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Patienten mit Depressionen weltweit stigmatisiert

Montag, 22. Oktober 2012

Verona – Neben ihren Symptomen leiden viele Patienten mit Depressionen auch unter der Stigmatisierung und der Diskriminierung durch ihre Mitmenschen. Nicht selten hält sie die (oft unberechtigte) Angst vor einer Benachteiligung davon ab, professionelle Hilfe zu suchen, wie aus einer europaweiten Studie im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0­140-6736­(12)61379-8) hervor geht.

Das von der EU finanzierte „Anti Stigma Programme: European Network“ (ASPEN) hat im Jahr 2010 Patienten mit Major-Depression in 18 europäischen Ländern befragt. Hinzu kamen Patienten aus 35 außereuropäischen Ländern aus dem INDIGO-Projekt. Antonio Lasalvia von der Universität Verona und Mitarbeiter ließen insgesamt 1082 Patienten persönlich (face-to-face) mit dem DISC-12-Fragebogen interviewen, der speziell Stigmatisierung und Diskriminierung von Patienten mit mentalen Störungen erfasst.

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Die Ergebnisse zeigen, dass es sich um ein häufiges Problem handelt: Mehr als zwei Drittel (79 Prozent) der Patienten hatten Diskriminierungen in der einen oder anderen Form erfahren. Mehr als ein Drittel (34 Prozent) berichtete, dass sie von anderen Menschen aufgrund ihrer mentalen Erkrankung gemieden würden.

Mehr als ein Drittel (37 Prozent) wurde durch die ständigen Zurücksetzungen davon abgehalten, enge persönliche Beziehungen mit anderen Menschen einzugehen. Ein Viertel (25 Prozent) sagte, dass sie die Diskrimierung schon davon abgehalten habe, sich um einen Arbeitsplatz zu bewerben.

Viele Patienten hatten jedoch auch die Erfahrung gemacht, dass sich die antizipierte Diskriminierung als unberechtigt erwies: Fast die Hälfte (47 Prozent) hatte entgegen den Befürchtungen einen Arbeitsplatz gefunden und über längere Zeit behalten. Etwa gleich viele (45 Prozent) waren im Privatleben positiv überrascht worden. Dennoch ziehen es fast drei Viertel (71 Prozent) der Patienten vor, ihre Erkrankung vor den Mitmenschen zu verschweigen.

Dies erhöht nach Ansicht der Autoren die Barrieren, professionelle Hilfe anzunehmen. Es ist deshalb möglich, dass die Zahl der Menschen mit Depressionen in der Gesellschaft noch höher ist als derzeit angenommen. Hinzu komme, dass das Doppelleben die Patienten einem zusätzlichen Stress aussetze, der sie tiefer in die Depression fallen lasse, meint das Team um Lasalvia. © rme/aerzteblatt.de

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kschlensog
am Donnerstag, 25. Oktober 2012, 13:14

Stigmatisierung: "mentale Störung"

Zitat: "...ließen insgesamt 1082 Patienten persönlich (face-to-face) mit dem DISC-12-Fragebogen interviewen, der speziell Stigmatisierung und Diskriminierung von Patienten mit mentalen Störungen erfasst."

Ist es denn verwunderlich, dass Menschen, denen die Diagnose "mentale Störung" aufgedrückt wird (von Gesellschaft oder Medizin, die ja heutzutage 'beide' Hand in Hand an einem beachtlichen Zwang zur Normierung und Herausstellung von 'Abweichungen' leiden), dafür Diskriminiert werden?

Wie förderlich ist es denn tatsächlich, jegeliche - mentalen oder sonstigen - 'Abweichungen' von der (angenommenen, konstruierten,...) 'Normalität' als "Störung" zu bezeichnen? (anstatt z.B. als "den Umständen entsprechend nachvollziehbare Reaktion/Kompensationsversuch/...")

Inwieweit befördert die - medizinisch explizite oder gesellschaftlich angenommene - Diagnose "mentale Störung" denn womöglich selbst die Diskriminierung?

Siehe hierzu auch die sehr interessante Arbeit von Grit Reuter: http://www.weglaufhaus.de/wp-content/uploads/2010/08/reuter-hilfreiche_diagnose.pdf

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