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Speicheldrüse im Unterarm zwischengelagert

Donnerstag, 16. August 2012

Würzburg – Chirurgen der Würzburger HNO-Klinik haben einem Tumorpatienten trotz Radiotherapie die Speichel­produk­tion erhalten. Wie die Universitäts­klinik berichtet, wurde eine Glandula subman­dibularis vor den Bestrahlungen in den Unterarm verpflanzt. Vier Monate später wurde das Organ wieder an seinen ursprünglichen Ort zurücktransplantiert.

Zu den Folgen einer hochdosierten Radiotherapie von Malignomen im Kopf- und Halsbereich gehört eine dauerhafte Funktionsstörung aller sechs großen Speicheldrüsen. Der Ausfall der Speichelpro­duktion schränkt die Lebensqualität der Patienten deutlich ein. Mund und Rachen seien stets trocken und infektionsanfällig, das Geschmacksempfinden sei stark reduziert und auch das Essen mache keine Freude mehr, berichtet Prof. Rudolf Hagen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen am Würzburger Universitätsklinikum.

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Um Abhilfe zu schaffen, hat der Chirurg eine neue Operationstechnik entwickelt. Bei der „Autotrans­plantation der Unterkieferspeicheldrüse nach Hagen“ wird die etwa sechs Zentimeter lange Glandula submandibularis vor der Strahlentherapie entnommen und in den Unterarm verpflanzt. Arterien und Venen werden dort mikrochirurgisch an die Blutgefäße angeschlossen. Den Ausführungsgang verlegt der Chirurg nach außen an die Hautoberfläche. Der weiterhin produzierte Speichel fließe dann in einen kleinen, auswechselbaren Auffangbeutel, berichtet Hagen.

Die erste Operation fand bereits im Februar bei einem 69-jährigen Tumorpatienten statt. Nach einer zweimonatigen Radiotherapie und weiteren zwei Monaten Rekonvaleszenz wurde die Speicheldrüse im Juli 2012 wieder an ihren ursprünglichen Ort verlegt. Diese Drüse arbeite seither problemlos und sorge für einen ausreichend feuchten Mund und Rachen, versichert Hagen.

Mach dem erfolgreichen Anschluss des „Pilotprojekts“ sollen jetzt weitere Patienten behandelt werden. Allein am Krebszentrum Mainfranken in Würzburg kämen pro Jahr bis zu 100 Patienten für den Eingriff infrage. © rme/aerzteblatt.de

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