Politik

Arzt aus Hessen zeigt Rabbiner wegen Beschneidungen an

Mittwoch, 22. August 2012

Hof/Vaduz – Wegen Beschneidung jüdischer Jungen hat ein Arzt aus Hessen einen Rabbiner bei der Staatsanwaltschaft im bayerischen Hof angezeigt. In der Anzeige werde dem Rabbiner Körperverletzung vorgeworfen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt am Mittwoch in Hof. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte angesichts der Anzeige davor, die religiöse Toleranz aufs Spiel zu setzen.

Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts nimmt der Arzt aus Hessen in der Anzeige gegen den Rabbiner Bezug auf das umstrittene Urteil des Kölner Landgerichts, das im Mai Beschneidungen von Jungen aus rein religiösen Gründen als strafbare Körperverletzung gewertet hatte. Schmitt zufolge wird seine Behörde die in der vergangenen Woche in Hof eingegangene Strafanzeige nun prüfen und danach entscheiden, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen den Rabbiner einleitet.

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Westerwelle erklärte im liechtensteinischen Vaduz, jüdische und muslimische Traditionen müssten „auch in Deutschland ohne Rechtsunsicherheit gelebt werden können“. „Wir dürfen das Ansehen Deutschlands in der Welt als ein Land der religiösen Toleranz nicht aufs Spiel setzen.“ Es sei „nötig, jetzt zügig zu einer klaren Regelung zu kommen“. Er begrüße daher sehr, dass der Deutsche Ethikrat am Donnerstag zusammentrete, „um diese Frage zu erörtern“  

Das Kölner Urteil wird von jüdischen und muslimischen Verbänden scharf kritisiert. Der Bundestag hatte im Juli mit breiter Mehrheit einen Antrag angenommen, wonach die Bundesregierung bis zum Herbst eine gesetzliche Grundlage für religiöse Beschneidungen schaffen soll. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte dazu am Mittwoch, in ihrem Ministerium werde intensiv an einer gesetzlichen Regelung gearbeitet, „und wir werden den Auftrag des Bundestags, im Herbst einen Vorschlag vorzulegen, natürlich auch erfüllen“. Details könne sie derzeit aber noch nicht nennen. 

Der Hamburger Strafrechtler und Angehörige des Deutschen Ethikrats, Reinhard Merkel, forderte derweil strenge Auflagen für religiöse Beschneidungen jüdischer und muslimischer Jungen. Der Bundestag habe in seinem Bemühen, Beschneidungen straflos zu ermöglichen, „unüberlegt und übereilt“ gehandelt, kritisierte Merkel in der Stuttgarter Zeitung vom Mittwoch. An der Stelle ein "Sonderrecht" zu schaffen, wäre "ein Sündenfall des Rechtsstaats" und bringe diesen in eine "Art rechtspolitischen Notstands". © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

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Henry I
am Mittwoch, 29. August 2012, 17:11

Verlust der Demokratie

Ich bin sicherlich nicht immer einer Meinung mit dem Genossen Andreas Skrziepietz, aber Hinsichtlich des Angriffskrieges hat er sicherlich Recht.
Das mit der Zwangsarbeit ist dagegen barer Unsinn, doch in der Einführung von Hartz IV steckt mindestens ebensoviel sozialistische Logik wie neoliberale;
Denn bei Hartz IV wird ja (nach kurzer Zeit) der Mensch, der nach langer Berufstätigkeit unverschuldet arbeitslos wird dem Menschen gleichgestellt, der noch nie gearbeitet hat und solches auch gar nicht vor hat.
Und die "Gleichmacherei" von Menschen, die sich unterschiedlich verhalten und verschiedenes leisten, ist nun einmal fester Bestandteil allen Sozialismus'.
In Bezug auf die Beschneidung minderjähriger Jungen ohne medizinische Indikation bin ich pessimistisch genug anzunehmen, dass die Politiker dieses Selbstverständlich gutheissen und erlauben werden.
Seit geraumer Zeit werden Geld und Privilegien dorthin gescheffelt, wo am lautesten gekeift, gemessert und geschlagen wird...ach ja, und wir sollten die Fortpflanzung nicht vergessen.
Zeit genug, darüber zu sinnieren, wie es dazu kommen konnte, dass die Demokratie abgeschafft wurde, während wir selig geschlafen haben.
Medizyniker
am Mittwoch, 29. August 2012, 15:53

Ich befürchte sehr ...

... dass unsere Politiker die Beschneidung per Gesetz erlauben werden. Erstens sind sie logischen Argumenten nicht zugänglich und außerdem sind kleine Jungs als potentielle Wähler uninteressant, im Gegensatz zu den genannten religiösen Gruppen.
Andreas Skrziepietz
am Mittwoch, 29. August 2012, 14:06

Unser Grundgesetz in Deutschland ist ebenfalls nicht verhandelbar!

Doch, ist es. Einige Beispiele:
Angriffskriege sind GG-widrig: Der Kriegsverbrecher Schröder war der erste Regierungschef seit Hitler, der wieder Angriffskriege führte.
Die Zwangsarbeit ist GG-widrig: Der Kriegsverbrecher Schröder war der erste Regierungschef seit Hitler, der die Zwangsarbeit wieder einführte.
Das Wirtschaftssystem der BRD ist laut GG die soziale Marktwirtschaft. Das schwarzrote Regime führte für Großbanken den Sozialismus ein (allerdings eine besondere Form des Sozialismus, denn üblicherweise wurden im Sozialismus nicht nur verluste, sondern auch Gewinne verstaatlicht. Der neue Sozialismus verstaatlicht nur noch verluste, Gewinne werden auch weiterhin privatisiert).
Clemens-X
am Dienstag, 28. August 2012, 11:22

Erstaunliche Reaktionen... aber nicht überraschend!

betr.: „Roderick”:
Ich habe den Eindruck, dass die anonym erscheinende Person „roderick” (Feigheit? / Ich oute mich hier jedenfalls als Realperson!) genau zu jenem höchst manipulierbaren Personenkreis in Deutschland gehört, die in automatisierte Denkstrukturen zurück fällt, sobald die Reizwörter „Juden, Hitler, braune Vergangenheit, Holocaust” fallen. Daher wundert mich auch die Realitätsverzerrung nicht, mit der diese Person meine Meinung wahrnimmt und versucht, meine Ansichten einer rechtsideologischen Ecke zuzuweisen.

Es ist genau das Verhaltensmuster, welches deutsche Politiker fast sämtlicher Coleur dazu veranlasst, entgegen den internationalen Menschenrechten und entgegen den klaren Vorgaben des Grundgesetzes Genitalverstümmelungen zu „legalisieren”.
Und es war für mich voraussehbar, dass auch einige Menschen, die hier kommentierend schreiben, solche Reaktionen zeigen. Sie führen aber damit sehr anschaulich vor, wie sehr ich mit meiner Ansicht richtig liege!

Im Übrigen: Wer meine bisherigen Kommentare im Ärzteblatt liest oder gar auf meiner Website mitgelesen hat, weiß, dass ich eher eine linksorientierte Denkweise habe, in der weder Platz ist für die Verleugnung von Gräueltaten der Vergangenheit noch für eine reflexhaft automatisierte Manipulation mit Schuldgefühlen aus dieser Vergangenheit.


betr.: byte_2702:
Es ist mir herzlich egal, ob man Goi, Mohel, Rabbi oder womöglich Gott persönlich ist: Das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit ist nicht verhandelbar!!! Unser Grundgesetz in Deutschland ist ebenfalls nicht verhandelbar! Bloß weil die männliche Genitalverstümmelung leider noch nie öffentlich in diesem Umfang thematisiert worden ist, heißt das doch nicht, dass man dieses Unrecht weiter dulden oder gar legalisieren muss! Und daran ändert auch der Besuch einer Synagoge oder Moschee nichts!

Ich meine auch, dass die multikulturelle Vielfalt in Deutschland eine herausfordernde Bereicherung darstellt! Das heißt aber nicht, dass unsere Gesetze und Werte an einen gemeisamen Konsenz (womöglich gar den kleinsten gemeinsamen Nenner) angepasst werden müssen! Und schon gar nicht, wenn diese Anpassung auf Kosten der Menschenrechte und der Vorgaben des Grundgesetzes gehen! Sonst werden vielleicht schon in Deutschland Morgen Hände abgehackt (Diebstahl / Scharia) oder Steinigungen durchgeführt!

Wem es hier in Deutschland doch sooo wenig gefällt, der möge bitte schleunigst dahin verschwinden, wo er her gekommen ist! Und diese durchaus aggressiv klingende Meinung beziehe ich auf alle, die mit anderen Werte- und Rechtsvorstellungen nach Deutschland kommen und diese hier einfordern - nicht nur auf Angehörige gewisser Religionen.

Aus psychologischer Sicht stelle ich eher die Frage, wieso anscheinend nur die Deutschen ständig der Versuchung erliegen, es allen anderen Menschen Recht machen zu wollen, selbst wenn dabei die eigenen Wertevorstellungen Normen und Gesetze dabei geopfert werden müssen?! Steckt hier ein versteckter „Deutscher Schuldwahn” dahinter?

Oder anders gefragt: Würde es nur einem einzigen Deutschen in den Sinn kommen, der sich in der Türkei, in Israel, in Spanien oder in den arabischen Staaten niederlässt, dort einzufordern, dass seine Werte, Normen und Rechtsvorstellungen berücksichtigt und teils sogar per Gesetz legalisiert werden müssen? Spätestens nach dieser Frage sollte uns die Absurdität der Forderungen aus jüdischen oder islamischen Kreisen bewusst werden!

Meine Motivation, mich in diesen und anderen psychosozialen Themen zu engagieren und auch, hier zu schreiben, beruht auf meinem beruflichen und persönlichen Engagement, die Lust am Leben zu steigern oder wieder herzustellen. Einflüssen, die die Lebenslust unnötig oder gar gesetzwidrig beeinträchtigen, trete ich entgegen, so gut ich kann.

Clemens M. Hürten - Lebenslust jetzt! - Rottweil
byte_2702
am Sonntag, 26. August 2012, 12:43

Religionsfreiheit

Ich bin Goi (jetzt fängt bei vielen sicherlich die große Googelei an) und ich habe selber für einige Monate in einer Synagoge ehrenamtlich mitgeholfen. Dabei habe ich eine Menge über das Judentum gelernt. Ich kann verstehen, warum das Beschneidungsritual durchgeführt wird. Dies gehört auch als fester Bestandteil zum Judentum. Wer gegen die Beschneidung ist, ohne selber zu Jude zu sein, wird gar nicht wissen, wovon er da redet. Es ist ein mächtiger Einschnitt in die Religionsfreiheit. Ich denke nicht, dass sich hier der Staat einmischen sollte. Und bevor sich jemand hier mit einmischt, der von Judentum und Islam keine Ahnung hat, würde ich vorher einen Besuch einer Synagoge und einer Moschee empfehlen. Kann jedenfalls nicht schaden.
roderick
am Freitag, 24. August 2012, 09:21

Replik zum Kommentar Herr Hürten

Herr Hürten,

ich beziehe mich auf einen Kommentar in der Online Ausgabe des Dt. Ärzteblatts vom 23.8 von Ihnen zum Thema Beschneidung. Ich gehe davon aus, dass Sie der Verfasser des Kommentars das unter –Ihrem Namen veröffentlicht wurde - sind. Ist dem nicht so, ist diese Replik an den entsprechenden Verfasser und nicht an Sie gerichtet.

Wahrscheinlich entstammen Sie den unteren Bildungsschichten und man sollte Verständnis für Sie haben, dass Sie sich, trotz grober Unkenntnis und mangelnder Bildung, trauen an einer öffentlichen oder semi-öffentlichen Debatte teilzunehmen. Ein Geschenk für das Sie den Amerikanern ewig dankbar sein sollten… Aber vielleicht auch nicht und Sie sind nur der lebende Beweis, dass Hitler diesem Land den Kopf abgeschlagen hat und der Bodensatz übrig geblieben ist.

Die wirkliche Gefahr in der Diskussion über Beschneidung wird durch Kommentare wie dem Ihren offenbar. Selbst wenn man sachlich die gleiche Position vertritt wie Sie und die Religionsfreiheit inferior zu anderen Rechten wie der körperlichen Unversehrtheit sieht – und diese Position habe ich und bin gegen eine Erlaubnis der Beschneidung aus rituellen oder kulturellen Gründen – so wird diese Diskussion von Menschen wie Ihnen dazu genutzt, die eigene dumpfe „Man muss den Juden doch auch mal sagen was los ist“-Attitüde aus Scham, Schuldgefühl , verletztem Nationalstolz, oder was sonst für eine Suppe in Ihrem Gehirn herumschwappt , in der Öffentlichkeit breit zu treten. Was aber wirklich besonders erschreckend an Ihnen ist, ist das sie entweder absichtlich oder eben aufgrund grob mangelnder Bildung meinen, dass Juden in Deutschland eine „Sonderbehandlung“ einfordern würden – das allerletzte was irgendjemand von einem Deutschen jemals einfordern wird ist eine Sonderbehandlung. Aufgrund Ihres restlichen Tons wie „altbewährte Trickkiste“, „manipulieren“ oder was für einen Schwachsinn Sie sonst noch von sich geben, die in schönster Stürmer Tradition einem Streicher zur Ehre gereichen würden, kann man annehmen, dass Ihnen bewusst war was Sie geschrieben haben und was für ehrloser Geselle Sie sind. Falls sie es nicht wissen, Google ist Ihr Freund (man kann sich Bildung heute ja auch „leihen“), und schämen Sie sich. Zu Recht.

Sehr schade, dass die in der Sache richtige Säkularisierung der Gesellschaft durch dumpf braune Äußerung von Leuten wie Ihnen gefährdet wird.
Edward von Roy
am Freitag, 24. August 2012, 06:51

Meine Bundestagspetition

Petition gegen Beschneidung
20. Juli 2012

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

§ 1631d
Verbot der rituellen Genitalmutilation

Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

Begründung

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR, Paris 10.12.1948) und das auf ihr beruhende Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (23.05.1949) richten sich zuallererst an den Menschen als Individuum und nicht, wie in der von Stammesreligion, Rechtspluralismus und Initiationsriten geprägten kulturellen Vormoderne, an den Menschen als Angehörigen eines ethnoreligiösen Kollektivs, (...)

[gekürzt, ausführlich begründet hier]

http://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/

http://www.gam-online.de/text-Beschneidung-petition.html
Adolar
am Donnerstag, 23. August 2012, 17:40

Nachbarstaaten?

Die Diskussion läuft ja bisher ein wenig "unsäglich", um das mal vorsichtig zu beschreiben. Weiß eigentlich jemand, ob das jetzt mit teutscher Gründlichkeit tiefgründig beackerte Thema in den doch auch einigermaßen kultivierten Nachbarstaaten einfach totgeschwiegen wird, oder was ist dort damit los?
Aetzend
am Donnerstag, 23. August 2012, 17:18

Konsequent falsch

@mrdoc: Immerhin entsprechen sich Form und Inhalt des Geschriebenen. Intensive (Nach?-)Schulung in deutscher Sprache ist in höchstem Maße indiziert: Schon allein der offenbar systematisierte Fehler, in konstanter Boshaftigkeit adverbielle Bestimmungen mittels Komma vom Rest des Hauptsatzes abzutrennen, macht das Lesen Ihres Textes zur unsäglichen Tortur. Aber auch in Doktorandenkreisen scheint ja heutzutage der Deutschunterricht ein möglichst zu meidender gewesen zu sein. Vielleicht wird es ja - als Paradoxon sozusagen - besser, wenn demnächst zunehmend Nicht-Abiturienten studieren . . .
mrdoc
am Donnerstag, 23. August 2012, 13:28

Wer sind Sie?

Sehr geehrter Herr Kochen,
bitte entschuldigen Sie, ich werde den Namen nun korrekt schreiben.
Auf meine Frage ob ich Sie Kollege nennen darf, haben Sie ja noch nicht geantwortet. Aufgrund Ihrer Aussagen, zweifle ich daran immer mehr. Wer sind Sie, oder in welcher Funktion sind sie hier, warum schreiben Sie hier? Erhellen Sie mich doch bitte.
Bei der Klitorisvorhautreduktion, wird die Klitorisvorhaut operativ entfernt. Die Klitoris bleibt wie gesagt unverletzt. Lesen sie bitte unten nochmal nach. MfG
mrdoc
am Donnerstag, 23. August 2012, 12:54

Herr Kochem, es wird nicht besser:

Die UNICEF ist ein Organ der Vereinten Nationen. Die Klitorisvorhautreduktion wurde laut Rechtsgutachten der UNICEF als weibliche Genitalverstümmelung eingestuft und wird dort auch als sogenannte „Milde Sunna“ bezeichnet. Die Klitorisvorhautreduktion ist eine weniger schwere Operation als die männliche Zirkumzision, bei der die Klitoris nicht verletzt wird. Oft wird sie auch aus ästhetischen Gründen vorgenommen. Diese wird bei rituellen Durchführungen an nicht Einwilligungsfähigen jedoch strafrechtlich verfolgt.

Wenn also die Klitorisvorhaureduktion Genitalverstümmelung ist, dann ist die Zirkumzision nichts anderes.

MfG
mrdoc
am Donnerstag, 23. August 2012, 12:47

Herr Kochem, es wir nicht besser:

Die UNICEF ist ein Organ der Vereinten Nationen. Die Klitorisvorhautreduktion wurde laut Rechtsgutachten der UNICEF als weibliche Genitalverstümmelung eingestuft und wird dort auch als sogenannte „Milde Sunna“ bezeichnet. Die Klitorisvorhautreduktion ist eine weniger schwere Operation als die männliche Zirkumzision, bei dem die Klitoris nicht verletzt wird. Oft wird er auch aus ästhetischen vorgenommen. Dieser wird bei rituellen Durchführungen an nicht Einwilligungsfähigen jedoch strafrechtlich verfolgt.

Wenn also die Klitorisvorhaureduktion Genitalverstümmelung ist, dann ist die Zirkumzision nichts anderes.

MfG
Clemens-X
am Donnerstag, 23. August 2012, 11:46

Ich danke dem Erstatter der Strafanzeige...

für seinen Mut, seine Aufrichtigkeit und sein Engagement! Ich habe mich sehr darüber gefreut! Und ich freue mich darüber, dass in Sachen Genitalverstümmelung bei Männern und männlichen Kindern endlich die Diskussion in die richtige Richtung läuft.
Immerhin war vor rund drei Wochen hier im Ärzteblatt noch zu lesen, dass der Eingriff der Beschneidung (=Gentialverstümmelung) „ein völlig harmloser Routineeingriff” sei, dass man viel Wind um nichts machen würde und dass man die ärztliche Haftung für Körperverlertzung aushebeln und zugleich sogar die Sozialkassen bescheißen könnte, wenn man einfach die Diagnose Phimose stellen würde!!!
Die jetzige Diskussion zeigt mir, dass (hoffentlich) endlich ein genereller Wandel der Ansichten erfolgt, indem sich auch Ärzte bewusst werden, was dort eigentlich tatsächlich geschieht, nämlich eine Genitalverstümmelung, wie sie bei Mädchen und Frauen (Gott-Sei-Dank) seit vielen Jahren endlich geächtet und in Europa verboten ist.
Als nächstes muss es darum gehen, diese Entwicklung eines geschärften Bewusstseins in die politische Ebene und die Legislative hinein zu tragen. Der Schritt einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft ist hierzu ein wichtiger Schritt.
Wie wir aber aus trauriger Erfahrung wissen, kann ein Staatsanwalt (fast) nach eigenem Gutdünken Verfahren einstellen, niederschlagen usw. Deshalb wäre es sehr förderlich, wenn solche Strafanzeigen bundesweit massenhaft gestellt würden!
Wie viel Arbeit noch gegen den Einfluss mächtigster Lobbyisten-Verbände geleistet werden muss, sieht man an der meiner Ansicht nach ekelhaft feigen Haltung von Westerwelle und an den wütend-machtvollen Reaktionen islamischer und jüdischer Spitzenverbände. Gerade letztere greifen mal wieder in die altbewährte Trickkiste und manipulieren deutsche Entscheidungsträger mit dem Hinweis auf angebliche Schuld aus brauner Vergangenheit, die auch heute noch verpflichte! Das ist zwar eine andere „Baustelle” als die hier anstehende Diskussion um ein angebliches „Recht” zur Durchführung von religiös gerechtfertigtem Gesetzesbruch durch Genitalverstümmelung. Aber die Unverschämtheit und Dreistigkeit, mit der von Seite der jüdischer Religionsgemeinschaft mit Hinweis auf „Schuld aus brauner Vergangenheit” immer wieder Vorteile, Sonderbehandlung und Sonderrechte eingefordert werden, die empört mich. Und es wird Zeit, dem endlich mit einem klaren NEIN zu begegnen!!!

Wir brauchen viel mehr mutige Ärzte, wie der Anzeige-Erstatter! Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Anzeige nicht die einzige in Deutschland bliebe, denn Unrecht muss als Unrecht benannt und verboten werden!

Clemens M. Hürten - Lebenslust jetzt! - Rottweil
mrdoc
am Donnerstag, 23. August 2012, 11:12

Studie ist doch Repräsentativ

Hallo, also eine Kohortenstudie die durch das US Institutional review board genehmigt wurde mit einer Fallzahl von n=8.967 über schwere spätfolgen neonataler Zirkumzision, wie sie unten aufgeführt ist, darf sich durchaus repräsentativ nennen.
An der Studie hat offensichtlich auch ein jüdischer Glaubensangehöriger teilgenommen
Mathilda
am Donnerstag, 23. August 2012, 08:51

@ mkochen

Es geht hier nicht um eine medizinische Behandlung, die notwendig durchgeführt werden muss, wo es nur um die konkrete Art und Weise der Behandlung geht. In einem solchen Fall hätte Sie sicher Recht, dass die Studienlage dünn ist und nicht repräsentativ.
Hier geht es aber um eine religiös veranlasste Körperverletzung, für die keinerlei medizinische Notwendigkeit besteht. Die Babys oder Kinder sind vollkommen gesund (zumindes in Bezug auf die vorgenommene "Behandlung"). Die "Behandlung" hat auch keinen präventiven Zweck (wie z.B. eine Impfung), der den Eingriff rechtfertigen könnte. In diesem Fall ist es völlig unrelevant, ob die Fallzahl von Studien niedrig ist oder die absolute Anzahl bekannter Komplikationen gering ist. In diesem Fall ist jede einzelne Komplikation eine zu viel, da sie einem gesunden Kind zugefügt wird.
mrdoc
am Donnerstag, 23. August 2012, 02:16

Sebastian Guevara Kamm

Guten Abend, darf ich denn Kollege sagen?
Zunächst wäre es nett, wenn Sie sich nicht als Verfasser der Strafanzeige ausgeben. Hinsichtlich Ihrer Ausführungen, das "nur wenige" Mohelim die oral genitale Penisblutsaugung praktizieren, kann ich dies nicht verifizieren, sehe das aber im Rahmen des möglichen. Schließlich kam erst gestern ein Oberrabbiner und warb für Eingriffe ohne Betäubung. Zumindest möchte ich darauf hingewiesen sehen, dass hier nicht medizinische Künste im Vordergrund stehen. Verifizieren kann ich hingegen, dass der Eingriff in Deutschland ohne Approbation und Kontrolle durch die Ärztekammern erfolgt und durchgeführt wird. Zur aktuellen Studienlage:

Klinische Pädiatrie 2001 über 30% (Näher Stehr/Schuster/Dietz/Joppich, (Nr. 213), 50 (53) mwN.)

Neuere Studie, für Kinder aus einer großen amerikanischen Klinik (n=8.967) waren schwere Spätkomplikationen mit 7,4% für in der Ambulanz durchgeführte Operationen und 4,7% bei Stationär beschnittenen publiziert worden(1). Andere Studie aus USA n=329 lag bei 7,29% (2). Wohl bemerkt, durch Ärzte. Ansonsten liegen die Raten viel höher. Iran 20,4% (3) 52% Nigeria (4).
Ebenso bemerkenswert (n=373):
Abnahme des Onaniewohlempfindens bei 48%, Schwierigkeiten bei Onanie 63% der Probanden, 20% verschlechterung Sexualleben (5)

Aber das ist hier die falsche Stelle, um das zu debattieren.

Mein Vorschlag zur Kompromisslösung:
Dieser kann M.E. nur so aussehen, dass an dem Kind kein operativer Eingriff mehr vorgenommen wird, dass ist der Fall bei einer "nicht mehr als punktförmigen Eröffnung der äußeren Haut". Etwa durch Anritzen mit einer Nadel, ähnlich wie bei der Blutzuckerprüfung. Dabei handelt es sich zwar um eine Körperverletzung, aber ich könnte mir vorstellen, das eine solche -aufgrund ihrer abschätzbaren Risiken- gesetzlich geregelt werden könnte.
Guten Abend.

(1)Late complications of newborn circumcision: a common and avoidable problem.
Pieretti RV, Goldstein AM, Pieretti-Vanmarcke R.
Source Section of Pediatric Urology, Massachusetts General Hospital, Boston, USA.
(2)Clin Pediatr (Phila). 2006 Jan-Feb;45(1):49-54.
Incidence of meatal stenosis following neonatal circumcision in a primary care setting.Van Howe RS.Source Department of Pediatrics, Michigan State University College of Human Medicine, Marquette, Michigan, USA.
(3)Joudi M, Fathi M, Hiradfar M.Pediatric Surgery, Mashhad University of Medical Sciences, Mashhad, Iran.
(4) Complications of traditional male circumcision. Ahmed A, Mbibi NH, Dawam D, Kalayi GD.Department of Surgery, Ahmadu Bello University Teaching Hospital, Zaria, Nigeria.
(5)DaiSik Kim and Myung-Geol Pang
mrdoc
am Mittwoch, 22. August 2012, 21:50

Verfasser der Strafanzeige

Guten Abend,
als Verfasser der Strafanzeige muss ich dazu sagen, dass der Bericht unvollständig ist, wie Sie sicherlich an den übrigen Berichten selbst nachvollziehen können ist folgendes publik geworden:

Die Strafanzeige erfolgte wegen Offizialdelikten. Hierbei muss die Staatsanwaltschaft sogar ermitteln. Der Vorwurf lautet auf gefährliche Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, sowie schwerer Körperverletzung.

Inhalt der Strafanzeige lautet auf rituell veranlasste medizinisch nicht indizierte Genitaloperationen, in Form von Zirkumzisionen, ohne Betäubung an nicht einwilligungsfähigen männlichen Säuglingen und Kleinkindern, ohne dabei über eine Zulassung als Arzt in Form einer Approbation zu verfügen, sowie ohne hinreichende medizinische Fachkenntnisse über den vorzunehmenden Eingriff zu haben, an dafür medizinisch ungeeigneten unsterilen Plätzen.

Auf das Urteil in Köln wurde zwar auch Bezug genommen, aber nur als ein Punkt von vielen, wie etwa auch der Artikel 24 Nummer 3 der UN Kinderrechtskonvention, wonach sich die Bundesrepublik Deutschland rechtsverbindlich verpflichtet hat: "Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen."

Die Meatusstenose ist eine gravierende Komplikation der neugeborenen Zirkumzision und wird mit über 30% in der Literatur beschrieben.
Ebenso verursachen rituelle Beschneider bei weitem die häufigsten Schäden an Säuglingen. Ich erlaube mir die agesehene Studie des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zu verweisen, wonach zwei Säuglinge bei der oral genitalen Penisblutsaugung an der frischen Peniswunde neulich in New York City starben.

Ich wünschte mir, dass hier die Studienlage auch entsprechend gewürigt und versachlicht wird. Ich hatte einfach genug von den Ohrlochstech- piercing und Tatoovergleichen die gebetsmühlenartig von Lobbyisten wiederholt werden. Wir sind doch Ärzte und sollen heilen, vergesst dass mal nicht liebe Kollegen!

Studie:
MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2012 Jun 8;61(22):405-9.
Neonatal herpes simplex virus infection following Jewish ritual circumcisions that included direct orogenital suction - New York City, 2000-2011.
Centers for Disease Control and Prevention (CDC).
Narkoleptiker
am Mittwoch, 22. August 2012, 21:15

ich kapiere es einfach nicht?

Ich verstehe etwas nicht. Wenn ich als Laie eine medizinische Behandlung durchführe, begehe ich eine Straftat. Wenn ein Rabbiner eine Beschneidung vornimmt, dann ist es keine? Hat man automatisch ein Medizinstudium und darf Behandlungen, hier sogar Operationen vornehmen, wenn man Rabbi ist?
Bretscher
am Mittwoch, 22. August 2012, 20:32

Gut so (verbessert)

Fragt sich nur, ob die Anzeige von der Staatsanwaltschaft überhaupt verfolgt wird, da sie argumentieren könnte, es läge kein öffentliches Interesse für eine Strafverfolgung vor, um sich aus der rechtlichen Diskussion raushalten zu können. Jedenfalls schiebt sie die Diskussion darüber an, dass religiöse Verletzungen an Kindern nicht toleriert werden können - vielmehr die Zeit für religiöse Fundamentalisten (wörtliche Ausführung von biblischen Texten, die entweder aus ihrer Entstehungszeit als Vergangenheit oder übertragen auf die heutige Zeit neu interpretiert werden müssen) gekommen sein sollte, sich in Richtung selbstständigen und kritischen Denkens zu bewegen. Der Vorschlag einer "Ausbildung der Beschneiter" lenkt nur ab und ist nicht hilfreich.
Bretscher
am Mittwoch, 22. August 2012, 20:29

Gut so

Fragt sich nur, ob die Anzeige von der Staatsanwaltschaft überhaupt verfolgt wird, da sie argumentieren könnte, es läge kein öffentliches Interesse für eine Strafverfolgung vor, um sich aus der rechtlichen Diskussion raushalten zu können. Jedenfalls schiebt sie die Diskussion darüber an, dass religiöse Verletzungen an Kindern nicht toleriert werden können - vielmehr die Zeit für religiöse Fundamentalisten (wörtliche Ausführung von biblischen Texten, die entweder aus ihrer Entstehungszeit als Vergangenheit oder übertragen auf die heutige Zeit neu interpretiert werden müssen), sich in Richtung selbstständigen und kritischen Denkens zu bewegen.
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