6.834 News Politik

Politik

Pharmaindustrie wehrt sich gegen Mehrwertsteuer auf Arzneimittelrabatte

Mittwoch, 8. August 2012

Bonn – Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) rechnet mit zahlreichen Klagen gegen die beabsichtigte Besteuerung des Rabattes, den die Pharmaunter­nehmen nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) der privaten Kranken­versicherung (PKV) einräumen müssen. Seit Januar 2011 müssen die Unter­nehmen auch der PKV einen Rabatt von 16 Prozent auf den Herstellerabgabepreis gewähren. Für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) galt dies bereits seit dem Jahr 2010.

Die Kritik der Pharmaunternehmen zielt jetzt auf eine Entscheidung des Bundesfinanz­ministeriums, nach der die Industrie den Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf den vollen Herstellerabgabepreis entrichten muss und nicht – wie bei den gesetzlichen Krankenkassen – auf den ermäßigten Preis.

Anzeige

„Der Gesetzgeber wollte den Herstellerzwangsrabatt in der GKV wirkungsgleich auf die PKV übertragen. Genau dies geschieht aber nicht“, sagte Hermann Kortland, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BAH. „Mit der nun beabsichtigten Regelung erhöht sich der Zwangsrabatt an die PKV auch noch um die Mehrwertsteuer.“

Die ungleiche Besteuerung, die sich nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums aus den unterschiedlichen Leistungsverhältnissen in GKV und PKV ergibt, hält Kortland für unhaltbar. Der BAH wolle dazu ein steuerrechtliches Gutachten erstellen lassen, erklärte er gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. „Kommt der Gutachter zum selben Ergebnis wie das Ministerium, muss es eine gesetzliche Änderung geben“, forderte der BAH-Geschäftsführer. „Das kann nicht richtig sein.“

Nach Ansicht des BAH sollte der im August 2010 von sechs auf 16 Prozent erhöhte Zwangsrabatt grundsätzlich überdacht werden. Die Regierungskoalition aus Union und FDP habe die damalige Erhöhung mit den drohenden Defiziten in der GKV begründet. Angesichts milliardenschwerer Überschüsse sei dies nicht mehr gerechtfertigt. /HK © HK/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
6.834 News Politik

Nachrichten zum Thema

19.06.13
Brüssel – Mehrere Pharmafirmen haben nach EU-Erkenntnissen gemeinsam jahrelang die Einführung preiswerter Medikamente gegen Depressionen verhindert. Die EU-Kommission verhängte darum millionenschwere...
11.06.13
Barmer GEK fordert Verlängerung von Zwangsabschlag und Preismoratorium
Berlin – Die Barmer GEK hat im Jahr 2012 vier Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben und damit 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem Arzneimittelreport 2013 hervor, den die...
07.06.13
Bundestag beschließt Änderungen zu AMNOG-Verfahren und Anwendungs­beobachtungen
Berlin – Der Bundestag hat heute mit dem „Dritten Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ diverse Gesetzesänderungen im Arzneimittelbereich verabschiedet. Für kontroverse...
30.05.13
GKV-Spitzenverband: AMNOG ist ein „Riesenerfolg“
Berlin – Ein Jahr nach dem Abschluss der ersten Preisverhandlungen hat der GKV-Spitzenverband eine positive Bilanz des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) gezogen. „Das AMNOG ist ein...
29.05.13
Leverkusen – Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat von den Wettbewerbsbehörden die Erlaubnis zur Übernahme des US-Verhütungsmittelspezialisten Conceptus erhalten. Die US-amerikanische Kartellbehörde...
22.05.13
Ingelheim – Die US-Gesundheitsbehörde FDA wirft dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim Verstöße gegen Produktionsstandards vor. Das geht aus einem Brief hervor, den die Behörde auf ihrer...
21.05.13
Dublin/Parsippany – In der Pharmabranche gibt es wieder eine milliardenschwere Übernahme: Der US-Generikahersteller Actavis will den Konkurrenten Warner Chilcott für 8,5 Milliarden Dollar (6,6 Mrd...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Henry I
am Donnerstag, 9. August 2012, 13:40

Irgendwo zwischen Sozialismus und Kommunismus...

...ausser, dass niemand das Kind beim Namen nennt.
Der Steuerstaat führt über kurz oder lang zur Zerstörung der Produktivität und der Wirtschaft mit mittelfristig Armut und Verdummung für alle.
Dass Schäuble Eimer der schlimmsten Steuer- und EU-Kommunisten ist und ausgerechnet unter dem Label "CDU" firmiert, lässt einen grob erahnen, wie gross die staatliche Banane sein muss.
stapff
am Mittwoch, 8. August 2012, 20:35

Sollte man das wirklich noch "Rabatt" nennen?

Es ist wohl mehr ein Preisdiktat!
Im Übrigen hilft ein wenig recherchieren bei der weiteren Diskussion. Zitate aus Gabler Wirtschaftslexikon:
"....Kein Rabatt sollte ohne Grund gegeben werden. Neben hohen Einkaufsmengen kann z.B. auch die Übernahme der Lagerhaltungsfunktion ein solcher Grund sein."
"...Rabatte mindern die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage, also das Entgelt...."

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in