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Griechenland will DRG-System übernehmen

Freitag, 12. Oktober 2012

Berlin – Griechenland plant, in den Krankenhäusern des Landes ein Fall­pauschalsystem nach deutschem Vorbild zu implementieren. Das geht aus der Antwort der parlamen­tarischen Staats­sekretärin im Bundesgesund­heits­minis­terium, Annette Widmann-Mauz, auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ hervor (Drucksachen-Nummer 17/10622). Bereits seit 2006 werde in Griechenland die Einführung von Diagnosis-Related Groups (DRGs) als Möglichkeit zur Kostenminimierung diskutiert. Im April dieses Jahres hätten nun Expertengespräche in Berlin und Athen über Voraussetzungen für die Einführung von DRGs stattgefunden.

Es sei vorgesehen, „einen differenzierten Projektplan für die Einführung eines DRG-Systems aufzustellen und durch die verantwortlichen Akteure zu konsentieren“, schreibt Widmann-Mauz. Zu den Prioritäten gehöre dabei derzeit nicht die Anschaffung technischer Hilfsmittel, sondern die Schaffung des gesetzlichen Rahmens, die Herstellung der DRG-Konformität der Klassifikationssysteme sowie die Herstellung von Voraussetzungen für ihre einheitliche und flächendeckende Anwendung.

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Im gegenwärtigen Stadium der Vorbereitung von Handlungsvorschlägen könnten jedoch keine belastbaren Angaben zu finanziellen Auswirkungen von DRGs auf die Kranken­häuser getroffen werden.

Das Bundesgesundheitsministerium ist seit April dieses Jahres auf Seiten der Euro­päischen Union für den Umbau des griechischen Gesundheitssystems federführend. In ihrer Antwort umreißt die Staatssekretärin die Defizite des griechischen Systems: „Es fehlen eine effektive Kostensteuerung sowie wettbewerbliche Elemente (keine freie Wahl der Krankenversicherungsträger möglich). Außerdem ist das medizinische Personal unterbezahlt und es gibt regionale Qualitäts- und Quantitätsunterschiede in der medizinischen Versorgung.“

EU-Finanzkrise und die Folgen: Am Ende bezahlen die Kranken

Christos Zacharias ist immer noch aufgebracht, wenn er an die vergangenen drei Monate zurückdenkt – daran, dass seine herzkranke Mutter in einem maroden Gesundheitssystem beinahe unter die Räder gekommen wäre. Die Rede ist von Griechenland, dem Staat in Europa, der zurzeit am meisten unter den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu leiden hat.

Zusätzlich zu den Gesprächen über Fallpauschalen hat es Widmann-Mauz zufolge in diesem Jahr auch Gespräche „zu Aspekten der Arzneimittelversorgung und –preisgestaltung“ gegeben. Dabei unterstütze die Bundesregierung die von der griechischen Regierung beabsichtigte Erhöhung des Anteils an Generikapräparaten. Auch seien im Rahmen der Partnerschaft der Universitätsklinika Ioannina und Marburg Beratungskurse zur Einführung verbindlicher Hygienestandards oder zur Optimierung der OP-Organisation durchgeführt worden.

„Das Vorgehen der Bundesregierung ist zynisch“, kommentierte der Gesundheitsexperte der Linken, Harald Weinberg, die Antwort der Staatssekretärin. „In Griechenland führt der Zerfall des Gesundheitssystems dazu, dass epidemische Krankheiten wie Typhus und Tuberkulose wieder auftreten und Krebspatienten nicht therapiert werden.“ Anstatt das Engagement darauf zu richten, die humanitäre Katastrophe abzuwenden, brüste sich die Bundesregierung damit, das System der Krankenhausfallpauschalen nach Griechenland zu exportieren.

Dass Fallpauschalen eine bessere Krankenversorgung bewirken, sei jedoch noch nicht einmal für Deutschland nachgewiesen - im Gegenteil gebe es viele Anhaltspunkte, die dagegen sprächen.

In Heft 41 widmet das Deutsche Ärzteblatt die Titelgeschichte den Folgen der Finanzkrise für die Gesundheitssysteme einiger betroffener Staaten. Die Grundlage lieferten Gespräche mit Europaparlametariern aus Griechenland, Portugal und Italien. Dabei zeichnet sich ab, dass der harte Sparkurs, der Ländern abverlangt wird, die sich unter den europäischen Rettungsschirm begeben haben, sich spürbar auf die Versorgung der Kranken auswirkt. © fos/aerzteblatt.de

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