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Diabetes: Ultra-Lang­zeitinsulin vor der Einführung

Freitag, 19. Oktober 2012

London – Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arznei­behörde EMA hat grünes Licht für die Einführung von Insulin degludec gegeben. Der Hersteller will das Ultra-Langzeitinsulin als Tresiba® in zwei unterschiedlichen Dosisstärken vermarkten. Separat soll das Mischinsulin Ryzodeg® eingeführt werden, das Insulin degludec mit Insulin aspart kombiniert. Die eigentliche Zulassung durch die Europäische Kommission wird für Anfang nächsten Jahres erwartet,

Insulin degludec ist ein Kunstinsulin. Vom natürlichen Hormon unterscheidet es sich einmal durch das Fehlen einer Aminosäure am Ende der B-Kette. Zum anderen wurde das Insulinmolekül mit einer C16-Fettsäure konjugiert. Dies führt zu einer extrem langsamen, dabei aber sehr gleichmäßigen Freisetzung von Insulin degludec aus dem subkutanen Depot. Die Wirkdauer von Insulin degludec beträgt nach Auskunft des Herstellers mehr als 42 Stunden. Sie ist damit deutlich länger als bei den Basisinsulinen Insulin Glargin (18 bis 26 Stunden) und Insulin detemir (bis zu 24 Stunden).

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Im Juni hat der Hersteller auf der Jahrestagung der American Diabetes Association die Ergebnisse der randomisierten „BEGIN Once Long“-Studie zu Tresiba® vorgestellt. Dort war bei 1,030 Patienten mit schlecht eingestelltem Typ 2-Diabetes (HbA1c 8,2 Prozent) die notwendige Insulintherapie mit Insulin degludec oder Insulin glargin durchgeführt worden. Nach einem Jahr hatten beide Langzeitinsuline den Langzeitzucker gleich stark reduziert (Insulin degludec: minus 1,06, Insulin glargin minus 1,19 Prozent). Auch die Rate der bestätigen Hypoglykämien war in beiden Gruppen in etwa gleich (1,52 versus 1,85 Episoden pro Patientenjahr). Unter Insulin degludec kam es jedoch zu 36 Prozent signifikant seltener zu den gefürchteten nächtlichen Hypoglykämien (0,25 versus 0,39 Episoden pro Patientenjahr; p = 0,038), was der Hersteller jetzt besonders herausstreicht (Diabetes Care 2012; doi: 10.2337/dc12-1205).

Tresiba® soll als erstes Insulin mit einer höheren Wirkstärke als die EU-weit üblichen 100 Einheiten/ml auf den Markt kommen. Geplant sind zwei Formulierungen mit 100 Einheiten/ml und 200 Einheiten/ml. Die Formulierung mit 200 Einheiten/ml erlaubt die Injektion von bis zu 160 Einheiten. Dies kommt einerseits der „Nachfrage“ der Diabetiker nach Insulin entgegen. Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel haben die Insulinresistenz verschärft, und immer mehr Typ 2-Diabetiker kommen nicht mit den 80 Einheiten aus, die sie sich bisher mit einem Basisinsulin mit einer einzelnen Injektion zuführen können.

Wenn das gleiche Insulin in zwei Dosisstärken auf den Markt kommt, birgt dies die Gefahr von Verwechselungen bei den (infolge Alters und Retinopathie oft sehschwachen) Diabetikern. EMA und Hersteller haben sich deshalb auf Sicherheitsmaßnahmen verständigt. So soll die höhere Dosisstärke nur in vorgefüllten Insulin-Pens verfügbar sein. Dosisangabe und Verpackungen sollen unmissverständlich gestaltet werden. Außerdem ist eine spezielle Schulung geplant.

In zwei klinischen Studien hat der Hersteller Insulin degludec auch im Rahmen der Basis-Bolus-Therapie an Typ 1- und Typ 2-Diabetikern getestet. Insulin degludec wurde dabei wiederum mit Insulin glargin verglichen. Die Patienten kombinierten diese Basisinsuline mit einer bedarfsabhängige Gabe von Insulin aspart, einem Kurzzeitinsulin des Herstellers. In beiden Studien konnten die Blutzuckerziele gleich häufig mit Insulin degludec und Insulin glargin erreicht werden.

In beiden Studien kam es im Insulin degludec-Arm seltener zu nächtlichen Hypo­glykämien, bei den Typ 2-Diabetikern war auch die Gesamtzahl der Hypoglykämien niedriger (Lancet 2012; 379: 1489–97 und 1489–97). Der Hersteller hat aufgrund der Ergebnisse dieser Studien grünes Licht zur Einführung von Ryzodeg® erhalten. Dieses Mischinsulin kombiniert das Basis-Insulin degludec mit dem schnell wirkenden prandialen Insulin aspart. Die CHMP hebt in der Entscheidung die niedrigere Rate der nächtlichen Hypoglykämien hervor, weist jedoch darauf hin, dass diese Komplikation auch unter Ryzodeg® die häufigsten Nebenwirkung der Insulintherapie bleibt.

Der Hersteller hat auch in den USA die Zulassung für Tresiba® und Ryzodeg® beantragt. Die FDA hat jedoch im Juni die Entscheidung vertagt. Für Anfang November ist eine Gutachtertagung anberaumt. Tresiba® wurde im September in Japan zugelassen. © rme/aerzteblatt.de

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