7.834 News Medizin

Medizin

Aminosäure-Mangel kann Autismus auslösen

Freitag, 7. September 2012

San Diego – Ein genetischer Stoffwechseldefekt, der zu einem Mangel der verzweigtkettigen Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin im Gehirn führt, kann einen Autismus auslösen. Dies hat ein internationales Forscherteam herausgefunden. In Science (2012; doi: 10.1126/science.1224631) berichtet es, wie eine Substitution der Aminosäuren in einem Mäusemodell die Symptome linderte. Ob die Therapie auch beim Menschen wirksam wäre, ist noch nicht bekannt. Der Gendefekt ist vermutlich selten.

Er wurde in drei Familien aus der Türkei und Ägypten entdeckt. Die Eltern waren jeweils Cousins und Cousinen ersten Grades, was die Wahrscheinlich von autosomal rezessiven Erbgängen erhöht. Um den Defekt aufzuspüren sequenzierte das Team um Joseph Gleeson von der Universität von Kalifornien in San Diego das gesamte Exom, also alle Abschnitte des Genoms, die Proteine kodieren. In beiden Familien wurde ein Defekt im BCKDK-Gen gefunden.

Anzeige

BCKDK steht für Branched Chain Ketoacid Dehydrogenase Kinase. Dieses Enzym greift in den Abbau von verzweigtkettigen (Branched Chain) Aminosäuren ein. Sie gehören zu den essenziellen Aminosäuren, die mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Im Gewebe werden sie von den Enzym BCKD (Branched Chain Ketoacid Dehydrogenase) abgebaut. Dieser Abbau wird vom gegenregulatorischen Enzym BCKDK gehemmt. BCKDK soll vermutlich verhindern, dass in Zeiten geringer Zufuhr die Reserven an Valin, Leucin und Isoleucin zu schnell aufgebraucht werden.

Der Gendefekt führt zu einem Mangel der drei Aminosäuren, der bei den betroffenen Kindern nachgewiesen werden konnte. Die Betroffenen litten an einer schweren Form des Autismus, der mit geistigen Behinderungen einhergeht. Sie hatten außerdem regelmäßig epileptische Anfälle, was laut Gleeson in etwa einem Viertel der Autismuserkrankungen der Fall ist.

Dass der Gendefekt tatsächlich für den Autismus verantwortlich ist, konnten die Forscher an gentechnischen Mäusen nachweisen, bei denen sie das Gen für BCKDK ausgeschaltet hatten. Die Tiere zeigten neurologische Auffälligkeiten, die auf einen Autismus hinweisen. Die Symptome konnten durch eine Diät mit größeren Mengen an Valin, Leucin und Isoleucin abgestellt werden.

Ob eine solche Substitution auch bei Menschen mit autistischen Störungen wirken würde, ist nicht bekannt. Gleeson vermutet, dass die genetische Störung nur für eine geringe Anzahl von Autismus-Erkrankungen beim Menschen verantwortlich ist. Der nächste Schritt dürfte die Entwicklung eines Gentests sein. Mit seiner Hilfe könnte dann nach Kandidaten für eine klinische Studie gesucht werden.

© rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.834 News Medizin

Nachrichten zum Thema

24.04.13
Aarhus – Nach einer intra-uterinen Exposition mit Valproinsäure kommt es in einem hohen Prozentsatz zu Autismus-Spektrum-Störungen bis hin zum Autismus im engeren Sinn. Dies kam in einer...
23.04.13
Bristol – Zum zweiten Mal bringt eine Fall-Kontroll-Studie die Einnahme von Antidepressiva in der Schwangerschaft mit Autismus-Spektrum-Störungen in Verbindung. Die Assoziation war in der aktuellen...
13.02.13
Folsäure schützt vor Autismus
Oslo – Die perikonzeptionelle Einnahme von Folsäure wird derzeit zur Prävention von Neuralrohrfehlbildungen wie Spina bifida empfohlen. Nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie im...
11.12.12
Hilft Diuretikum bei Autismus?
Marseille – Das Schleifendiuretikum Bumetanid hat in einer randomisierten Doppelblindstudie einige Kernsymptome von autistischen Störungen gelindert. Die Forscher führen dies in Translational...
26.09.12
Nashville – Ältere Kinder und jüngere Erwachsene mit Autismus profitieren anscheinend nicht unbedingt von Arzneimitteln, die bei Kleinkindern mit dieser Erkrankung wirken. Wie Wissenschaftler der...
17.07.12
Chapel Hill – Mittels eines Fragebogens für die Eltern von einjährigen Kindern, können Ärzte feststellen, ob das Kind ein erhöhtes Risiko für Autismus trägt. Laut einer Studie von Wissenschaftlern der...
04.07.12
Chapel Hill – Die Kinder und Geschwister von Patienten mit Schizophrenie haben ein erhöhtes Risiko an einer Autismus-Spektrum-Störung zu erkranken. Die zeigen drei Fall-Kontroll-Studien in den...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in