7.851 News Medizin

Medizin

ASS: Wirkung bei Darmkrebs hängt von Gen ab

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Boston – Epidemiologische Studien haben Acetylsalicylsäure (ASS) in den letzten Jahren mehrfach mit einer protektiven Wirkung gegen Darmkrebs in Verbindung gebracht. Nach einer neuen Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1596-1606) wäre die Schutzwirkung weitgehend auf Patienten mit einem Genmerkmal beschränkt.

ASS gehört nicht zu den etablierten Wirkstoffen in der adjuvanten Therapie des kolorektalen Karzinoms. Der Wirkstoff wurde niemals in einer randomisierten Inter­ventionsstudie zu dieser Indikation untersucht. Die Evidenz beschränkt sich auf die Auswertung prospektiver Beobachtungsstudien oder auf der nachträglichen Meta-Analyse von randomisierten Studien, die in den 70er Jahren zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchgeführt wurden.

Anzeige

Die Ergebnisse sind jedoch konsistent, so dass viele Experten von einem Nutzen in der adjuvanten Therapie überzeugt sind, zumal es Hinweise auf einen Wirkungs­mecha­nismus gibt: ASS soll über die Inhibition der Cyclooxygenase in Stoffwechselwege eingreifen, die Tumorwachstum und Apoptose, die Selbstvernichtung von Tumorzellen, beeinflussen. Dabei besteht eine Verbindung zum PI3K-Signalweg (Phosphatidylinositol 3-Kinase), der bei etwa 15 bis 20 Prozent aller Tumoren gesteigert ist.

Das Team um Shuji Ogino vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston hat jetzt die Tumore von 964 Teilnehmern der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-up Study untersuchen lassen. Die beiden prospektiven Studien begleiten mehr als 170.000 Krankenschwestern und Männer aus Gesundheitsberufen. Von den 964 Tumoren wiesen 161 Mutationen im PI3K-Signalweg auf: 62 dieser Patienten hatten nach der Diagnose regelmäßig ASS eingenommen.

Nur zwei Patienten (3 Prozent) starben in den folgenden 5 Jahren, während es unter 90 Patienten, die nach der Diagnose kein ASS eingenommen hatten, insgesamt 23 Todesfälle (26 Prozent) gab. Ogino errechnet eine Reduktion der Gesamtsterblichkeit um 46 Prozent. Auch die darmkrebsspezifische Sterblichkeit sei um 82 Prozent zurückgegangen. Bei den Darmkrebspatienten, die keine Mutationen im PI3K-Signalweg aufwiesen, wirkte sich die Einnahme von ASS dagegen nicht auf die Sterberate aus.

Die Studie deutet darauf hin, dass die Wirkung von ASS in der adjuvanten Chemotherapie auf einen bestimmten Genotyp beschränkt sein könnte. In den Worten des Editorialisten Boris Pasche von der Universität von Alabama in Birmingham könne man auch von einer zielgerichteten „targeted“ Therapie sprechen, die derzeit in der Krebstherapie en vogue ist. Dennoch wird ASS wohl nicht so schnell zum offiziellen Bestandteil der Darmkrebstherapie werden.

Die „molekulare Epidemiologie“ liefert nur Hinweise, aber keine Beweise. Es ist nicht auszuschließen, dass andere Eigenschaften, die zufällig mit der ASS-Einnahme assoziiert waren (Ernährung, Meidung von Risikofaktoren, vielleicht auch die Einnahme von ASS vor der Diagnose) die protektive Wirkung erklären. Einen Beweis könnte nur eine randomisierte klinische Studie liefern. Die Initiative hierzu müsste allerdings von staatlichen Institutionen ausgehen, da ASS infolge des geringen Preises und des fehlenden Patentschutzes keinen Anreiz für private Arzneimittelhersteller bietet. © rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.851 News Medizin

Nachrichten zum Thema

20.03.13
Adipositas erhöht Risiko für Darmkrebs um ein Drittel
Berlin – Starkes Übergewicht erhöht das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, etwa um ein Drittel. „Übergewicht ist einer der konstantesten Risikofaktoren für Darmkrebs – in fast allen Studien zeigt sich...
19.03.13
Erlangen – Bestimmte Bindegewebszellen, sogenannte Tumorfibroblasten, sind ein wichtiges Brückenglied zwischen Darmentzündung und Darmkrebs. Sie fördern in entzündlicher Umgebung die Produktion und...
15.03.13
ASS könnte vor Melanomen schützen
Palo Alto – Postmenopausale Frauen, die regelmäßig Acetylsalicylsäure (ASS) einnahmen, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie seltener an einem Melanom. Die Schutzwirkung stiegt einer...
25.01.13
Philadelphia – Die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Chemotherapie beim kolorektalen Karzinom könnte mathematisch voraus bestimmbar sein. Dies berichtet eine Forschungsgruppe um Jochen Prehn, Direktor...
19.12.12
Madison/Wisconsin – Die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) wird bereits zum zweiten Mal in einer Kohortenstudie mit der Entstehung einer feuchten Form der altersbedingten...
30.11.12
NSAID und Aspirin schützen vor Leberkrebs
Bethesda – Patienten, die langfristig nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) einnahmen, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie im Journal of the National Cancer Institute (2012; doi:...
27.11.12
Brüssel – Ein Jahr nach der US-Zulassung wird das Fusionsprotein Aflibercept (als Eylea) jetzt auch in Europa zur Behandlung der neovaskulären „feuchten“ altersbedingten Makuladegeneration (AMD)...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in