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Neurologen fordern Umdenken in der Schmerztherapie

Donnerstag, 27. September 2012

Hamburg – Wechseln Patienten ihre Medikamente, kann deren Erwartungshaltung die Wirksamkeit der neuen Arzneien entscheidend beeinflussen. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hingewiesen. Habe etwa das erste Schmerzme­dikament eine schlechte Wirkung gezeigt, werde auch die Wirkung des nächsten nicht zufriedenstellend sein, so die Fachgesellschaft.

„Angesichts dieser Resultate erscheint etwa das Stufenschema der WHO zur Schmerz­behandlung mit der sukzessiven Anwendung immer stärkerer Arzneien als fragwürdige Strategie“, erklärte Ulrike Bingel, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, auf dem 85. DGN-Kongress. Sehr häufig stünden Ärzte vor der Situation, dass eine Arznei nicht die gewünschte schmerzlindernde Wirkung zeige. „Man steigt dann um und probiert einen anderen Wirkstoff“, so Bingel. Dabei werde jedoch die Erfahrung, die der Patient mit dem ersten Medikament gemacht hat, mitgenommen, und mindestens teilweise auf die Folgearznei übertragen.

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Um dies zu zeigen, ließ die Hamburger Wissenschaftlerin im Rahmen einer Studie einen Teil der gesunden Probanden schlechte Erfahrungen mit einer vermeintlichen Schmerz­salbe machen. Die Teilnehmer bekamen an verschiedenen Stellen der Haut zwar die gleiche Salbe, wussten aber nicht, dass die Forscher mittels Hitze unterschiedlich starke Schmerzreize erzeugten. Tags darauf gab es dann statt der Salbe ein Schmerzpflaster, und der Schmerzreiz wurde um 30 Prozent verringert.

Mitnahmeeffekt wirkt sich schädlich aus
Das Ergebnis: Wer zuvor schlechte Erfahrungen mit der Salbe gemacht hatte, konnte auch mit dem Pflaster weniger Schmerzlinderung feststellen. Der Unterschied zwischen den beiden Versuchsgruppen machte laut Bingel 15 Punkten auf der 100 Punkte umfassenden visuellen Analog-Skala aus. „Würde man in einer Studie zwei Schmerz­mittel miteinander vergleichen, wären 15 Punkte ein beträchtlicher Unterschied", so die Ärztin.

Dieser „Mitnahmeeffekt“ dürfte sich in der Praxis meist schädlich auswirken. Üblicher­weise werde mit den schwächsten Arzneien begonnen, und erst nach deren Versagen sollen Ärzte die jeweils nächststärkere Medikamentenklasse erproben. „Da offenbar Lernvorgänge auch bei pharmakologischen Behandlungen eine Rolle spielen, ist es wichtig, ein Therapieversagen zu vermeiden“, machte Bingel deutlich.

Beipackzettel kontraproduktiv
Auch Beipackzettel wecken der Wissenschaftlerin zufolge negative Erwartungen. „Sie sind aus Sicht der Nocebo-Forschung eine Katastrophe und machen flächendeckend Patienten krank, indem sie gerade jene Nebenwirkungen vermehrt hervorrufen, die dort aufgelistet sind", kritisierte Bingel.

Umgekehrt würde eine ausführliche Aufklärung über den zu erwartenden Nutzen einer Therapie – idealerweise durch den behandelnden Arzt – deren Wirksamkeit erhöhen. „Der Schlüssel ist eine wertschätzende und einfühlsame Arzt-Patienten-Beziehung sowie eine verständliche Information über Erkrankung und Therapie, die die positiven Aspekte betont, ohne unrealistische Ziele zu setzen“, so die Neurologin. © hil/aerzteblatt.de

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gilligan-2
am Freitag, 28. September 2012, 08:49

link zur Studie?

Hallo,
könnten Sie, wie sonst auch, einen link zur Studie einfügen?
vielen Dank

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