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Erster Breitbandantikörper gegen Influenza A und B

Freitag, 10. August 2012

Leiden – Niederländischen Forschern ist möglicherweise ein wichtiger Schritt in Richtung eines universellen Grippeimpfstoffs gelungen. In Science (2012; doi: 10.1126/science.1222908) beschreiben sie einen Breitbandantikörper, der sowohl Influenza A-, als auch Influenza B-Viren neutralisiert. Als monoklonaler Antikörper könnte er zur Behandlung schwerer Influenzaerkrankung eingesetzt werden. Der Durchbruch wäre ein Impfstoff, der die Bildung dieser Antikörper im Menschen induzieren würde.

Mehrere Forschergruppen haben in den letzten Jahren Antikörper gefunden, die nicht veränderliche Teile von Influenzaviren erkennen. Alle Antikörper waren jedoch spezifisch für Influenza A-Viren. Die Influenza B-Viren, die alle zwei bis vier Jahre Träger der jährlichen Grippewelle sind, werden nicht erfasst.

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Auf der Suche nach einem Breitbandantikörper gegen Influenza B-Viren ist die Gruppe um Robert Friesen vom Crucell Vaccine Institute in Leiden, einer Tochter des Pharmagiganten Johnson & Johnson, jetzt neben zwei für Influenza-B-spezifischen Antikörpern auch auf einen Antikörper gestoßen, der beide Gattungen von Influenza-Viren erfasst. Nach einer Behandlung mit einem der drei monoklonalen Antikörper widerstanden Mäuse einer Infektion mit zwei Influenza B-Stämmen. Ein Antikörper schützte die Tiere auch vor einer ansonsten tödlichen Infektion mit zwei Subtypen der Influenza A, darunter den Erreger der Neuen Influenza A/H1N1.

Untersuchungen am Scripps Research Institute in La Jolla zeigen, dass die Breitbandantikörper an unveränderliche Regionen (sogenannte konservierte Epitope) am Stamm des Glykoproteins Hämagglutinin binden. Mit diesem Enzym docken die Influenzaviren am Rezeptor Neuraminsäure der Wirtszellen an.

Die Bindung der Breitbandantikörper verhindert den Forschern zufolge die Formveränderung des Hämagglutinins, die für eine Infektion der Zellen erforderlich ist. Es könnte sich um die lange gesuchte Schwachstelle der Influenza-Viren handeln. Interessanterweise fielen die ersten Labortests mit den Antikörpern negativ aus.

Ian Wilson vom Scripps Research Institut führt dies darauf zurück, dass der im Labor verwendete Hämagglutinin-Inhibitions-Test darauf beruht, dass die Antikörper am Kopf des Proteins binden. Hier befinden sich die Epitope, die auch von den Antikörpern gegen die saisonale Grippe induziert werden. Sie verlieren aufgrund der hohen Mutationsneigung der Influenza-Viren nach wenigen Jahren ihre Wirkung.

Jaap Goudsmit vom Crucell Vaccine Institute spricht von einem wichtigen Schritt in Richtung eines universellen Grippe-Impfstoffs. Diese Vakzine existiert jedoch noch nicht. Der jetzt gefundene Antikörper könnte auch Grundlage eines Antikörper-Medikamentes verwendet werden. Die Produktion derartiger Antikörper ist jedoch erfahrungsgemäß recht kostspielig. Der Hersteller müsste zudem in klinischen Studien zeigen, dass die Therapie beim Menschen ebenso effektiv (und sicher) wäre wie bei Mäusen. © rme/aerzteblatt.de

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