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Nierentransplantate funktionieren in Europa länger als in den USA

Freitag, 12. Oktober 2012

Heidelberg – Der prekäre Versicherungsschutz vieler US-Amerikaner wirkt sich ungünstig auf die Erfolgsrate von Nierentransplantationen aus. Während im ersten Jahr vergleich­bare Transplantatüberlebensraten wie in Europa erzielt werden, kommt in den Folge­jahren häufiger zum Organverlust. Defizite gibt es laut einer Studie in Untersuchung in Transplantation (2012; doi: 10.1097/TP.0b013e3182708ea8) vor allem bei den Afroamerikanern.

Nierentransplantationen werden in Europa und den USA nach den gleichen Prinzipien durchgeführt. Auch für die Immunsuppression stehen die gleichen Medikamente zur Verfügung. Im ersten Jahr nach der Transplantation sind die Erfolgsraten auf beiden Seiten des Atlantiks gleich: Die 1-Jahresorganüberlebensrate betragen in Europa und den USA 91 Prozent.

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Nur bei den Afroamerikanern sind sie mit 89 Prozent etwas niedriger, wie der Epidemio­loge Adam Gondos von der Universität Heidelberg in einem Vergleich der Datenbanken UNOS und CTS herausfand. Die in Richmond, Virginia, ansässige United Network for Organ Sharing (UNOS) hat bisher Langzeitdaten von 32.000 Nierentransplantationen gesammelt. In Europa übernimmt diese Aufgabe die Collaborative Transplant Study (CTS) mit Sitz in Heidelberg. Dort gibt es Langzeiter­fahrungen zu 23.500 Nierentrans­plantierten.

Sind die Ergebnisse in den ersten Jahren noch gleich, so ist nach 5 Jahren in den USA ein Abfall erkennbar. Die Transplantatüberlebensraten betragen in Europa noch 77 Prozent, in den USA sind es 71 Prozent bei den Weißen, 73 bei den Hispanics und 62 Prozent bei den Afroamerikanern. Nach 10 Jahren funktionieren in Europa noch 56 Prozent der Organe, in den USA sind es 46 Prozent bei den Weißen und 48 Prozent bei den Hispanics. Bei den Afroamerikanern ist die Rate sogar auf 34 Prozent abgefallen.

Auch wenn die Analyse selbst die Ursachen nicht ermitteln kann, sind sie für Gondos doch offensichtlich. Viele Krankenversicherungen würden in den USA die Kosten für die Medikamente nur in den ersten drei Jahren übernehmen. Danach müssten die Patienten sie selbst tragen, was sich bei jährlichen Ausgaben von rund 20.000 US-Dollar nicht alle leisten könnten. Ohne regelmäßige Medikamenteneinnahme komme es aber zwangs­läufig zur Organabstoßung. © rme/aerzteblatt.de

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