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Nervenmedikamente sollen Augenlicht retten

Dienstag, 18. September 2012

Berlin – Medikamente, die das Absterben von Nervenzellen verhindern, könnten auch die Sehzellen des Auges schützen und einem Sehverlust im Verlauf des Lebens vorbeugen. Darauf haben Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) im Vorfeld ihres Jahreskongresses Ende September in Berlin hingewiesen. Die Suche nach derartigen neuroprotektiven Substanzen zeige erste Erfolge, so die DOG-Mediziner.

Laut DOG leiden allein in Deutschland etwa 4,5 Millionen Menschen an einer alters­bedingten Makuladegeneration (AMD), einer Erkrankung der Netzhaut. Zwei Millionen Menschen sind vom Glaukom oder einer Vorstufe davon betroffen. „Beide Erkrankungen können zu Erblindung führen und sind letztlich Folge davon, dass Zellen in der Netzhaut oder auch der Sehnerv absterben“, erklärte Wolf Lagrèze von der Universitäts-Augenklinik Freiburg.

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Die genauen Ursachen für das Zellsterben seien vielfältig und im Einzelnen nicht vollständig bekannt. Da die derzeit verfügbaren Medikamente die Erkrankungen AMD und Glaukom nur teilweise lindern können, haben sich Forscher auf die Suche nach pharmakologischen oder molekulargenetischen Methoden gemacht, die Nervenzellen oder Nervenfasern vor dem Absterben bewahren können.

„Es gibt nun erste Hinweise darauf, dass Neuroprotektion beim Menschen funktioniert“, erläuterte der DOG-Experte. Dazu zähle beispielsweise der Einsatz des Wirkstoffs Erythropoetin. Das Hormon aus der Niere sei zur Behandlung der Blutarmut zugelassen, so Lagrèze. Deutsche Mediziner hätten Erythropoetin jetzt in einer Pilotstudie bei Patienten untersucht, die an einer Entzündung der Sehnerven litten.

„Nach der Infusion von Erythropoetin war der Verlust von Nervenfasern im Vergleich zur Placebogruppe signifikant geringer und die Sehfunktion der Patienten besserte sich tendenziell“, berichtete Lagrèze. Geplant sei nun, dieses neue Therapiekonzept an einer größeren Gruppe von Patienten zu überprüfen.

Bis die Mittel zur Vorbeugung des Sehverlusts im Alter eingesetzt werden können, wird es nach Einschätzung des Experten aber noch einige Jahre dauern. „Wir stehen am Anfang und müssen noch einige Hürden nehmen, insbesondere die Translation aus dem Labor in die Klinik fundierter machen und verbessern“, betonte der DOG-Experte. © hil/aerzteblatt.de

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