Politik

Welt-Alzheimer-Tag: Vorhandene Therapien besser nutzen

Mittwoch, 19. September 2012

Berlin – Die Zahl der Menschen mit Demenz und Alzheimer nimmt zu und wird sich bis 2050 wahrscheinlich verdoppelt haben. Darauf haben heute anlässlich des kommenden Welt-Alzheimer-Tages am 21. September Vertreter der Deutschen Alzheimer Gesell­schaft, der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und der Hirnliga hingewiesen. Vor allem fehle es bisher an wirksamen Medikamenten, betonte Isabella Heuser, Vorstand der Hirnliga. „Es gibt Medikamente, die etwas den Verlauf verzögern können, aber bisher keine mit durchschlagendem Erfolg.“ Auch sei keine medikamentöse Therapie in Sicht, die die Erkrankung heilen könne.

Trotzdem könne mit den vorhandenen Medikamenten schon viel bewirkt werden, betonte Hans Gutzmann, Präsident der DGGPP: „Wenn wir alle Therapien einsetzen würden, die es heute schon gibt, hätten wir schon viel für die Patienten und ihre Angehörigen erreicht.“ Bisher erhielten jedoch nicht alle Patienten eine entsprechende Behandlung. „Wir wissen, dass die Medikamente nur bei einem Viertel der Patienten eine deutliche Verbesserung bringen und bei einem Drittel gar keine“, erklärte Gutzmann. Aber man könne den Patienten nicht ansehen, zu welcher Gruppe sie gehörten, weshalb jeder erst mal entsprechende Medikamente erhalten sollte.

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Verschiedene Gruppen von Demenz- und Alzheimerpatienten zu identifizieren, sei bisher ein ungelöstes Problem, erklärte Heuser. „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass alle Demenzpatienten gleich sind.“ Für Heuser ist eine Einteilung der Demenzerkrankten in verschiedene Gruppen schon bei der Diagnose der Schlüssel für eine erfolgreiche Behandlung.

„Solange wir das nicht machen, sind wir auf dem Holzweg und werden keine wirksame Therapie entwickeln können.“ Um verschiedene Gruppen von Demenzpatienten zu identifizieren, sei jedoch aufwendige klinische Forschung nötig, die in Deutschland kaum finanziert würde. „Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördern hauptsächlich die Grundlagenforschung“, kritisierte Heuser. „Das muss überdacht werden.“

Die Vorsitzende der Deutschen Alzheimergesellschaft, Heike von Lützau-Hohlbein, sprach sich für eine schnellere Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs aus: „Wir haben das Problem, dass sich in der Pflege der Blick heute weniger darauf richtet, was gebraucht wird, als auf das, was bezahlt wird“, kritisierte sie. Deshalb brauche man dringend den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, durch den Demenzerkrankte anderen Pflegebedürftigen gleichgestellt würden.

„Das Pflegeneuordnungsgesetz wird das Problem nicht lösen“, stellte Lützau-Hohlbein fest. Bei der zunehmenden Zahl an Demenzerkrankten müssten darüber hinaus entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden, um diese angemessen zu versorgen. „Es kann nicht sein, dass dies auf 1,1 Milliarden Euro gedeckelt wird.“ Die Menschen seien bereit, für gute Pflege auch mehr zu bezahlen.

Pflegende Angehörige müssen besser unterstützt werden
Wichtig sei auch eine bessere Unterstützung der pflegenden Angehörigen von Demenzerkrankten. „Angehörige müssen tagtäglich mit den Problemen und Bedürfnissen von Demenzerkrankten umgehen “, so Lützau-Hohlbein. Deshalb müssten Angehörige und Professionelle, wie ambulante Pflegedienste und Hausärzte, eng zusammenarbeiten. „Wir stellen jedoch immer wieder fest, dass die einzigen, die etwas koordinieren, die Angehörigen sind.“ Die Politik müsse deshalb Rahmenbedingungen schaffen, die eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Professionellen und Angehörigen fördern.

Einen Schritt in diese Richtung sind heute das Bundesministerium für Gesundheit und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gegangen: Zusammen mit Vertretern der Länder, dem Deutsche Pflegerat, der Bundesärztekammer sowie bundesweiten Verbänden und Organisationen, die sich für Menschen mit Demenz einsetzen, wie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, gründeten sie die „Allianz für Menschen mit Demenz“. Bis Ende 2013 will die Allianz konkrete Maßnahmen zur besseren gesellschaftlichen Teilhabe von Demenzerkrankten und ihren Angehörigen beschließen.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder betonte, dass man der Herausforderung Demenz nur begegnen könne, „wenn wir pflegende Angehörige unterstützen, Fachpersonal gezielt qualifizieren und Ehrenamtliche in ihrem Engagement bestärken. Dazu kann die Allianz einen ganz wesentlichen Beitrag leisten“. „Mit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz, das in seinen wesentlichen Teilen am 1. Januar 2013 in Kraft treten wird, haben wir eine gute Basis gelegt“, erklärt Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

„Nicht nur die Pflegesituation der Angehörigen wird verbessert, sondern es wird substanzielle Leistungsverbesserungen für Demenzkranke geben. Es geht immer auch darum, den demenzkranken Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen." © mei/aerzteblatt.de

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