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Augenärzte warnen vor zunehmender Ökonomisierung des Gesundheitswesens

Donnerstag, 16. August 2012

Berlin – Die Deutsche Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) hat davor gewarnt, Medizin allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. „Stattdessen sollten wir uns stärker an den ethischen Aspekten unserer Aufgabe orientieren“, betonte Präsident Klaus-Peter Steuhl im Vorfeld des 110. DOG-Kongress vom 20. bis 23. September in Berlin. Er plädierte für klare Regeln im Umgang mit Patienten, Kollegen und Industriepartnern sowie Bonusverträgen, die leitliniengerechtes Behandeln honorieren müssen.

„Wenn das Streben nach Gewinnmaximierung die Oberhand gewinnt, droht das Patien­ten­wohl auf der Strecke zu bleiben“, warnte der Augenexperte. Auch leistungs­orientierte Bonusverträge bergen seiner Meinung nach die Gefahr, dass Mediziner aus ökonomischen Gründen, Operationen, Therapien oder Überweisungen veranlassen, die nicht eindeutig notwendig oder auch anders möglich wären.

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„Hier sollten die Anreize anders gesetzt werden“, so sein Vorschlag. Nicht das Erreichen vorgegebener oder möglichst hoher Fallzahlen solle honoriert werden, sondern die Behandlung gemäß medizinischer Leitlinien.

Gleichzeitig plädierte Steuhl für mehr Transparenz. Augenärzte und Augenkliniken sollten Patienten aktiv erklären, mit wem sie kooperieren und ob sie Netzwerken angehören. Bei der Publikation von Forschungsergebnissen für die Industrie sei die Beziehung des Augenarztes zum Auftraggeber offen zu legen. Honoraren und Kostenerstattungen müssten angemessene Gegenleistungen gegenüberstehen, Geschenke dürften die Höhe steuerlicher Freigrenzen nicht überschreiten.

Nach der Allianz Deutscher Ärzteverbände, der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie wendet sich mit der DOG eine weitere medizinische Fachgesellschaft gegen die zunehmende Ökonomisierung in der Gesundheitsversorgung. © hil/aerzteblatt.de

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LandarztNorden
am Sonntag, 19. August 2012, 14:18

@patroklos

Spät ist es, aber ich hoffe nicht zu spät. Die "Big Player" würden sich sicherlich wehren. Vielen Niedergelassenen aber geht die Diktatur der Ökonomie auf den Wecker. Das síeht man u.a. daran, dass keiner mehr (Land-)arztpraxen haben will. Das Angestelltendasein ist nicht nur Alternative sondern oft sogar erste Wahl. Leider sehen auch unsere Berufsverbände nicht die Zeichen der Zeit und bejubeln nur den freien Beruf. Deshalb freue ich mich über jeden Diskussionsbeitrag der nicht das alleinige Heil der Medizin in der Ökonomie sieht.
Patroklos
am Freitag, 17. August 2012, 11:53

Spät, sehr spät.

In den letzten 10- 15 Jahren hat eine gnadenlose Ökonomisierung des Gesundheitswesens mit breiter Beteiligung stattgefunden. Jetzt, nach weitgehendem Abschluss dieses Prozesses eine solche Forderung zu stellen, finde ich sehr spät, wenn nicht zu spät.

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