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Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – auch nicht für Laborärzte

Freitag, 21. September 2012

Bonn/Mannheim – Auf die besonderen Aufgaben, die sich Laborärzten bei der Mitbe­treuung von Kindern und Jugendlichen stellen, hat die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) hingewiesen. Untersuchungen bei dieser Patientengruppe seien für Labormediziner eine spezielle Herausforderung, nicht zuletzt bei der Präanalytik, Analytik, und Postanalytik von Laboruntersuchungen zum Beispiel bei Stoffwechselstörungen, bei genetisch determinierten Krankheiten oder bei Infektionen.

Eine große Herausforderung seien Probenmengen, die den Medizinern bei den kleinen und kleinsten Patienten in der Diagnostik zur Verfügung stünden. „Ein 1.000 Gramm leichtes Frühchen hat insgesamt nur 80 Milliliter Blut. Bei einer normalen Blutentnahme beim Erwachsenen werden etwa zehn Milliliter abgenommen. Dies geht natürlich bei kleinen Kindern nicht“, sagte Klaus Kohse, Mitglied des Präsidiums der DGKL und Direktor des Instituts für Laboratoriumsdiagnostik und Mikrobiologie am Klinikum Oldenburg.

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Der Labormediziner müsse mit extrem kleinen Volumina auskommen und vor der Geburt sogar auf gänzlich andere Testverfahren zurückgreifen. Die Spanne reiche dabei von der Untersuchung des genetischen Materials, die seit Kurzem auch über das Blut der Mutter erfolgen könne, bis zur Bestimmung des Blutbildes mit Hilfe einer Probennahme aus der Nabelschnur vor der Geburt. „Daran wird deutlich, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind und die pädiatrische Laboratoriumsmedizin eine eigene medizinische Fachdisziplin ist“, betonte Kohse.

Ein weiteres Problem sind laut der DGKL die sogenannten Referenzintervalle. Es sei bei Kindern und Jugendlichen oft schwierig, Laborergebnisse eindeutig dem Bereich „krank“ oder „gesund“ zuzuordnen. Daher benötigen die Labormediziner für jede Entwicklungs­phase passende Bezugsgrößen, eben jene Referenzintervalle. Doch trotz einer Vielzahl von entsprechenden Ansätzen in den vergangenen Jahren sind die Referenzintervalle der Ergebnisse von Laboratoriumsuntersuchungen laut der Fachgesellschaft für die pädiatrische Population oft nur schlecht definiert.

Der Grund: Referenzintervalle für Kinder festzulegen, sei sehr schwierig, denn hierzu seien viele gesunde Freiwillige nötig. „Wir benötigen weitere Studien, die von uns als Fachgesellschaft initiiert und nach Möglichkeit mit Finanzmitteln aus der Politik und der Wissenschaftsförderung kommen sollten“, forderte daher Joachim Thiery, Präsident der DGKL und Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik am Universitätsklinikum Leipzig. © hil/aerzteblatt.de

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