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Klinikprotest in der Kirche

Dienstag, 7. August 2012

Marburg – Die Debatte um das privatisierte Universitätsklinikum Gießen/Marburg bringt so viele Menschen in die Marburger Elisabethkirche wie sonst nur in der Adventszeit: Bis zu 500 Gläubige, Gewerkschafter, Mediziner und interessierte Bürger strömen seit sieben Wochen jeden Montag zu einem „Gesundheitspolitischen Montagsgebet“ in die berühmte Kirche der mittelhessischen Stadt, die sich damit in der Tradition der Montagsgebete der DDR sieht. Selbst mitten in den Sommerferien reißt das Interesse nicht ab. Am Montag dieser Woche waren es rund 200 Besucher.

Sie beten für mehr Menschlichkeit im Klinikum Marburg/Gießen und diskutieren neue Wege, um das Großkrankenhaus wieder für die öffentliche Hand zu gewinnen. „Diese Beteiligung ist sehr erstaunlich“, sagt der Pfarrer der Elisabethkirche, Bernhard Dietrich. Auf Anregung von Medizinern habe sich die Kirche kurz vor dem geplatzten Verkauf des mittelhessischen Großkrankenhauses vom derzeitigen Betreiber Rhön Klinikum AG an den Gesundheitskonzern Fresenius auf diese Weise geöffnet.

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Damit gehen die Marburger mit ihren Protesten gegen Stellenabbau, Personalnot und eine von den Privatisierungsgegnern beklagte Verschlechterung von Krankenversorgung, Forschung und Lehre neue Wege: „Uns bringen die brennenden Fragen zur Zukunft des Universitätsklinikums zusammen“, erklärt Pfarrer Dietrich: „Die Zuwendung zu kranken Menschen darf nicht kommerzialisiert werden.“

Mit ihrer Initiative zog sich die Kirche den Unmut eines hochrangigen Landespolitikers zu, der sich bei Dekan Burkhard zur Nieden meldete. Trotzdem machte er sich die Forderungen von Gewerkschaftern, Mitarbeitern und Medizinern ausdrücklich zu eigen: „Es ist doch unmöglich, dass Schwestern und Ärzte unter Bedingungen arbeiten, die ihr Gewissen beschweren“, sagt er. Und die in einem knallroten Sparschwein eingesammelte Kollekte geht an das Aktionsbündnis „Rückkauf jetzt - gemeinsam für unser Klinikum“.
Marburger CDU-Vorsitzender mit von der Partie
Diakoniepfarrer Maik Dietrich-Gibhardt erzählt eine kreative Heilungsgeschichte aus dem Neuen Testament. Die Bibelstelle zeigt, dass Kranke Solidarität, Zuwendung und Zeit brauchen. „Wo unter ökonomischen Gesichtspunkten abgebaut werden soll, da ist unser Widerspruch gefragt“, sagt der Geistliche.

Doch es bleibt nicht bei theologischen Betrachtungen. Zu den Montagsgebeten gehören auch „Worte zur Sache“ – gehalten von Gewerkschaftern, Medizinern, Studenten und Politikern. Am Montagabend schildert der Marburger CDU-Vorsitzende Philipp Stompfe seine Vorstellung von der Zukunft des Klinikums. Um das Großkrankenhaus von den Interessen des Kapitalmarktes zu befreien, könne man es als Genossenschaft betreiben. Und Stompfe spart nicht mit scharfer Kritik an seinen Parteikollegen im Land: Die Verträge mit dem privaten Krankenhausbetreiber Rhön seien „maximal schlecht verhandelt“ worden - „eine Katastrophe“, formuliert er.

Die Montagsgebete bringen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Jede Woche kommt Schwester Edith, die als Katholikin normalerweise nie in der protestantischen Elisabethkirche auftauchen würde: „Es ist nicht in Ordnung, mit kranken Menschen Geld zu verdienen“, sagt sie. Viele Besucher sind Atheisten oder zumindest keine regelmäßigen Kirchgänger.

„Wir treffen uns, weil wir uns Sorgen um unser Klinikum machen“, sagt Dekan Matthias Rothmund. Das ist seit dem geplatzten Verkauf nicht leichter geworden. Die Chance auf den Rückkauf des Großkrankenhauses durch das Land ist damit weitgehend hinfällig: „Im Moment weiß keiner, wie es weitergeht“, sagt Rothmund. Klar ist für ihn jedoch: 40 Millionen Rendite könne das Klinikum nicht erwirtschaften.

Dass die Mitarbeiter nun „komplett in der Schwebe hängen“, sagt auch die Betriebsratsvorsitzende Böttcher. Sie hofft weiter darauf, dass die Klinik den privaten Betreiber los wird. In Kürze wird das Aktionsbündnis rund 35.000 Unterschriften für den Rückkauf des Klinikums in Wiesbaden übergeben. „Die Arbeitsbedingungen müssen sich verbessern“, sagt Böttcher. „Die Menschen arbeiten sich krank.“

Beten helfe da auch nicht weiter, sei ihr in einem Gespräch mit Landespolitikern beschieden worden. Dazu sagt die Betriebsratsvorsitzende: „Das wollen wir doch mal sehen.“ © dapd/aerzteblatt.de

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Thelber
am Dienstag, 7. August 2012, 21:26

Wofür steht nun denn das "C" ....

im Namen der CDU ? Ich höre es wohl, ich fühle es aber selten - bei unseren Politikern dieser Partei ....

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