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Diabetes-Screening in Studie erfolglos

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Cambridge – Angesichts einer zunehmenden Zahl von Typ-2-Diabetikern und den bekannten Folgen der Erkrankung fordern Diabetologen eine intensivierte Früherkennung. Doch die erste randomisierte klinische Studie zu dieser Frage kann nicht belegen, dass ein Screening mit nachfolgender Behandlung der Diabetiker die Sterblichkeit senkt. Auch die Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder diabetesbezogenen Todesfällen ging laut der Publikation im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)61422-6) nicht zurück.

Die Voraussetzungen für eine Früherkennung des Typ 2-Diabetes sind eigentlich gut. Die Erkrankung ist relativ häufig und die Prävalenz steigt derzeit stark an. Die Erkrankung entwickelt sich über einen längeren Zeitraum, das zeitliche „Fenster“ für die Früherkennung ist deshalb groß, und die Erkrankungen sollten auch bei einem weitmaschigen Screening erkannt werden.

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Die Tests sind einfach möglich, und es gilt als sicher, dass eine frühe Therapie das Risiko jener Spätkomplikationen senkt, die die Lebenserwartung der Diabetiker verkürzen. Außerdem ließen Computer-Simulationen einen Erfolg der ADDITION-Cambridge-Studie erwarten. Der Akronym steht für „Anglo-Danish-Dutch Study of Intensive Treatment In People with Screen Detected Diabetes in Primary Care“. ADDITION-Cambridge ist ein britischer Arm der Studie.

An der Studie beteiligten sich 33 Hausarztpraxen im Osten Englands mit 11.737 Patienten im Alter von 40 bis 69 Jahren, die ein erhöhtes Diabetesrisiko auswiesen. Das Risiko wurde mit einem Score abgeschätzt, der neben Alter und Geschlecht den Body-Mass-Index, die Behandlung mit Steroiden oder Hochdruckmedikamenten, Rauchen und eine positive Familienanamnese berücksichtigt.

Die randomisierte Studie teilte die Praxen in drei Gruppen: In 5 Praxen wurde kein Screening durchgeführt. In 15 Praxen schloss sich dem Screening im Fall einer Diabetesdiagnose ein intensives Diabetes-Management nach dem Vorbild der STENO-2-Studie an (samt Lebensstilmodifikation und Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin). In den übrigen 13 Praxen wurden die Diabetespatienten entsprechend der Leitlinie behandelt.

Das Team um Simon Griffin vom Addenbrooke’s Hospital in Cambridge hatte erwartet, dass die frühzeitige Diagnose des Typ 2-Diabetes Spätkomplikationen vermeiden und die Sterberate der Patienten senken werde. Doch dies konnte in der Laufzeit der Studie von median 9,6 Jahren nicht belegt werden. Ein signifikanter Vorteil des Screenings war weder im primären Endpunkt Gesamtsterblichkeit (Hazard Ratio HR 1,06; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,90-1,25) nachweisbar, noch gab es in den Sekundärendpunkten kardiovaskuläre Sterblichkeit (HR 1,02; 0,75-1,38), Krebssterblichkeit (1,08; 0,90-1,30) oder diabetesbezogene Sterblichkeit (1,26; 0,75-2,10) Hinweise auf den positiven Einfluss einer frühzeitigen Diabetesdiagnose und -therapie. Die Autoren verzichten darauf, zwischen dem normalen und dem intensiven Diabetesmanagement zu vergleichen.

Die Ergebnisse der ersten randomisierten Studie dürften allen Diabetologen, die von den Vorteilen eines Screenings überzeugt sind, noch Kopfzerbrechen bereiten. Eine mögliche Erklärung für den negativen Ausgang der aktuellen Studie sieht Griffin in der geringen Rate von Diabetes-Erkrankungen von 3 Prozent in der Kohorte. Hier könnte sich die Tatsache ausgewirkt haben, dass die Studie in eher wohlhabenden Regionen Englands durchgeführt werden, wo ein Diabetes auch ohne Screening-Programm früher entdeckt wird.

Ein Screening sollte nach Ansicht des Editorialisten Michael Engelgau von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta immer landes- und kontextspezifische Hintergründe berücksichtigen, wenn es nicht Gefahr laufen will, finanzielle Ressourcen zu verschwenden und Patienten durch unnötige Tests zu verunsichern. © rme/aerzteblatt.de

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