Medizin

Diabetes: Hülsenfrüchte senken Blutdruck und HbA1c-Wert

Dienstag, 23. Oktober 2012

Toronto – Aufgrund ihrer langsam aufgeschlossenen Kohlenhydrate und einem hohen Fasergehalt gehören Hülsenfrüchte zu den von Diabetologen besonders empfohlenen Speisen. Eine entsprechende Diät hat jetzt in einer randomisierten klinischen Studie in den Archives of Internal Medicine (2012; doi:10.1001/2013.jamainternmed.70) Blutdruck und HbA1c-Wert gesenkt.

Die Vorgabe, die die Diätassistenten der Hälfte der Studienteilnehmer machten, war der Verzehr von mindestens einem Becher von gekochten Bohnen, Kichererbsen, Linsen oder anderen Hülsenfrüchten pro Tag. In der Vergleichsgruppe sollten die langjährigen Diabetiker (HbA1c 6,5-8,5 Prozent trotz oraler Antidiabetika) auf den Verzehr von Vollkornprodukten achten.

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Nach den von David Jenkins, Universität Toronto, und Mitarbeitern mitgeteilten Ergeb­nissen haben beide Diäten ihr Ziel erreicht. Die Diabetiker reduzierten die Kalorienzufuhr, sie aßen weniger Fette und mehr Proteine. Der HbA1c-Wert besserte sich unter der Hülsenfruchtdiät um 0,5 Prozentpunkte und unter der Vollkorndiät um 0,3 Prozentpunkte.

Der Unterschied war hier nicht signifikant. Bessere Ergebnisse erzielte die Hülsen­fruchtdiät jedoch in den Auswirkungen auf den Blutdruck: Der systolische Wert ging um 4,5 mm Hg gegenüber der Vollkorndiät zurück. Dies wirkte sich günstig auf das kardio­vaskuläre Risiko aus. Das rechnerische 10-Jahresereignisrisiko ging von 107 auf 9,5 Prozent zurück, das waren 0,8 Prozent mehr als unter der Vollkorndiät.

Obwohl die Unterschiede vor allem den Blutdruck betrafen, führt Jenkins den Erfolg der Hülsenfruchtdiät auf den niedrigen glykämischen Index zurück. Der glykämische Index ist das Zeitintegral des postprandialen Blutzuckeranstiegs im Vergleich zum Verzehr der gleichen Menge Traubenzuckers. Der Quotient wird dann mit 100 multipliziert. Dies ergibt für den Traubenzucker den ungünstigen Wert von 100.

Hülsenfrüchte sind wegen des Gehalts an schwer aufschließbaren Kohlenhydraten besonders günstig. Die Studienteilnehmer erzielten einen glykämischen Index von 66, während er unter der Vollkorndiät sogar leicht von 78 auf 82 angestiegen war.

Die Kommentatorin Marion Franz, Minneapolis, hält dagegen wenig vom Konzept des glykämischen Index. Dieser Begriff sei unklar definiert, habe in neueren klinischen Studien den HbA1c-Wert nicht eindeutig verbessert, und er werde deshalb von der American Diabetes Association nicht mehr als Grundlage ihrer Empfehlungen genannt.

Außerdem sei die Blutzuckerantwort auf Kohlenhydrate in der Nahrung sehr variabel, schreibt die Ernährungswissenschaftlerin, die in einer eigenen Firma in Minneapolis Ernährungskonzepte entwirft. Abgesehen von dieser theoretischen Kontroverse begrüßt aber auch Franz die Hülsenfrucht-Diät als eine von vielen Ernährungstherapien des Typ 2-Diabetes. Die Beratung müsse aber auf die persönlichen Bedürfnisse und die kulturellen Präferenzen der Patienten Rücksicht nehmen, wenn sie erfolgreich sein wolle.

© rme/aerzteblatt.de

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