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Stammzellen regenerieren Hörnerv

Donnerstag, 13. September 2012

Sheffield – Britischen Wissenschaftlern ist es gelungen, embryonale Stammzellen in Vorläufer von Hörnervenzellen zu differenzieren. Nach den in Nature (2012; doi: 10.1038/nature11415) publizierten Ergebnissen konnte nach einer Transplantation die Hörfähigkeit von Rennmäusen teilweise wieder hergestellt werden.

Zwei Arten von Nervenzellen sind für das Hören zuständig. Der Empfänger für akustische Signale sind die Haarzellen im Innenohr. Sie geben die Signale noch im Corti-Organ an die bipolaren Neurone der Hörnerven weiter, deren Zellkörper das Ganglion spirale bilden. Dem Team um Marcelo Rivolta von der Universität Sheffield ist es gelungen, beide Neurone aus Stammzellen zu differenzieren, die er aus dem Innenohr von menschlichen Embryonen entnommen hat. Je nach der Wahl der Wachstumsfaktoren im Nährmedium bildeten sich Vorläuferzellen, die den epithelialen Haarzellen oder den Neuronen des eigentlichen Hörnerven ähnelten.

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Da es für die Haarzellen bereits einen therapeutischen Ersatz gibt, nämlich die Cochlear-Implantate, entschied sich Rivolta für weitere Experimente mit den neuronalen Vorläuferzellen. Sein Team injizierte die Zellen Versuchstieren (Rennmäuse) ins Innenohr und zwar in den Modiolus cochleae. Das ist der knöcherne Anteil der Hörschnecke, in der sich auch das Ganglion spirale befindet. Die Versuchstiere waren zuvor durch Instillation von Strophanthin, ertaubt. Das Zellgift (und langjährige Herzglykosid) zerstört selektiv die Neuronen, lässt aber die Haarzellen intakt.

Wie Rivolta jetzt berichtet, bildeten die Vorläuferzellen Fortsätze aus. Schon nach wenigen Wochen hatten sie Kontakt zu den Haarzellen und dem Hirnstamm aufgenommen. Die Hörleistung der Tiere besserte sich. Rivolta führt hierzu neurophysiologische Untersuchungen mit Bestimmung der evozierten Hirnstammpotenziale durch. Nach der Strophanthin-Gabe war es hier zu einem deutlichen Anstieg der Hörschwelle gekommen. Zehn Wochen nach der Transplantation kam es zu einer Verbesserung um 46 Prozent.

Ob und wann die Therapie bei Menschen mit zentralen Hörstörungen eingesetzt wird, ist derzeit nicht absehbar. Zunächst sind weitere tierexperimentelle Studien notwendig, die nach Einschätzung des britischen Medical Research Councils noch einige Jahre dauern werden. Auf lange Sicht könnten die Stammzellen aber zur Behandlung der auditorischen Neuropathie infrage kommen. Darunter werden alle Hörstörungen zusammengefasst, die durch Störungen im Hörnerven entstehen. Nach Schätzungen sollen bis zu 15 Prozent aller schweren Hörstörungen auf diese Gruppe entfallen. © rme/aerzteblatt.de

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