaie näher als der Eid des Hippokrates.

Hier wären eine zentrale gesetzliche Überwachung und Regulierung sowie entsprechend strengere gesetzliche Regelungen im Bezug auf die Vergabe von Organen sehr sinnvoll. Und vor allem sollte es sehr harte Sanktionsmöglichkeiten gegenüber erwischten schwarzen Schafen geben.

Politker wie Steinmeier und Kauder denken mit ihren durchgekommenen Gesetzesinitiativen zur "Förderung der Spendenbereitschaft" jedoch eher daran, größere Teile der Bevölkerung zur "Zuliefer-Masse" für diese Branche zu machen. Manchmal kann einem solche Art von "Wirtschaftsförderung" auch richtig "gegen den Strich" gehen.

Viele Grüße
S.
SHG_COPD_MINDEN
am Dienstag, 7. August 2012, 21:15

Wut

es macht einen Wütend und es kommt die Frage auf ob nicht so mancher Prominenter nicht seinen Status ausgenutzt hat und mit Geld nachgeholfen hat, ich persönlich werde wohl meinen Organspende Ausweis zerreizen und nicht eher einer Organspende zu Stimme bis eine bessere Überwachung der Verteilung ist, Ich werde über kurz oder Lang wohöl eine neue Lunge brauchen die Ich aber eh nicht bekommen werde da mir der Promi Status und / oder das nötige Kleingeld fehlt,
SHG_COPD_MINDEN
am Dienstag, 7. August 2012, 21:15

Wut

es macht einen Wütend und es kommt die Frage auf ob nicht so mancher Prominenter nicht seinen Status ausgenutzt hat und mit Geld nachgeholfen hat, ich persönlich werde wohl meinen Organspende Ausweis zerreizen und nicht eher einer Organspende zu Stimme bis eine bessere Überwachung der Verteilung ist, Ich werde über kurz oder Lang wohöl eine neue Lunge brauchen die Ich aber eh nicht bekommen werde da mir der Promi Status und / oder das nötige Kleingeld fehlt,
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