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Viele Heimbewohner leiden unter Belastungsschmerzen

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Münster – Viele Bewohner von Pflegeheimen leiden unter starken Ruhe- und Belas­tungsschmerzen. Das ergab eine erste Befragung von Münsteraner Heimbewohnern, die das „Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster“ vorgenommen hat. „Bei 46 bis 63 Prozent aller untersuchten Bewohner traten zum Erhebungszeitpunkt Schmerzen bei Belastung auf“, erklärte der Leiter des Projektes, Jürgen Osterbrink, gestern in Berlin.

Zudem müsse die Kommunikation zwischen niedergelassenen Ärzten und Ärzten beziehungsweise Pflegekräften aus dem Krankenhaus verbessert werden. Denn die befragten Hausärzte hätten die Kommunikation mit Pflegenden aus dem Krankenhaus lediglich mit einer Schulnote von 3,7 und mit stationär tätigen Ärzten mit 3,3 bewertet, so Osterbrink. 

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Darüber hinaus habe sich ein Optimierungsbedarf bei der medikamentösen Therapie gezeigt: Drei Viertel der befragten Krankenhauspatienten hätten angegeben, keine Analgetika vor schmerzauslösenden Maßnahmen erhalten zu haben.

Ziel des „Aktionsbündnisses Schmerzfreie Stadt Münster“ ist es, Wissens- und Versorgungslücken an den Schnittstellen von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen, Hausarzt- und Schmerzpraxen sowie Hospizen zu erkennen und zu schließen. Zu dem Projekt gehört auch die Ausbildung von 100 sogenannten Pain Nurses, die gemeinsam mit den Ärzten die Schmerzbehandlung der Patienten vornehmen sollen, wie Osterbrink erklärte.

An dem Projekt nehmen sechs Krankenhäuser, 77 Hausärzte, 15 ambulante Pflege­dienste, 14 Altenheime, zwei Schmerzpraxen sowie alle Hospize der Stadt teil. Nach der ersten Befragung der Beteiligten soll eine wissenschaftliche Expertengruppe Opti­mierungskonzepte für die Schmerztherapie erarbeiten. Das Projekt wird hauptsächlich durch das Pharmaunternehmen Mundipharma gesponsert. Beteiligt sind  zudem unter anderem die Barmer GEK sowie der Hausärzteverband und das Universitätsklinikum der Stadt.

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Wolf-Dieter Ludwig, wies gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt darauf hin, dass Mundipharma der wohl wichtigste Hersteller für Schmerzmittel in Deutschland ist und unter anderem das massiv beworbene Opioid-Analgetikum Targin vertreibe.

„Das Kombinationspräparat Targin wurde im vergangenen Jahr deutlich häufiger verordnet als im Jahr zuvor“, sagte Ludwig. „Das ist ein eindrucksvoller Erfolg der Marketingstrategie dieser Pharmafirma.“ Die Versorgung von Schmerzpatienten verbessere es hingegen nicht. Denn Targin sei zwar deutlich teurer als das nach wie vor als Goldstandard geltende Opioid Morphin, wirke jedoch keineswegs besser oder sei besser verträglich.

„Ich halte Versorgungsforschungsprojekte für sehr sinnvoll“, betonte Ludwig. „Ich sehe es jedoch kritisch, dass offensichtlich 80 Prozent der Gelder für dieses Aktionsbündnis von Mundipharma bereitgestellt werden. Denn ich frage mich, ob dabei nicht Interessenkonflikte auftreten.“ Zudem müsse man darauf achten, dass bei diesem Projekt nicht nur Aspekte der medikamentösen Therapie, sondern zum Beispiel auch psychosoziale Aspekte berücksichtigt würden. © fos/aerzteblatt.de

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