Atlanta – Eine große Kohortenstudie der American Cancer Society bestätigt die krebspräventive Wirkung der regelmäßigen Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS). Die Wirkung fiel laut der Publikation im Journal of the National Cancer Institute (2012; doi: 10.1093/jnci/djs318) jedoch weniger stark aus als in früheren Meta-Analysen, die die Ergebnisse älterer randomisierter Studien zusammenfassen.
Nicht wenige Experten halten die krebspräventive Wirkung von ASS für eine fixe Idee des Oxford-Mediziners Peter Rothwell – die dieser aber mit großer Beharrlichkeit verfolgt. Mehrfach hat das Team die Ergebnisse von randomisierter Studien, die in den vergangenen Jahrzehnten zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchgeführt wurden, in Meta-Analysen zusammengefasst. Jedes Mal zeigten die Ergebnisse, dass Menschen, die regelmäßig ASS einnehmen, seltener an Krebs sterben. Zuletzt hatte Rothwell eine Reduktion der Krebsmortalität um 37 Prozent ermittelt (Lancet 2012; 379: 1602-1612).
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Dies hat den Epidemiologen Eric Jacobs von der American Cancer Society in Atlanta jetzt zu einer Analyse der „hauseigenen“ Präventionsstudie bewogen. Die Cancer Prevention Study ist zwar keine randomisierte Studie, sondern „nur“ eine Beobachtungsstudie. Sie verteilt nicht Personen nach dem Zufallsprinzip auf mehrere Gruppen, um die Wirkung von Medikamenten, hier ASS, mit Placebo zu vergleichen. Sie setzt lediglich das Schicksal von Personen, die – aus welchem Grund auch immer – ASS eingenommen mit anderen Personen in Beziehung. Die Evidenz ist geringer als bei einer randomisierten Studie oder der zusammenfassenden Analyse, wie sie Rothwell vorlegen kann.
Der Vorteil gegenüber einer randomisierten Studie ist, dass die Teilnehmer nicht ausgesucht werden, sondern eher dem Bevölkerungsdurchschnitt entsprechen und die Beobachtungszeit ist in der Regel länger ist. Während nur eine Minderheit der Teilnehmer in den randomisierten Studien ASS länger als 5 Jahre einnahm, werden die Teilnehmer der Cancer Prevention Study II Nutrition Cohort seit 1982 regelmäßig befragt. Die letzte Runde, die Jacobs berücksichtigen konnte, fand 2008 statt.
Auch die Fallzahl ist bei Beobachtungsstudien in der Regel größer, auch wenn Rothwell es in seiner Meta-Analyse auf fast 70.000 Teilnehmer bringt, gegenüber 100.000 Männer und Frauen in der aktuellen Auswertung der Kohorte der US-Krebsgesellschaft (die insgesamt mehr als 1 Millionen Personen umfasst).
Im Ergebnis kann Jacobs die Ergebnisse von Rothwell bestätigen, wenn auch die Senkung der Krebssterblichkeit geringer ausfiel als in der letzten Meta-Analyse von Rothwell: Die regelmäßige Einnahme von ASS war – je nach Auswertung – nur mit einer um 9 oder 16 Prozent niedrigeren Krebssterblichkeit assoziiert (statt den 37 Prozent, die Rothwell zuletzt errechnet hat). Anders als in in der Meta-Analyse, wo die protektive Wirkung erst ab einer Einnahme von ASS über 5 Jahre oder länger auftrat, konnte Jacobs keine solche zeitliche Abhängigkeit feststellen. ASS wirkt dort von Anfang an, ohne Hinweis auf eine Zunahme der Protektion bei längerer Einnahme.
Die größte protektive Wirkung fand Jacobs für gastrointestinale Malignome: Die Sterblichkeit an Krebserkrankungen in Ösophagus, Magen oder Darm war bei ASS-Anwendern um 40 Prozent niedriger. Krebserkrankungen außerhalb des Gastrointestinaltraktes traten nur zu 12 Prozent seltener auf. Ein weiteres interessantes Ergebnis war, dass ASS keinen Einfluss auf die Krebssterblichkeit von aktiven Rauchern hat, während ASS Ex- und Nichtraucher stärker schützte.
Die neue Studie stärkt die Hypothese, dass ASS möglicherweise vor Krebs schützt. Die American Cancer Society und der Editorialist John A. Baron von der Universität von North Carolina in Chapel Hill sind sich allerdings darin einig, dass eine protektive Wirkung nicht automatisch bedeutet, dass alle Menschen ab einem gewissen Alter ASS zur Krebsvorbeugung einnehmen sollten.
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