Politik

Zahl der Suizidtoten angestiegen

Freitag, 7. September 2012

Berlin – In Deutschland haben sich im Jahr 2010 knapp 7.500 Männer und etwas mehr als 2.500 Frauen das Leben genommen. Zum ersten Mal seit Jahren sei damit die Zahl der Suizide in Deutschland wieder angestiegen, sagte der Vorsitzende des Nationalen Suizidpräventionsprogramms, Armin Schmidtke, heute anlässlich des Weltsuizid­präventionstages am 10. September. Knapp dreimal mehr Menschen seien 2010 durch Suizide als durch Verkehrsunfälle gestorben. „Die Suizidprävention steht dazu allerdings in keinem Verhältnis“, kritisierte Schmidtke.

„Suizidprävention ist nicht nur Sache von Experten, nicht nur Sache des medizinischen Systems. Suizidprävention ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, betonte Schmidtke. Man müsse in Deutschland lernen, über die Prävention von Selbsttötungen zu sprechen, so wie es in anderen Ländern bereits geschehe. „In den USA reden die Lehrer mit ihren Schülern über dieses Thema. In Großbritannien werden in Clubs Flyer an Jugendlichen verteilt, die Informationen und Ratschläge enthalten“, so Schmidtke. Oft seien Suizid­gefährdete froh, wenn sie auf ihre Selbstmordgedanken angesprochen würden.

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In 80 bis 90 Prozent aller Fälle seien Suizidopfer psychischen krank gewesen, erklärte Schmidtke. Den Suizidenten sei dabei gemein, dass sie keine Hoffnung mehr hätten, die Situation, in der sie sich befinden, ändern zu können.

Die meisten Suizidversuche würden von jungen Frauen vorgenommen. Die häufigsten Todesfälle durch Suizide gebe es jedoch bei alten Menschen. So werde bei Frauen jeder zweite Suizid durch eine über 60-Jährige verübt.

Besonders hoch liege die Suizidalität zudem bei jungen türkischen Frauen, erklärte Meryam Schouler-Ocak von der Psychiatrischen Universitätsklinik am St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin. „Die Rate liegt fast doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen einheimischen Frauen.“ 

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe wies anlässlich des Weltsuizidpräventionstages darauf hin, dass etwa 100 der jährlich etwa 63.000 Schlaganfalltoten freiwillig aus dem Leben geschieden seien. Auslöser der Suizide sei die so genannte Post Stroke Depression, eine der häufigsten Folgen des Schlaganfalls. Von dieser Depression seien etwa ein Drittel aller Schlaganfall-Patienten betroffen.

Die Stiftung plädierte dafür, Schlaganfall-Patienten nachhaltiger zu betreuen. „Wichtig ist, Schlaganfall-Patienten nicht isoliert in einzelnen Versorgungsabschnitten zu betrachten, sondern sie über eine längere Strecke bis hin zur Nachsorge zu begleiten“, betonte Darius Nabavi, Vorstandsmitglied der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. 

Eine Untersuchung der Versorgungssituation von Schlaganfall-Betroffenen in der Region Rhein-Ruhr, die das Institut Arbeit und Technik im Auftrag der Stiftung vorgenommen hatte, hatte gezeigt, dass nicht immer alle Schlaganfallfolgen diagnostiziert oder dokumentiert wurden. Eine Depression als Komplikation des Schlaganfalls tauchte demnach praktisch gar nicht auf. © fos/hil/aerzteblatt.de

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