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Prostatakarzinom: Adjuvante Radiotherapie mit langfristigen Vorteilen

Freitag, 19. Oktober 2012

Grenoble – Eine postoperative Radiotherapie kann beim lokal fortgeschrittenen Prostata­karzinom das Risiko eines erneuten Anstiegs des PSA-Wertes deutlich reduzierten. In einer randomisierten Studie im Lancet (2012 doi: 10.1016/S0140-6736­(12)61253-7) war jedoch auch nach 10 Jahren noch kein sicherer Einfluss auf die Sterblichkeit erkennbar. Für ältere Patienten bleibt deshalb eine „Wait-and-See“­-Strategie, die Radiotherapie zunächst aufschiebt, eine Alternative.

Die adjuvante Radiotherapie kann sich mittlerweile auf drei randomisierte Studien stützen. Alle zeigen, dass eine unmittelbare postoperative Bestrahlung die lokale Tumorkontrolle verbessert und das biochemische progressionsfreie Überleben verlängert. Indikation für die Strahlentherapie sind in der Regel eine Perforation der Organkapsel durch den Tumor, positive Randschnitte des Resektats oder ein Eindringen des Tumors in die Samenblasen.

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Dies waren auch die wesentlichen Einschlusskriterien der Studie 22911 der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC), die zwischen 1992 und 2002 an 37 europäischen Zentren (ohne deutsche Beteiligung) 1005 Patienten auf die postoperative Bestrahlung oder eine „Wait-and-See“-Strategie randomisierte, bei der die Bestrahlung erst nach einem Wiederanstieg des PSA-Wertes AUF ÜBER 0,2 µg/l) erfolgt.

Inzwischen sind im Mittel 10,6 Jahre verstrichen. Die Vorteile auf das biochemische progressionsfreie Überleben sind weiterhin klar vorhanden: Nach der adjuvanten Radiotherapie sind noch immer 311 von 503 (61,8 Prozent) Patienten ohne PSA-Anstieg, während es im „Wait-and-See“-Arm nur 198 von 502 Patienten (39,4 Prozent) oder etwa halb so viele waren. Michel Bolla vom Centre Hospitalier Universitaire A Michallon in Grenoble und Mitarbeiter geben die Hazard Ratio (HR) mit 0,49 an. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl ist das 95-Prozent-Konfidenzintervall mit 0,41 bis 0,59 ziemlich eng. Das Ergebnis der Studie ist eindeutig.

Dies bedeutet nach Ansicht des Editorialisten Jason Efstathiou vom Massachusetts General Hospital in Boston jedoch nicht, dass die adjuvante Radiotherapie für alle Patienten die bessere Wahl sein muss. Die biochemische Progression zeigt zwar eine Rückkehr des Tumors an. Die dann im „Wait-and-See“-Arm nachgeholte Radiotherapie kann den Tumor jedoch erneut eingrenzen.

Bei dem langsamen Wachstum vieler Prostatakarzinome kann dies bedeuten, dass viele Patienten die klinische Progression des Tumors nicht mehr erleben. Vielen könnte deshalb die Strahlentherapie erspart bleiben. Efstathiou würde sie auf Patienten unter 70 Jahre und solche mit positiven Schnitträndern bei der Operation beschränken. Die erste Gruppe würde noch lange genug leben, um einen Tumorprogress zu erleiden. Bei der zweiten Gruppe sei das Risiko auf ein frühzeitiges Rezidiv besonders hoch.

Die Studie kann die Ansicht des Editorialisten nicht widerlegen. Denn auch nach fast elf Jahren war weder im klinischen progressionfreien Überleben (HR 0,81; 0,65-1,01) noch in der Gesamtsterblichkeit (HR 1,18; 0,91–1,53) ein Vorteil für die sofortige adjuvante Radiotherapie erkennbar. Es ist deshalb möglich, dass einige Patienten unnötig durch die Radiotherapie belastet werden. Die kumulative Rate der Strahlenspätschäden war mit 70,8 Prozent signifikant höher als im „Wait-and-See“-Arm mit 59,7 Prozent, © rme/aerzteblatt.de

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Hanna.Langenberger
am Samstag, 20. Oktober 2012, 19:36

adjuvante Radiatio abhängig vom Gleason-Score?

Ich teile die Ansicht, eine adjuvante Radiatio jüngeren Patienten mit positiven Absetzungsrändern anzubieten und eher zurückhaltend zu sein bei denen, die einen Tumorprogress wohl nicht mehr erleben werden. Aber sollte in die Betrachtung nicht auch der Gleason-Score mit einbezogen werden? (oder habe ich das überlesen?) Aus meiner Sicht könnte ich eher auf eine adjuvante Radiatio bei einem 60-jährigen Patienten mit einem Gleason von 2+3=5 und positiven Margins verzichten als bei dem rüstigen 80-jährigen mit einem Gleason von 5+4=9 und positiven Absetzungsrändern. So einfach, wie es Efstathiou beschreibt, kann es in der Klinik nicht sein. Am Ende muss die Entscheidung doch individuell, abhängig von dem Alter, dem Allgemeinzustand sowie der Tumorbiologie getroffen werden.

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