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Neue Euthanasie-Gedenk­stätte eröffnet

Freitag, 17. August 2012

Brandenburg/Havel – Eine „aktive Gedenkstätte“ für Euthanasiemorde der National­sozialisten gibt es jetzt auch in der Stadt Brandenburg/Havel. Heute wurde das Museum eröffnet, das auch ein umfassendes Bildungsprogramm anbietet. Nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten haben damit alle sechs speziellen NS-Tötungs­anstalten für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen eine Gedenkstätte. Den Krankenmorden fielen mehr als 100.000 Menschen zum Opfer, davon rund 9.000 in Brandenburg/Havel.

Als Vertreter von Brandenburgs Landesregierung lobte der stellvertretende Minister­präsident Helmuth Markov (Die Linke) die „anspruchvolle Ausstellung“. Die Geschichte der Medizin an diesem Ort zeige drastisch, „wohin Wissenschaft, selbst wenn sie in ihrer Zeit international anerkannt ist, auch führen kann“, betonte der Finanzminister. Die Erinnerung zwinge dazu, „rechtzeitig die Folgen heute anstehender Entscheidungen zu bedenken“. Als Beispiel nannte Markov die Präimplantationsdiagnostik. Dabei werden menschliche Embryonen auf Erbkrankheiten untersucht und gegebenenfalls vernichtet.

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Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, erklärte, der neue Erinnerungsort schließe eine wichtige Lücke bei den NS-Gedenkstätten in Deutschland. In Brandenburg habe sich „die Keimzelle für den nationalsozialistischen Massenmord durch Giftgas“ befunden. Morsch appellierte an den Bund und das Land Brandenburg, die Gedenkstätte dauerhaft zu finanzieren.

Im original erhaltenen ehemaligen Werkstattgebäude des „Alten Zuchthauses“ erinnert die Dauerausstellung an die „Euthanasie“-Opfer, die dort zwischen Januar und Ende Oktober 1940 in einer Gaskammer starben. Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung der Mordanstalt Brandenburg als Ort der ersten „Probevergasung“ im Januar 1940 sowie des systematischen Massenmordes an jüdischen Anstaltspatienten.

Außerdem informiert die Schau über die direkte Verbindungslinie zum Massenmord an den europäischen Juden. Sie erinnert zudem an mehr als 8.300 Opfer namentlich in einem Gedenkbuch. Anhand von Fotos und Dokumenten aus dem Besitz ihrer Familien werden Biografien von Ermordeten nachgezeichnet. Im benachbarten Gebäude des „Alten Zuchthauses“ nutzt die Stiftung darüber hinaus Räume als Archiv und für die pädagogische Arbeit.

Die Kosten für Gebäudesanierung und Dauerausstellung der Gedenkstätte betrugen rund 741.000 Euro. Das Land Brandenburg und der Bundeskulturbeauftragte stellten dafür jeweils Fördermittel in Höhe von 357.000 Euro bereit. 26.800 Euro steuerte die Stiftung bei.

Die Sanierung und Ausstattung der Projekt- und Archivräume im „Alten Zuchthaus“ kostete 495.000 Euro. Das Land Brandenburg stellte sie aus Mitteln des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR bereit. kna © kna/aerzteblatt.de

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