Politik

Diskussion über religiöse Beschneidungen

Freitag, 17. August 2012

Köln - In einem womöglich wegweisenden Urteil hat das Kölner Landgericht vor kurzem die religiöse Beschnei­dung von Jungen als Straftat gewertet. Dieses Urteil hat zu einer regen Diskussion geführt, die auch im Deutschen Ärzteblatt geführt wird. So wird beispiels­weise über die Frage diskutiert, ob man die Beschnei­dungen minderjähriger Jungen gesetzlich regeln sollte. Vorbild für eine solche Regelung könnte beispielsweise ein Gesetz in Schweden sein. Darin wird geregelt, wer und unter welchen hygienischen Umständen die Zirkumzision ausführen darf.

Ab einem Alter von zwei Monaten darf ausschließlich ein Arzt diesen Eingriff durchführen, bis zu diesem Alter auch Krankenschwestern und speziell für die Beschneidung legitimierte Personen. Auf dieses Gesetz verweist Jörg Carlsson, Universität Kalmar (Schweden) in einem Kommentar für das DÄ. „Ich denke, dass Schweden einen richtigen Weg beschritten hat durch die Legalisierung der Beschneidung mit dem Hauptziel der medizinischen Sicherheit der Betroffenen.“

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Der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Heiner Bielefeldt, hält ein generelles Verbot der religiösen Knabenbeschneidung ebenfalls für unverhältnismäßig. Es stelle sich zwar die Frage nach dem Verhältnis von elterlichem Sorgerecht und der Selbstbestimmung des Kindes in Fragen von Religion und Weltanschauung. Beide Aspekte gehörten grundsätzlich zusammen. So sehe es auch die UN-Kinderrechtskonvention vor. Dennoch machten es sich das Kölner Urteil und seine Fürsprecher zu leicht, meint Bielefeldt.

Für eine gesetzliche Regelung plädieren in weiteren Kommentaren außerdem die Urologen Ahmed Magheli, Charité Berlin, und Oliver Hakenberg, Universitätsmedizin Rostock, sowie der Präsident des Berufsverbandes Deutscher Chirurgen, Hans Peter Bruch.

Eine ganz andere Meinung vertreten dagegen der Passauer Strafrechtler Holm Putzke sowie die Münchener Kinderchirurgen Hans-Georg Dietz und Maximilian Stehr. Ihrer Ansicht nach sind „medizinisch nicht indizierte und damit auch religiös motivierte Beschneidungen an Jungen rechtswidrig, weil sie nicht dem Kindeswohl dienen, es vielmehr gefährden“.

Neben dem Grundrecht auf körperlicher Unversehrtheit werde zudem das Selbstbestimmungsrecht des Kindes verletzt. Für den Betroffenen bedeute eine religiöse Beschneidung lebenslange Kennzeichnung. Zahlreiche biblische Ge- und Verbote hätten sich in katechetischer Betrachtung gewandelt. Es sei Religionsgemeinschaften zuzumuten, Alternativen selbst für uralte Bräuche zu suchen, wenn sie das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit verletzen. Der Staat sei verpflichtet, solche Eingriffe erst zu erlauben, wenn die Entscheidung selbstbestimmend getroffen werden könne. © Kli/aerzteblatt.de

Leserkommentare

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Edward von Roy
am Freitag, 24. August 2012, 07:19

Bundestagspetition vom 20. Juli 2012

eingereicht von Edward von Roy
Diplom-Sozialpädagoge (FH)

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

§ 1631d

Verbot der rituellen Genitalmutilation

Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

Begründung

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR, Paris 10.12.1948) und das auf ihr beruhende Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (23.05.1949) richten sich zuallererst an den Menschen als Individuum und nicht, wie in der von Stammesreligion, Rechtspluralismus und Initiationsriten geprägten kulturellen Vormoderne, an den Menschen als Angehörigen eines ethnoreligiösen Kollektivs, (...)

weiter im Begründungstext hier:

http://www.gam-online.de/text-Beschneidung-petition.html

http://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/
Kahled
am Dienstag, 21. August 2012, 23:44

Skandalöses Unwissen: Unwissende Ärzte verbreiten Unsinn über Beschneidung

Es ist befremdlich, dass sich in den Kommentaren Ärzte zur Wort melden, die ganz offensichtlich nicht einmal die geringste Kenntnis über die Beschneidung und deren Folgen haben, oder sogar religiös voreingenommen sind.

**** **** **** **** **** ****
REPLIK ZU DR. HANS-PETER BRUCH

Da kommt Prof. Dr. med. Hans-Peter Bruch zu Wort, der bereits in einer TV-Diskussionsrunde auf Phoenix mit einem unverantwortlichen Maß an Unwissenheit glänzte. Dort beschrieb er die Beschneidung sinngemäß als beinahe schmerzlosen Eingriff, nach dem die Kinder sofort wieder rumtollen und spielen würden. Herr Bruch scheint zu vergessen, dass es so etwas wie eine Wundheilungszeit, und Wundschmerz gibt, der unmittelbar nach der Operation durch das Nachwirken des perioperativ verabreichten Peniswurzelblocks noch etwas gedämpft sein mag, nach dem Abklingen des Blocks aber den Jungen die gesamtw Zeit der Wundheilung begleitet.

In seinem jetzigen Werk führt Bruch ein reduziertes Risiko für HIV-Infektionen, HPV-Infektionen und Geschlechtskrankheiten an –die bekannten angeblichen Vorteile der Beschneidung, die bestenfalls wissenschaftlich umstritten und schlechtstensfalls haltlos, in jedem Fall aber für Kinder vor der Geschlechtsreife gänzlich irrelevant sind.

Die Niederländische Gesellschaft für Chirurgie weist in ihrer gemeinsamen Stellungnahme zur Beschneidung mit dem Niederländischen Ärztebund die von Bruch abgeführten "Vorteile" vollständig zurück:

" Darüber hinaus werden die Studien über die HIV-Prävention durch Zirkumzision im Afrika südlich der Sahara durchgeführt, wo die Übertragung des Virus hauptsächlich über heterosexuelle Kontakte erfolgt. In der westlichen Welt ist die HIV-Übertragung dagegen viel öfter die Folge homosexueller Kontakte und der Verwendung kontaminierter Nadeln. Dass die Beziehung zwischen HIV-Übertragung und der Zirkumzision zumindest es unklar ist, wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass die USA sowohl eine hohe Prävalenz von STDs und HIV-Infektionen als auch einen hohen Prozentanteil routinemäßige Zirkumzisionen hat Die Situation in den Niederlanden ist genau umgekehrt: eine niedrige Prävalenz von HIV/Aids zusammen mit einer relativ geringen Anzahl Zirkumzisionen. Daher scheinen auch Verhaltensfaktoren eine viel bedeutender Rolle zu spielen als die Frage, ob man eine Vorhaut hat oder nicht.

Ferner gibt es Hinweise dafür, dass die Zirkumzision Schutz gegen Beschwerden wie HPV-Infektionen, Harnwegsinfektionen und Peniskrebs bietet. Auch diese Studien sind jedoch umstritten. Darüber hinaus können Harnwegsinfektionen mit moderner Gesundheitsversorgung leicht behandelt werden. Kindern mit angeborenen Fehlbildungen der Harnwege kann im Allgemeinen leicht geholfen werden durch eine Vorhauterweiterungsoperation, wodurch sich die Vorhaut einfacher reinigen lässt. " (1)

Obwohl sein medizinisches Wissen zu dem Eingriff offenkundig nicht dem europäischen medizinischen Standard entspricht, muss er sich auch noch als Medizinhistoriker versuchen und rezipiert den alten Mythos, dass die Beschneidung in Wüstengebieten als Hygienemaßnahme entstanden sein. Dies ist eine Auffassung, die von Medizinhistorikern v e r n e i n t wird:
Der australische Medizinhistoriker Dr. Robert Darby schreibt darüber:
"Widersprüchliche Theorien wurden zur Erklärung ritueller Operationen an männliche und weiblichen Genitalien vorgebracht...
Die einzige Übereinstimmung zwischen den Befürwortern der jeweiligen Theorien besteht darin, dass irgendeine praktische Absicht wie etwa die Gesundheit nichts damit zu tun hatte. Das ist wenig überraschend, schließlich brachte vor der aseptischen Chirurgie, jedwedes Schneiden ins Fleisch ein hohes Risiko an Blutungen, Infektionen und Tod mit sich. " (2)

REPLIK ZU DR. AHMED MAGHELI UND PROF. DR. MED. OLIVER HAKENBERG
In die gleiche Kerbe wie Bruch schlagen der Dr. Ahmed Magheli und Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg: Auch sie zählen die gleiche bekannte Reihe der angeblichen "Vorteile der Beschneidung" auf –reduziertes Risiko für HPV-, HIV-Infektionen und sogar Peniskarzinome – die wie bereits erwähnt allesamt angezweifelt werden müssen (1, 3) und für Kinder und Jugendliche, die keinen Geschlechtsverkehr haben, nicht von Belang sind.

Sie gehen jedoch noch einen Schritt weiter und behaupten gar "Komplikationen nach Zirkumzisionen sind
mit deutlich unter 3 % selten, schwerwiegende
Komplikationen treten praktisch nicht auf."
Die erste Behauptung ist subjektiv und willkürlich und die zweite ganz einfach falsch.
Die in der Literatur angebenden Raten für Komplikationen, die perioperativ oder kurze Zeit nach der Operation auftreten reichen von 0,3 bis 55% (4) , was die unterschiedlichen Definitionen von Komplikation widerspiegelt.
Williams und Kapila in ihrem Standardartikel über beschneidungsbedingte Komplikationen geben eine "realistischen" Wert der Komplikationsrate mit 2 bis 10% an (4).
Langfristige Komplikationen, die erst Monate und Jahre später nach der Beschneidung auftreten können, wurden in ihrer Arbeit und wie auch beu fast allen Studien über beschneidungsbedingte Komplikationen nicht berücksichtigt.
Absolut unverantwortlich ist aber die Behauptung, dass "praktisch nie schwerwiegende" Komplikationen auftreten können. Diese Behauptung ist schlichtweg beleidigend und verletzend gegenüber all jenen Jungen und Männern, die aufgrund einer Beschneidung schwer geschädigt worden und ihren Penis verloren und gegenüber den Eltern, deren Kindern an den Folgen einer Beschneidung verstarben.
Tatsächlich wird regelmäßig über Fälle von vollständigen oder teilweisen Penisamputationen und auch Todesfällen infolge von Beschneidungen berichtet.

* Erst vor wenigen Monaten starb ein Säugling im Norwegischen Oslo an den Folgen einer Beschneidung, was dort eine gesellschaftliche Debatte auslöste.(5)

* Erst 2010 verlor in Düsseldorf ein Junge in Deutschland aufgrund einer medizinisch nicht -notwendigen Beschneidung beinahe seinen gesamten Penis. Die Beschneidung war unter besten hygienischen Bedingungen von einem erfahrenen Arzt durchgeführt worden.(6)

Auch stellt sich die dringende ethische Frage, was bei einer medizinisch unnötigen Operation "praktisch nie" bedeuten soll. Ist nach Ansicht der Autoren eine gewisse Anzahl an Jungen, die infolge ihrer Beschneidung sterben, ihren Penis verlieren oder sonst schwer geschädigt werden etwa "praktisch" hinnehmbar? Sind diese Jungen notwendige Opfer für eine unnötige Operation, die es "praktisch nie" aber genauso praktisch eben doch manchmal gibt?

Auch die Behauptung, dass psychische oder funktionelle Beschwerden als
Folge einer Zirkumzision nur bei Patienten beschrieben seien, "die erst im Erwachsenenalter zirkumzidiert wurden", ist nachweislich falsch und zeugt von völliger Unkenntnis über die betreffende medizinische Literatur zu den psychischen Folgen der Beschneidung:

Schon in den 1940ern wurden psychische Beschwerden einschließlich "Kampfneurosen", heute Posttrauamtische Belastungsstörungen genannt, bei Kindern infolge ihrer Beschneidung beobachtet. (7)
Selbst bei Männern, die im Säuglingsalter beschnitten wurden, konnten Postraumatische Belastungsstörung infolge dieser frühen Operation festgestellt werden. (8)

Aber wieder stellen die Autoren ihre absolute Unkenntnis der Literatur unter Beweis, wenn sie behaupten "der Vergleich der Zirkumzision, die im Kindesalter keine funktionellen Auswirkungen hat, mit der
erheblichen Genitalverstümmelung von Mädchen durch „Beschneidung“, d. h. Entfernung
der Klitoris und der kleinen Schamlippen" wäre "völlig abwegig".

Erstens hat die Beschneidung bei der der einzig bewegliche Teil der Penishaut, und die Mehrheit der spezialisierten Nervenendigungen des Penis, welche sich auf der Vorhaut empfinden entfernt werden (9), sehr wohl mit funktionellen Auswirkungen verbunden, wie unlängst in einer großen dänischen Studie bewiesen wurde, (10) Diese neue Studie an mehr als 5000 Männern und Frauen stellte fest, dass die Beschneidung mit häufigen Orgasmus-Schwierigkeiten bei Männern und einer Vielzahl sexueller Schwierigkeiten bei Frauen vergesellschaftet ist, vor allen Dingen Orgasmus-Schwierigkeiten, Schwierigkeiten bei der Penetration, schmerzhafter Geschlechtsverkehr und ein "Gefühl der unvollständigen Erfüllung der sexuellen Bedürfnisse".(10)

Zweitens: Wenn der Vergleich so abwegig wäre, warum stellen dann der Niederländische Ärztebund, die Niederländische Gesellschaft für Kinderchirurgie, Niederländische Gesellschaft für Urologie, Niederländische Gesellschaft für Chirurgie dann eben diesen Vergleich auf:

"Eines der am häufigsten angeführten Argumente für eine unterschiedliche Behandlung der beiden Eingriffe ist, dass die weiblichen Genitalverstümmlung einer Verschlechterung der sexuellen Funktion der Frau führe, während die NTZ angeblich keinen solchen Auswirkung auf den Mann habe.
Jedoch gibt es verschiedene Formen von weiblicher Genitalverstümmlung. Es gibt die schwerste Form, die Infibulation; bei der die innere und äußere Labia zusammengenäht werden und die Klitoris entfernt wird. Es gibt aber auch mildere Form der weiblichen Genitalverstümmlung, bei denen nur die Vorhaut der Klitoris entfernt wird. Aber selbst die Sunna light, wie sie von Mulder und vorher schon von Bartels vorgeschlagen wurde, bei der gar kein Gewebe entfernt wird, wird auch universell verurteilt. Auch die WHO verurteilt alle Formen der Weibliche Genitalverstümmlung: „Weibliche Genitalverstümmmlung jedweder Art muss als eine schädigende Praktik und als eine Verletzung der Menschenrechte von Frauen und Mädchen anerkannt werden.“ Die WHO schließt hier explizit auch die milden Form der weiblichen Genitalverstümmlung mit ein, bei denen kein Gewebe entfernt wird. Das Argument für die Verurteilung der weiblichen Genitalverstümmlung ist folglich nicht, dass die weiblichen Genitalverstümmlung die weibliche Sexualität beeinträchtigt, sondern dass sie eine Verletzung der Rechte der Frau darstellt:
„Die Grundprinzipien um Genitalpraktiken als weibliche Genitalverstümmlung anzusehen, sollten die Menschenrechte sein, einschließlich das Recht auf Gesundheit, das Recht Kinder zu haben und das Recht nicht aufgrund des Geschlechts diskriminiert zu werden.“
Ein anderer Teil dieses Argumentes lautet, dass die Zirkumzision keine Auswirkung auf die männliche Sexualität hat. Die Vorhaut wird als ein Teil des Körpers betrachtet, dass überhaupt keine Funktion für die männliche Sexualität hat. Viele Sexologen widersprechen dieser Idee: Die Vorhaut ist ihrer Ansicht nach eine komplexe erogene Struktur, die eine bedeutende Rolle spielt für „die mechanische Funktion des Penis während sexueller Handlungen, wie etwa dem penetrativen Geschlechtsverkehr und der Masturbation. Auch die vielen Versuche von Männern ihre Vorhaut durch mechanische und chirurgische Mittel ihre Vorhaut wiederherzustellen, widerspricht der Vorstellung, dass die Vorhaut ein nutzloser Teil des Körpers sei"
**** **** **** **** **** ****

Fazit
Die schiere Masse der fachlichen Fehler in den Artikeln des Herrn Bruchs, Magheli und Hakenbeck gestattet es nicht in einem kurzen Bericht jeden einzelnen der Fehler zu erwähnen und zu erläutern. Ich habe mich deshalb auf die auffälligsten Fehler konzentriert, die aber ausreichen dürften um die drei Autoren der vollkommenen fachlichen Unkenntnis zum Thema Beschneidung zu überführen.

Die "Argumente" der drei ärztlichen Beschneidungsbefürworter beruhen auf nachweislich falschen oder veralteten Vorstellungen über die Beschneidung, deren Schäden, Komplikationen und deren angebliche Vorteile, Vorstellungen die noch dazu im krassen Gegensatz zur europäischen medizinischen Konsensmeinung stehen.

Von niemanden wird verlangt ein Experte in Sachen Beschneidung zu sein, medizinische Ethik und die Verantwortung des Ärzteberufes verlangen es aber , dass wenn man sich zu einem Eingriff äußert, noch dazu wenn dieses Gegenstand einer politischen Debatte ist, auch Fachwissen zu diesem Eingriff haben oder zumindest ein wenig Recherche betreiben sollte. Beides haben die drei Autoren ganz offensichtlich und für jeden erkennbar nicht.

EINZELNACHWEISE:
1. Non-therapeutic circumcision of male minors. Utrecht, Royal Dutch Medical Association, 2010.
2. Darby R. The riddle of the sands: circumcision, history, and myth. N Z Med J 2005;118(1218):U1564. Deutsche Übersetzung: http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/geschichte-der-beschneidung/das-raetsel-des-sandes/das-raetsel-des-sandes.html
3. http://flexikon.doccheck.com/de/Zirkumzision
4. http://www.cirp.org/library/complications/williams-kapila/ Williams N, Kapila L. Complications of circumcision. Brit J Surg 1993;80:1231-6.
5. Tine dommerud: Spebarn døde etter omskjæring. Aftenposten May 11, 2012. http://www.aftenposten.no/nyheter/iriks/Spebarn-dode-etter-omskjaring-6827102.html#.T7CNucXU6V4
6. http://www.express.de/duesseldorf/horrorerlebnis-eines-zehnjaehrigen-bei-beschneidung-schlimm-verstuemmelt,2858,4742926.html
7. Levy D. Psychic trauma of operations in children: and a note on combat neurosis. Am J Dis Child 1945;69:7-25.
8. Rhinehart J. Neonatal circumcision reconsidered. Transactional Analysis J 1999;29(3):215-21. URL: http://www.cirp.org/library/psych/rhinehart1/
9. Cold CJ, Taylor JR. The prepuce. BJU Int 1999;83 Suppl. 1:34-44.
10. Frisch M, Lindholm M, Grønbæk M. Male circumcision and sexual function in men and women: a survey-based, cross-sectional study in Denmark. Int J Epidemiol 2011;40(5):1367-81.
Benjamin Wolf
am Dienstag, 21. August 2012, 22:52

mrdoc hat Recht

Finde Ihren Kommentar sehr beachtenswert. In Kelsterbach (bei Frankfurt) veranstalten wir eine Diskussionsreihe zu dem Thema. Wenn Sie Zeit und Lust haben teilzunehmen (und räumlich vielleicht nicht zu weit weg wohnen), möchten wir Sie gerne einladen. Kontakt über: pfarrer@christuskirche-kelsterbach.de
Gesprächsreihe zur Beschneidung:
So 26.8.2012, 10.30 Uhr mit dem Juristen Dr. Alexander Zaribaf
So 16.9.2012, 14.00 Uhr mit dem Bundestagsabgeordneten Gerold Reichenbach (SPD), dem Mitglied des Deutschen Ethikrates Prof. Dr. Leo Latasch (Jü
dische Gemeinde Frankfurt) und dem Strafrechtsprofessor Dr. Rolf Dietrich Herzberg u.a.
Do 04.10.2012, 19.30 Uhr mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Franz Josef Jung (CDU), dem Mitglied der Deutschen Islkamkonferenz Turgut Yüksel, dem Vorsitzenden der Deutschen Kinderhilfe Georg Ehrmann u.a.
Weitere Fachleute wie z.B. Kinderärztinnen u.a. sind angefragt.
Ev. Christuskirchengemeinde, Albert-Schweitzer-Str. 30, Kelsterbach
mrdoc
am Samstag, 18. August 2012, 14:32

Nicht einmal neutral

Dieser Artikel beschönigt nahezu. Aber er zeugt auch von Unkenntnis des Autors. Wer hat das geschrieben?
Zunächst mal ist darauf hinzuweisen, dass auch damals namens "religiöser Gründe", diverse Taten legitimiert waren, die nach dem heutigen Werteverständnis einer hochindividualisierten westlichen Gesellschaft nicht mehr vertretbar sind. Ich möchte hier beispielshaft anführen, dass der Anspruch auf Vollzug des Beischlafs mit dem Ehepartner, heute "Vergewaltigung in der Ehe" genannt wird.

Und in Deutschland nehmen jeden Monat weiterhin Kurpfuscher ohne medizinische Ausbildung diesen Eingriff an Säuglingen, zuhause, in Synagogen, oder auf Beschneidungsfeiern ohne Betäubung vor, obgleich neueste Studien darauf hindeuten, dass über 60% der Patienten persistierende Schwierigkeiten und /oder Schmerzen beim Onanieren haben und die Sexualität negativ beeinflusst werden kann.

Beschneidung durch einen sog. Rabbiner Mohel:
Eine Zirkumzision durch einen Mohel kann schon per Defenitionem niemals Lege Artis sein, da diese Tätigkeit der Kurpfuscherei zuzuordnen ist und die Kunst des medizinischen Heilens und Operierens durch diesen nicht ausgeführt werden kann und darf.
Es fehlt schon an medizinischer Ausbildung, Approbation, der Kenntnisprüfung, der Teilnahme an den vorgeschriebenen ärztlichen Fortbildungen zur Sicherung der Qualität und somit letztlich auch an der Fähigkeit, über die jeweils beste und wissenschaftlich anerkanntesten Behandlungsmethode informiert und darin geschult zu sein. Der Eingriff ist laienhaft ausgeführt und richtet sich vorwiegend nach rituellen, nicht wissenschaftlichen Maßstäben. Auf der Seite eines bekannten Mohels, der Säuglinge per se ohne Anästhesie beschneidet und in dessen Schrift, begründet dieser den operativen Eingriff insbesondere damit, dass jüdische Volk vor „Assimilation“ schützen zu wollen.
Der sog. Mohel entzieht sich der Kontrolle der kassenärztlichen Vereinigungen, Bundes- und Landesärztekammern.

Der Zentralrat der Juden wirbt für die Durchführung der medizinisch nicht indizierten Eingriffe an nicht Einwilligungsfähigen Säuglingen durch sogenannte „Mohels“. Auf seiner Website ist folgende Stellungnahme zu entnehmen:

Ist das Kind an einem Sabbat geboren, findet die Beschneidungszeremonie gleichfalls an einem Sabbat statt, obgleich sie mit Arbeit verbunden ist. Man kann die Beschneidung auf einen späteren Termin verschieben, wenn es dafür triftige Gründe gibt, z.B. wenn das Kind zu schwächlich ist. Die Beschneidung wird von einem dafür zuständigen Kultusbeamten, dem Mohel, vorgenommen oder von einem Arzt. Wie von dem Mohel medizinische Kompetenz gefordert ist, so muß ein Arzt sich der Tatsache bewußt sein, eine kultische Handlung auszuführen. Während in früheren Zeiten das Kind in der Synagoge beschnitten wurde, findet die Zeremonie heutzutage entweder zu Hause statt oder in einer Klinik, sofern ein kompetenter jüdischer Arzt zur Verfügung steht.

Mithin ist davon auszugehen, dass derartige operative Eingriffe, die an sich schon als unzulässig zu bezeichnen sein dürften, obendrein an Orten durchgeführt werden, die dafür ungeeignet sind, von Personen die sich außerhalb des medizinischen Systems bewegen, denen es an medizinischen Kenntnissen und medizinisch geschultem Assistenzpersonal fehlt, sowie denen es ganz offensichtlich verboten ist, derartige operative Eingriffe durchzuführen. Man möge sich nur vorstellen, wie das Anreichen steriler Gegenstände während der Operation erfolgen soll, wie es bei steril durchgeführten Bedingungen ja zwingend erforderlich ist. Es ist davon auszugehen, dass dieser Personenkreis den zu schützenden Kindern erheblichen physischen und psychischen Schaden im Rahmen religiöser Überzeugungen zufügt.
Sofern „ausnahmsweise“ ein „jüdischer Arzt“ zur Verfügung steht, ist davon auszugehen, dass dieser den Eingriff abweichend von den Leitlinien vornimmt, da innerhalb der religiösen Gemeinschaft unter orthodoxen Juden oft das Verständnis vorherrscht, dass solche Beschneidungen mit Schmerzen verbunden sein müssen. Dies geht aus einer Schrift eines praktizierenden Mohel „Gott hat immer Recht“ hervor.

Säuglingsbeschneidung:
Für die nicht medizinisch indizierte Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Patienten insgesamt, aber für die Beschneidung bei Säuglingen im speziellen, ist der Eingriff nicht mit geltendem Recht zu vereinbaren. Gerade bei Säuglingen ist das Risiko des Eingriffs als zu groß zu bezeichnen (Als schwere Komplikation geltende persistierende Meatusstenose wird mit bis zu über 30% in der Literatur beschrieben). Deshalb hat die Landesärztekammer in Bremen bereits in 2010 eine Richtlinie erlassen. In der Richtlinie wird klargestellt, wann überhaupt eine Zirkumzision bei Jungen medizinisch gerechtfertigt ist, nämlich bei Vorliegen einer manifesten Phimose, wobei in der Regel der Operation ein Behandlungsversuch mit Steroid- oder Östrogencreme vorangegangen sein soll. Zirkumzisionen in den ersten drei Lebensjahren sind nach der gemeinsamen Richtlinie nur in Ausnahmefällen indiziert. Dies steht im Einklang mit der „Leitlinie“ des AWMF, bei der der Eingriff nur unter genau definierten Operationsindikationen bei vorangegangener anderweitiger erfolgloser Therapie empfohlen wird. Insbesondere muss darauf hingewiesen werden, dass die Säuglingsbeschneidung nicht hinreichend durch die beiden Vorgaben erfasst wird, denn eine solch frühe Beschneidung am 8. Tag ist medizinisch unüblich. Verbindliche Operationsrichtlinien wurden nicht für diese Patientengruppe oder eine andere erarbeitet. Es ist fraglich ob und wann diese kommen, sodass eine weitere gerichtliche Klärung und mögliches Verbot, bzw. gerichtlich gutachterliche Festlegung auf Standards nötig ist.
P. Ferdinand
am Samstag, 18. August 2012, 10:07

Ein neutraler Artikel

Dies ist ein sehr neutral gehaltener Artikel, was der innerhalb der Ärzteschaft sehr unterschiedlichen Grundeinstellung zur Beschneidung entspricht. Was ich mir vom Ärzteblatt wünschen würde, wäre eine Diskussion der Studienlage zur Beschneidung. Mein eigener Versuch, mich in dieser Hinsicht zu belesen ergab, daß, bei relativ geringer statistischer Grundlage, deutliche Anzeichen für überdurchschnittlich häufige sexuelle Störungen bei beschnittenen Männern bestehen. Vielleicht könnte dies ja vom Ärzteblatt noch einmal umfassend beleuchtet werden?
Gänzlich undurchsichtig erscheint mir dagegen die Studienlage bezüglich der oft propagierten hygienischen Vorteile. Hier scheinen mir viele diesbezüglichen Studien von der Methodik her wenig aussagekräftig. Auch hier wäre eine Hilfestellung zur Bewertung der Studienlage wünschenswert.
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