Politik

GBA erhöht Dokumentations­anforderungen für Transplantationen

Freitag, 17. August 2012

Berlin – Die Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL) soll künftig bei Organtransplantationen von den durchführenden Kranken­häusern eine hundertprozentige Dokumentationsquote verlangen. Dies hat der Gemein­same Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag in Berlin beschlossen. Ange­sichts der Diskussionen um das deutsche Organtransplantationsverfahren sei es von „allen Beteiligten als notwendiges Signal angesehen worden“, erklärte Josef Hecken, unpar­teiischer Vorsitzender des G-BA.

Eine geringere Dokumentationsquote könne den Eindruck erwecken, dass damit ein Ansatz für Verschleierungen geschaffen würde. „Eine Toleranz von zwei Prozent reicht ja aus, um das zu verstecken, was man verstecken will“, so Hecken. „Deshalb haben wir gesagt: Trotz möglicher technischer Probleme verlangen wir eine hundertprozentige Dokumentationsquote.“

Anzeige

Die Dokumentationsquote basiert auf der Abrechnung der DRGs in den Routinedaten der Krankenhäuser und liegt bei Transplantationen je nach Einrichtung zwischen 92 bis 96 Prozent. Der G-BA-Vorsitzende betonte, dass nicht dokumentierte Fälle nicht bedeuten, dass ein Fehlverhalten vorliege. Diese kämen durch technische Probleme und Abrechnungsverschiebungen vor allem bei Patienten mit langen Liegezeiten zu Stande. Mit der neuen QSKH-RL sollen solche Fälle jedoch kontrolliert und durch das Krankenhaus die entsprechenden Dokumentationen nachgewiesen werden.

  • Transplantationsskandal: „Kein systemisches Versagen“

    Ärzte, Kliniken, Kassen und Politik ziehen Konsequenzen aus dem Skandal um gefälschte Daten bei Organempfängern: mehr Transparenz und schärfere Kontrollen. Aber auch bestimmte Regeln zur Organverteilung kommen auf den Prüfstand.

Krankenhäuser, die bei Transplantationen nicht vollständig dokumentieren, sollen nach der neuen Richtlinie mit höheren Abschlägen auf die Fallpauschale bestraft werden. Wird die DRG-Pauschale normalerweise um 150 Euro gekürzt, wenn ein Datensatz nicht übersendet wurde, soll dies bei Organtransplantationen künftig 2.500 Euro kosten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) unterstützt die neue Regelung: „Das sorgt dafür, dass die Krankenhäuser bemüht sind, alle Datensätze zu übertragen“, erklärte der DKG-Geschäftsführer Bernd Metzinger.

Die Patientenvertreterin Hannelore Loskill begrüßte die Verschärfung bei der Dokumentationspflicht. Diese ginge aber aus Sicht der Patienten nicht weit genug. Sie kündigte an, dass die Patientenvertreter nächsten Monat einen weiterreichenden Antrag zur Änderung der QSKH-RL im G-BA einreichen würden. © mei/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

02.06.16
Berlin – Auf eine Trendwende bei den Organspendezahlen hofft die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). „Nachdem die Organspendezahlen in den letzten Jahren mitunter stark rückläufig waren,......
01.06.16
Knapp ein Drittel der Deutschen besitzt Organspendeausweis
Berlin – 81 Prozent der Deutschen stehen dem Thema Organ- und Gewebespende positiv gegenüber, aber mit 32 Prozent besitzt noch nicht einmal ein Drittel einen Organspendeausweis. Das zeigt die neue......
27.05.16
G-BA: Eigene Internetpräsenz der Patientenvertreter
Berlin – Die Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) haben ab sofort eine eigene Internetpräsenz. Das hat das Gremium bekannt gegeben. Auf https://patientenvertretung.g-ba.de sind......
20.05.16
G-BA streitet über Ausschluss bei Stents und das MRSA-Screening
Berlin – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat sich in einer strittigen Frage zur Bewertung des Einsatzes von Stents zur Behandlung intrakranieller arterieller Stenosen erneut vertagt. Dabei geht......
19.05.16
Berlin – Der Weg aus der weltweiten Krise der Gesundheitssysteme verläuft über Teamarbeit und Kommunikation. Das betonte heute der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, auf dem 1.......
12.05.16
Berlin – Die deutschen Zulassungsbehörden und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wollen Pharmaunternehmen frühzeitig bei der Erarbeitung eines Designs für klinische Studien beraten. Auf diese Weise......
11.05.16
Berlin – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) muss dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) die Mitglieder des Unterausschusses (UA) Arzneimittel nennen. Das Urteil des......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige