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Wer häufig Überstunden leistet, ist öfter psychisch belastet

Donnerstag, 16. August 2012

Berlin – Beschäftigte, die Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeits- und Freizeit haben, leiden häufiger an psychischen Beschwerden. Das geht aus einer Umfrage im Rahmen des AOK Fehlzeiten-Reports 2012 hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Im Durchschnitt habe jeder Beschäftigte in den vergangenen vier Wochen 1,5 Mal unter Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder darunter gelitten, in der Freizeit nicht abschalten zu können, berichtete der stellvertretende Geschäftsführer des Wissen­schaftlichen Instituts der AOK (WIdO), Helmut Schröder. Bei Beschäftigten, die Arbeit und Freizeit schwer vereinbaren konnten, lag dieser Wert bei 3,2.

Auch wer oft private Aktivitäten aufgrund beruflicher Belange verschiebe, an Sonn- und Feiertagen arbeite oder häufig Überstunden leiste, berichte häufiger von psychischen Beschwerden als der Durchschnitt, sagte Schröder.

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Insgesamt arbeiten dem Fehlzeiten-Report zufolge 14 Prozent der 41 Millionen beschäftigten Deutschen regelmäßig an Sonn- und Feiertagen. Weitere 14 Prozent sind im Schichtbetrieb tätig, 20 Prozent teilweise in Rufbereitschaft.

36 Prozent der Beschäftigten können zudem ihre Arbeitszeit selbst bestimmen. Häufig oder sehr häufig leisten 32 Prozent der befragten Beschäftigte  Überstunden, arbeiten 20 Prozent an Samstagen und nehmen 12 Prozent Arbeit mit nach Hause. Trotz Krankheit haben im vergangenen Jahr 59 Prozent der befragten Beschäftigten gearbeitet. Und von knapp jedem Zweiten wird erwartet, dass er auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar ist.

„Die strikte Trennung zwischen Arbeits- und Berufswelt gibt es nicht mehr“, kommentierte der geschäftsführende Vorstand des AOK Bundesverbandes, Uwe Deh. Die AOK spüre dabei die gesundheitlichen Folgen dieses gesellschaftlichen Wandels. „Zwischen 2004 und 2011 ist die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage bei den AOK-Versicherten aufgrund eines Burnout-Syndroms von 8,1 Tagen um das elffache auf 94,4 Tagen angestiegen“, sagte Deh. Frauen werden aufgrund eines Burnouts dabei etwa doppelt so oft krankgeschrieben wie Männer.

Die meisten Arbeitsunfähigkeitstage entfielen im vergangenen Jahr auf Muskel- und Skeletterkrankungen (23 Prozent), gefolgt von Atemwegserkrankungen und Verletzungen (jeweils 12 Prozent). Psychische Erkrankungen waren für zehn Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich.

„Erwerbstätige werden in Zukunft stärker als bisher auf sich allein gestellt sein“, sagte Antje Ducki von der Berliner Beuth Hochschule für Technik, eine der Herausgeberinnen des Fehlzeiten-Reports. „Sie werden mit mehr Unsicherheit konfrontiert sein, und sie müssen in der Lage sein, diese Unsicherheit auszuhalten.“

Für alle Beschäftigten in allen Branchen gelte, dass zukünftig ein hohes Maß an disziplinierter Selbstorganisation und Gesundheitsvorsorge notwendig sein werde, um gesund bis zur Rente zu kommen.

Arbeitgeber müssten grundsätzlich darauf achten, dass die gesteigerte Autonomie der Arbeitnehmer nicht deren Gesundheit gefährde, sagte Ducki. Hilfreich und gesundheitsfördernd sei es, wenn Arbeit planbar, vorhersehbar, verlässlich und sinnvoll sei. Ein gutes Informationsmanagement müsse Mitarbeiter heute zudem vor Informationsflut und „E-Mail-Tsunamis“ schützen. © fos/aerzteblatt.de

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