Ärzteschaft

Interdisziplinäre Transplantations­konferenzen für Aufnahme in die Warteliste jetzt verbindlich

Freitag, 9. November 2012

Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) hat die Allgemeinen Grundsätze für die Aufna­hme in die Warteliste zur Organtransplantation in ihren Richtlinien verändert. Die Veränderungen gelten also für alle Organe und werden den Richtlinien für einzelne Organe jeweils vorangestellt.

Danach soll eine interdisziplinäre, organspezifische Transplantationskonferenz am Behandlungszentrum darüber entscheiden, ob ein Patient auf die Warteliste aufge­nommen oder von ihr abgemeldet wird. In den interdisziplinären Teams soll außer den direkt beteiligten chirurgischen und konservativen Disziplinen mindestens eine weitere medizinische Disziplin vertreten sein, die nicht unmittelbar in das Transplantations­geschehen eingebunden ist. Die Mitglieder der Transplantationskonferenz sind für alle vermittlungsrelevanten Meldungen und Entscheidungen verantwortlich und werden der Vermittlungsstelle Eurotransplant namentlich genannt.

Anzeige

Damit wird das „Mehraugenprinzip“ umgesetzt. Es war bei einem Spitzengespräch zwischen Vertretern von Bund, Ländern und den maßgeblichen Akteuren der Transplantationsmedizin im Bundesgesundheitsministerium Ende August vereinbart worden, nachdem gravierende, zum Teil offenbar absichtliche Verstöße gegen Richtlinien zur Organtransplantation festgestellt worden waren. Als Folge der Verstöße rückten Patienten auf der Warteliste nach vorn. In der Vergangenheit hatte es sich teilweise als schwierig erwiesen, bei Verstößen gegen Richtlinien die Verantwortlichen festzustellen.

„Der Hinweis, wer was macht und wer welche Entscheidungen getroffen hat, fehlt oft in Akten, die nicht elektronisch geführt sind“, sagte Hans Lilie von der Universität Halle gestern in der Süddeutschen  Zeitung. Lilie ist Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der BÄK. Mit der neuen Regelung werden die Verantwortlichen klar festgelegt.  Sie sind auch Ansprechpartner für Eurotransplant, der Allokationsstelle für postmortale Organe.

Richtlinien zur Organtransplantation gem. § 16 Abs. 1 S. 1 Nrn. 2 u. 5 TPG

Bekanntmachungen Der Vorstand der Bundesärztekammer hat in seiner Sitzung vom 18.–19. Okt. 2012 auf Empfehlung der Ständigen Kommission Organtransplantation Folgendes beschlossen

Außerdem müssen Ärzte, die für die Entscheidung verantwortlich sind, ob ein einge­schränkt vermittelbares Organ akzeptiert wird und für welchen Patienten, ihre Entscheidung der Transplantationskonferenz mitteilen. Bei solchen Organen haben Zentren einen größeren Einfluss auf die Zuteilung als bei anderen Organkategorien. Die Richtlinienänderungen sind in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes Heft 45 (S. A 2267-8) veröffentlicht und treten im Dezember in Kraft. © nsi/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

15.09.16
Organspende: Debatte um Widerspruchsregelung
Osnabrück – In den Niederlanden hat gestern das Parlament mit extrem knapper Mehrheit beschlossen, dass in der Organspende künftig das Widerspruchsrecht gelten soll. Wer sich nicht entscheidet, wird......
13.09.16
Organspende: Niederländisches Parlament stimmt für Widerspruchsregelung
Den Haag – Das niederländische Parlament hat mit hauchdünner Mehrheit einem umstrittenen Gesetzentwurf zur Organspende zugestimmt. Demnach können Bürger als Spender registriert werden, auch wenn sie......
22.08.16
Frankfurt/M. – Gebärmutter-Transplantationen könnten unfruchtbaren Frauen nach Ansicht des Erlanger Mediziners Matthias Beckmann helfen. Frauen, die keine Kinder bekommen könnten, fühlten sich oft......
18.08.16
Berlin – Am Lebertransplantationsprogramm der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gab es in den vergangenen Jahren nichts zu beanstanden. Das haben die Prüfungs- und Überwachungskommissionen von......
12.08.16
Organtran­splantation: Verfassungsgericht lehnt Beschwerde auf effektiven Rechtsschutz ab
Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat eine Verfassungsbeschwerde über rechtliche Probleme im Rahmen von Organtransplantationen nicht zur Entscheidung angenommen. In der Klage ging es......
05.08.16
Frankfurt – Das Universitätsklinikum Frankfurt wird künftig auf Herztransplantationen verzichten. Stark rückläufige Zahlen bei Spenderorganen sind laut der Klinik ein wichtiger Grund dafür, dass sie......
02.08.16
Leipzig – Eines neues Verfahren, um die Funktion der Leber zu erfassen, setzt das Universitätsklinikum Leipzig ein – den sogenannten LiMAx-Test. Das in Berlin unter anderem an der Charité......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige