Vermischtes

Anästhesist hat jahrelang Studien manipuliert

Mittwoch, 8. August 2012

Ludwigshafen – Der frühere Chefarzt der Anästhesie des Klinikums Ludwigshafen hat über Jahre hinweg wissenschaftliche Studien manipuliert. Eine unabhängige Untersuchungskommission erhebt in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Abschlussbericht schwere Vorwürfe gegen den inzwischen entlassenen Mediziner. Damit bestätigte das vom Klinikum eingesetzte Gremium die bereits Ende 2010 erhobenen Vorwürfe.

Der Mediziner hat dem Untersuchungsbericht zufolge in mindestens zehn von insgesamt 91 medizinischen Fachpublikationen aus der Zeit von 1999 bis 2011 gefälschte Angaben veröffentlicht. Unter anderem habe er die Zahl der Patienten, die an seinen Studien teilgenommen haben sollen, nach oben korrigiert, um eine größere wissenschaftliche Relevanz vorzutäuschen. Außerdem seien die Studien unvollständig dokumentiert worden.

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Professoren-Titel aberkannt
Das Klinikum Ludwigshafen hatte den Mediziner im November 2010 entlassen, nachdem entsprechende Beschuldigungen erhoben worden waren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann wegen Verdachts auf Körperverletzung, Betrug und Urkundenfälschung. Der Professoren-Titel wurde dem Anästhesisten bereits aberkannt. Außer ihm sind womöglich auch zwei Oberärzte in den Skandal verwickelt, die entsprechenden Untersuchungen laufen aber noch, sagte Joachim Stumpp, Geschäftsführer des Klinikums Ludwigshafen.

Mit Blick auf die Studienteilnehmer – also Patienten und Probanden – habe der Chefanästhesist zwar behauptet, er habe sie selbst mündlich aufgeklärt, doch dafür gebe es keine Belege. Das ist äußerst problematisch", sagte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie des Uni-Klinikums Heidelberg, Eike Martin, der Mitglied der Untersuchungskommission war. Auch der Ethikkommission der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz seien die Studien nie vorgelegt worden, dies wäre jedoch notwendig gewesen.

Keine Patienten geschädigt
Insgesamt lasse sich festhalten, dass der Narkosearzt über Jahre hinweg bei mehreren Studien gegen wissenschaftliche Vorschriften verstoßen habe. „Er hat Wissenschaftsbetrug betrieben“, sagte Martin. Patienten seien dabei aber nicht geschädigt worden, betonte er. Es seien lediglich in zwei Fällen leichte allergische Reaktionen registriert worden, die allerdings durch ein gängiges Medikament ausgelöst worden seien.

Der Ärztliche Direktor am Klinikum Ludwigshafen, Armin Grau, sprach von einem „erheblichen Schaden für den Ruf des Klinikums". Daher habe man selbst ein großes Interesse an der Aufklärung gehabt und mittlerweile neue Regularien erstellt. So habe man das Gremium zur Überprüfung der Einhaltung von Formalitäten und Inhalten aller Forschungsarbeiten professionalisiert. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird sich so etwas hier nicht mehr zutragen“, betonte Grau. © dapd/aerzteblatt.de

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klausenwächter
am Freitag, 9. November 2012, 11:06

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