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Kontrazeption: Spermienproduktion nicht-hormonell geblockt

Freitag, 17. August 2012

Houston – US-Forscher haben einen Weg gefunden, die Spermienproduktion im Hoden auf nicht-hormonellem Weg reversibel zu blockieren. Ihr Prototyp eines männlichen Kontrazeptivums hat in Cell (2012; 150: 673-684) die Zeugungsfähigkeit von Mäusen zuverlässig gehemmt. Als „Pille für den Mann“ wäre es nicht geeignet.

Die bisherigen Versuche, ein wirksames, sicheres und akzeptables orales Kontrazeptivum für den Mann zu entwickeln, zielten zumeist auf die hormonelle Kontrolle der Spermienproduktion. Alle Projekte sind gescheitert und die Industrie scheint vorerst das Interesse verloren zu haben. Die Forschung stützt sich derzeit auf öffentliche Sponsoren wie die US-National Institutes of Health (NIH). Dem Vernehmen nach gibt es derzeit nur ein einziges Produkt, ein Progesteron- und Testosteron-Gel, in der klinischen Prüfung.

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Der Reproduktionsbiologe Martin Matzuk vom Baylor College of Medicine in Houston und Mitarbeiter wählten einen anderen Ansatz. Ihre Substanz JQ1 (nach dem Chemiker Jun Qi) blockiert im Hoden die Produktion von BRDT (für Bromodomain testis-specific protein). Dieses Protein wird offenbar nur im Hoden gebildet. Seine Funktion iste nicht genau bekannt. Es greift aber in die Chromatinbildung ein, die für die Reifung der Spermien im Hoden wichtig ist. Mäusen, denen das Gen für BRFT fehlt, sind nicht zeugungsfähig.

Eine ähnliche Wirkung erzielt die Substanz JQ1. Die Experimente zeigen, dass das Molekül die Blut-Hoden-Schranke überwindet, eine wichtige Hürde, an der viele frühere Medikamente gescheitert sind. Im Hoden unterdrückte JQ1 die Spermatogenese so weit, dass die männlichen Tiere Zeugungsunfähig waren. Die Wirkung war reversibel. Nach dem Absetzen von JQ1 zeugten die Tiere wieder gesunde Nachkommen.

Als Kontrazeptivum für Männer kommt JQ1 jedoch nicht infrage. Eine Anwendung dürfte bereits daran scheitern, dass die Substanz nicht oral verfügbar ist (In den Experimenten wurde sie intraperitoneal appliziert). Außerdem dürfte JQ1 nicht frei von Nebenwirkungen sein. Die Substanz wurde nämlich ursprünglich zur Behandlung von Krebserkrankungen entwickelt.

Sie hemmt das mit BRDT verwandte Protein BRD4 (Bromodomain-containing protein 4). Brd4 reguliert Myc, das als Onkogen an der Pathogenese von Krebserkrankungen beteiligt ist. JQ1 ist als Mittel gegen Lungenkrebs, Leukämien und das Plasmozytom in der Diskussion. Eine mögliche Folge dieser Antikrebswirkung könnte die Verkleinerung der Hoden sein, die den Forschern bei den Mäusen aufgefallen ist (und die die Attraktivität als männliches Kontrazeptivum sicher nicht erhöhen würde).

Dennoch zeigt die Studie, dass es möglich ist, die Spermienproduktion auf nicht-hormonellem Weg zu hemmen. Der nächste Schritt dürfte die Suche nach einem oral verfügbaren Wirkstoff sein, der die Blut-Hoden-Schranke überwindet und eine auf BRDT beschränkte Wirkung hat. Bis ein solches Molekül gefunden wurde und sich in klinischen Studien als effektiv und vor allem sicher erwiesen hat, könnte es aber noch ein sehr langer Weg sein. © rme/aerzteblatt.de

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