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Bahr will Register für Verstöße von Transplanta­tionsärzten

Montag, 3. September 2012

Berlin/München – Um das Vertrauen in die Transplantationsmedizin wieder herzustellen, will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ein Register für Transplantationsärzte schaffen, die durch Verstöße aufgefallen sind. „Mir ist wichtig, dass Ärzte, die erwiesenermaßen gegen Gesetze oder Regeln verstoßen haben, die Konsequenzen zu spüren bekommen und dass das dann auch bekannt wird“, sagte Bahr dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Bisher blieben Regel- und Gesetzesverstöße von Medizinern unveröffentlicht.

Der Medizinische Direktor von Eurotransplant, Axel Rahmel, sprach sich im Spiegel für eine Reform des Honorarsystems für Transplantationen aus. „Jedes System von finanziellen Anreizen hat das Potenzial von Fehlanreizen“, sagte er. Es berge die Gefahr für die Manipulation von Daten. Zuvor hatten auch zahlreiche Kritiker gefordert, die Gehälter von Transplantationsmedizinern nicht länger von der Zahl der Transplan­tationen abhängig zu machen. Eurotransplant ist die zentrale Stelle für die Vergabe von Organen in sieben europäischen Ländern, darunter auch Deutschland.

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Unterdessen berichtete das Magazin Focus, dass im Organspendeskandal ein weiterer Arzt beschuldigt werde. Danach ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg seit dem 8. August gegen den beurlaubten Leiter der Chirurgie der dortigen Uniklinik, Hans S.

Anlass für das Verfahren sei die Anzeige eines Schweizers, der auf arabischsprachige Webseiten der Uniklinik hingewiesen hatte. Oberstaatsanwalt Edgar Zach zufolge werden die Seiten derzeit übersetzt. Details nannte er nicht. Hans S. war Doktorvater und Vorgesetzter des Hauptbeschuldigten Aiman O., der in 46 Fällen regelwidrig Spenderlebern verpflanzt haben soll.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier forderte rasche Konsequenzen aus den jüngsten Organspendeskandalen in Göttingen und Regensburg. „Die wichtigsten Ressourcen bei der Organspende sind Vertrauen und Glaubwürdigkeit“, sagte Steinmeier der Welt am Sonntag. Für deren Wiederherstellung müssten die Politik, die Ärzteschaft und alle beteiligten Organisationen entschieden und schnell handeln.

Der SPD-Politiker zeigte sich „entsetzt und enttäuscht“ über das Verhalten der Mediziner. Sie hätten „durch Verantwortungslosigkeit und maßlosen Ehrgeiz das Werk Tausender Menschen“ vernichtet.

Gleichwohl bleibe es „bei der tragischen Wahrheit, dass jedes Jahr mehr als tausend Menschen sterben, die leben könnten, wenn die Bereitschaft zur Organspende höher wäre“, so Steinmeier. Daher sage er: „Jetzt erst recht“. Steinmeier hatte vor zwei Jahren seiner Frau eine Niere gespendet. © kna/aerzteblatt.de

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